
- Der Abenteurer Bruno Baumann - Bruno Baumann
In dem Roman mit dem Originaltitel „Lost Horizon“ schrieb 1933 der Engländer James Hilton von einer paradiesischen Klosteranlage, die irgendwo versteckt im Himalaya-Gebiet in Tibet liegen soll. Es war eine Fiktion, die er aus Überlieferungen der buddhistischen Mythologie genommen hatte und er gab dem Ort in seinem Roman den Namen Shangri-La. Sein Buch und die gleichnamige Hollywoodverfilmung erlangten Weltruhm.
Baumann gilt als einer der besten Kenner Tibets und des Himalaya-Gebietes
Jahrzehnte später geht Bruno Baumann Hiltons Vermutungen genauer auf den Grund. Der Österreicher, der in München lebt, ist Schriftsteller, Filmemacher und Fotojournalist. Nach intensiven Recherchen über Shangri-La findet er tatsächlich Spuren, die auf das Königreich Shang-Shung hinweisen, eine Kultur, die bislang in der Fachwelt nur eine Hypothese war.
Baumann gilt als einer der besten Kenner Tibets und des Himalaya-Gebietes. „Ich bin seit 1985 jährlich dort.“ Immer wieder führten ihn seine Reisen zu dem heiligen Berg Kailash. Der 6.714 Meter hohe Felsgigant, der einer Eispyramide gleicht, liegt im Westen des Himalayas.
Hier am Fluss Sutlej glaubte er das Geheimnis zu lüften. „Die Indizien, die ich fand, bewiesen, dass in dem Canyon nicht nichts drin sein kann“, sagt Baumann. Er ist ein Wildwasser-Fluss, der sich durch einen engen Felsen-Canyon westwärts zwängt. Niemand hat bisher den Sutlej per Boot befahren, bevor sich Baumann und sein Expeditionsteam 2004 der Herausforderung annahmen.
„Ich fahre solange es eine Straße gibt, ich gehe zu Fuß weiter, ich klettere wenn der Weg endet."
Baumann besitzt die jahrelange Erfahrung, das Risiko in Extremsituationen auszubalancieren. Er ist einer von der Sorte Mensch, die auf der ganzen Welt die Herausforderungen suchen: Er steigt auf die höchsten Berge, weil er „spüren will, wie sich die Todeszone anfühlt“. Er durchquerte schon einmal ganz alleine zu Fuß die Sahara, ohne Kontakt zur Außenwelt, "weil man erst dann Antworten auf Lebensfragen in sich selbst finden könnte", sagt er. Um an sein Ziel zu kommen, nimmt Baumann extreme Gegebenheiten hin: „Ich fahre solange es eine Straße gibt, ich gehe zu Fuß weiter, ich klettere wenn der Weg endet und hier am Sutlej gab es eben nur noch den Wasserweg.“ Doch sei dieses Vorhaben gefährlicher gewesen, als die Besteigung eines Achttausenders, findet er. „Denn das Gebiet war unerforscht. Wir wussten nicht, was uns hinter der nächsten Flussbiegung erwarten würde.“ Zu hoch seien links und rechts die Felswände gewesen, da hätte es im Notfall kein Zurück gegeben, erzählt der Expeditionsleiter.
Gab es eine hochentwickelte Kultur in Tibet schon vor Bhudda?
Als sich der Canyon nach einem Felsentor tatsächlich zu einem kesselartigen Tal öffnete, passierte genau das Unfassbare, was Baumann schon ahnte. Der Blick fiel auf hunderte von künstlichen Felsenhöhlen, vermutlich Wohnungen aus vergangenen Zeiten. Hier fand Baumann schließlich auch Relikte, die beweisen können, dass der Palast der Shang-Shung-Könige, den die Wissenschaft bis dato als hypothetisches „Silberschloss im Guradatal“ bezeichnete, de facto hier gestanden hat. Wenn sich die Vermutung bestätigen sollte, dann schreibt Baumanns spektakulärer Fund die Geschichte Tibets neu. Das würde bedeuten, dass es vor dem Königreich Lhasa und der Zeit Buddhas im 8. Jahrhundert nach Christus bereits schon eine hochentwickelte Dynastie in Tibet gab. „Das ist nun die Arbeit der Archäologen“, sagt Baumann beiläufig. Er jedenfalls wird weiter nach Tibet reisen. Für ihn ist es ein „beseeltes Land, wo auf der windigsten Passhöhe Gebetsfahnen wehen, wo Berge, Flüsse und Seen Heiligtümer sind.“
