Man sollte meinen mit Knut sei erstmals die Eisbär-Euphorie entstanden. Weit gefehlt. Dass dem nicht so ist, dass es Jahrzehnte vor Knut bereits Eisbären in Zoos gab, welche die Besucherzahlen in die Höhe schnellen ließen, welche wahre Fluten an Presseberichten, Filmberichten in der Wochenschau und sogar Bücher hervor gerufen haben, davon zeugt die Geschichte von Brumas.

Brumas Wiederentdeckung

Dass wir heute wieder von Brumas sprechen, ist eigentlich nur einem Zufall zu verdanken. Ein überzeugter Knut-Fan (vihi) kaufte kürzlich zufällig spanische Zitronen. Auf diesem Säckchen Zitronen war eine Banderole drauf. Auf der Banderole prangte ein Eisbär, die Sorte nannte sich Brumas. Zitronen und Eisbär? Wie passt das zusammen, dachte der Finder und googelte unter: Brumas. Und wurde fündig.

Die Geschichte von Brumas, der Eisbärin

Brumas, am 27. November 1949 geboren, war das erste im Zoo geborene Eisbärbaby in England, das auch überlebte und wurde aus diesen Gründen sofort zur Attraktion. Jedermann wollte dieses Eisbärbaby sehen. Das Bärchen rief einen einmaligen Besucheransturm hervor.

Brumas Mutter war Ivy, ihr Vater ein Eisbär namens Misha. Brumas wurde nach seinen beiden Pflegern Bruce und Sam (maS) benannt. Erstmals konnte ein großes Publikum das Heranwachsen eines kleinen Eisbären beobachten. Viele rührende Mutter Kind Szenen spielten sich vor dem begeisterten Publikum ab. Das winzige flauschige Bärchen zwischen den Beinen seiner Mutter öffnete jedermanns Herz.

Aus dem „Daily Graphic Brumas Annual Zoo Book"

Brumas berichtete selbst, so wie Jahrzehnte später Knut oder Flocke in ihren Blogs, in einem Buch aus ihrem Leben.

"Ich wurde im London Zoo geboren und ich bin das erste Eisbärbaby, das in England in einem Zoo überlebt hat. Meine liebe Mama ist Ivy, die vom Zoo Hannover kam. Mein Papa Misha wurde als Eisbärbaby auf einer Eisscholle treibend aufgefunden und von der S.S. Stalingrad gerettet und in den Zoo London gebracht. Als ich geboren wurde, wog ich nur ein Pfund und war ganz nackt und kahl. Muss ich komisch ausgesehen haben?......" Diese Zeilen, begleitet von Bildern, entzückten die Menschen.

Die Attraktion im London Zoo

Das Füttern war zwar im Zoo aus guten Gründen verboten, ein Schild warnte drastisch die Besucher: "Nicht füttern, außer Sie wollen Brumas töten!", aber man konnte damals das kleine Eisbärbaby ohne Probleme durch den Zoo begleiten, auf den Arm nehmen, was auch viele Prominente seinerzeit gerne machten. Den Menschengeruch brachte man von Brumas Fell wieder weg, indem man die kleine Eisbärin mit Heu ab rieb, um zu verhindern, dass Mama Ivy ihr Junges ablehnte.

Es sind aus dieser Zeit sogar noch Wochenschauberichte vorhanden.

Renommierte Zeitungen wie die Londoner Times berichteten immer wieder von der kleinen Eisbärin. Sogar Berichte über kurze Unpässlichkeiten fanden Eingang dort. Brumas wuchs heran, das Interesse wurde schwächer, aber es verschwand nie ganz.

Am 17. Mai 1958 fand einer der Pfleger Brumas überraschend tot vor. Bei der Untersuchung stellte man fest, dass Brumas an einer Blutvergiftung verstorben war. Brumas starb in dem für einen Eisbären jungen Alter von 8 Jahren. In der Londoner Times erschien am 24. Mai1958 ein Nachruf auf die Eisbärin, ungewöhnlich zu seiner Zeit. Die Mutter Ivy starb nur ein Jahr später, im Alter von 20 Jahren.

Die Wirkung von Tierbabys auf uns Menschen

Einer der ehemaligen Besucher wurde zum Beispiel aus Begeisterung und Zuneigung zu Brumas zum Tierpfleger. Gescheite Köpfe machten sich Gedanken über die Faszination, die von einem Jungtier ausgehen kann. Unter dem Titel: "Das Haustier der Nation" referierte der Herausgeber des Daily Graphic darüber: "Brumas ist mehr als ein kleiner im Zoo geborener Eisbär. Brumas ist ein Inbegriff und eine Empfindung, wie Father Christmas. Sie steht für Tierliebe, für die Hingabe zu unseren Haustieren. Sie ist der Geist von Zärtlichkeit und Zuneigung. Wenn ich die Worte eines weisen Mannes zitieren darf: "Wenn es keine Brumas gäbe, dann wäre es notwendig eine zu erschaffen."

Diesen letzten Satz kann man unverändert auf alle unsere Tiere, die im Stande sind, verschüttete Liebe in uns Menschen zu wecken, anwenden. Um bei den Eisbären zu bleiben, ob sie nun Knut, Flocke, Wilbär oder Brumas heißen.

Ein weiterer berühmter Bär in Schottland: Private Wojtek

Artikel zu Eisbären in Zoos:

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