BSC Young Boys Bern oder die Jäger der verlorenen Meisterschaft

Eine geschichtliche Zusammenfassung eines Schweizer-Fussball- Vereins mit englischem Namen, auf der Suche nach verlorenen Titel und Trophäen.

Am 14. März 1898 wurde in Bern die Fussballabteilung der Young Boys (www.bscyb.ch) gegründet. Die erfolgreichste Ära der Berner lag zwischen 1957 und 1960. Unter dem deutschen Trainer Albert Sing, wurde man viermal hintereinander Schweizer Meister und erreichte 1959 das Halbfinale des Europacup der Landesmeister (heutige Champions-League). Zur Zeit steht „YB“ (gängige Bezeichnung) in der nationalen Spitze des Schweizer Fussballs, ohne jedoch einen Titel in den letzten 24 Jahren errungen zu haben. International sind die Young Boys soeben in die Gruppenphase der Europa-League eingezogen.

Namensgebung Young Boys und erfolgreiche Anfangsjahre

Inspiriert durch die „Old Boys“ aus Basel, wurde aus „Old“ die Bezeichnung „Young“ gemacht. Die Klubfarben Gelb und Schwarz wurden ebenfalls vom Basler Vorstadt-Club adaptiert. Namen wie „Blue Stars“, „Red Star“, „Young Fellows“ oder „Grasshoppers“, führen auf die fussballerische Pionierarbeit der Engländer in der Schweiz zurück.

Fünf Jahre nach der Vereinsgründung, wurden die Young Boys gleich ein erstes Mal Schweizer Meister (1903). Ihre Stadtrivalen vom FC Bern, wurden somit ins zweite Glied verwiesen, und an diesem Zustand hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. Zwischen 1909 und 1911 gewannen die „Gelb-Schwarzen“ drei Meisterschaften nacheinander. In jenen glorreichen Tagen, wurde die bis heute berühmte „YB-Viertelstunde“ geboren. Jeweils mit Beginn der 75. Minute, zwangen die Berner ihre Gegner endgültig und teils vernichtend in die Knie. 1920 freute man sich über die fünfte Schweizer Meisterschaft. Mit den Grasshoppers aus Zürich waren die Berner damals, das Mass des Schweizer Fussballs. Im Oktober 1925 wurde, das vor allem in Deutschland berühmte Wankdorf-Stadion, eingeweiht. Die Young Boys feierten 1929 bereits die sechste Meisterschaft, ein Jahr später kam der erste Cup (Pokal)-Sieg dazu.

Albert Sing & Geni Meier- Epoche

Nach einer langen Durststrecke, die ausser einem Cup-Sieg 1945 keine weiteren Meriten brachte, begann die erfolgreiche Zeit unter Trainer Albert Sing. Der Deutsche war Assistenzcoach Sepp Herberger`s an der Fussball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Albert Sing wählte auch das Deutsche Mannschaftsquartier (Hotel Belvedere) in Spiez am Thunersee aus. Die Berner Young Boys ihrerseits, kündigten 1953 mit dem dritten Cupsieg eine für sie goldene Ära an. Die grosse „YB“-Mannschaft Ende der fünfziger Jahre, wird mit drei Spieler besonders verknüpft. Es waren dies der unvergessene Geni Meier, Heinz Schneiter und Torhüter Walter Eich.

Am 15. April 1959 fand vor 64`000 Zuschauer das Halbfinalspiel im Europacup der Landesmeister, gegen Stade de Reims statt. Die Young Boys gewannen das Spiel mit 1-0, Torschütze in der 13. Minute war natürlich… Geni Meier! Doch reichte der knappe Vorsprung nicht, im Rückspiel unterlag man mit 0-3. Die Berner Young Boys standen trotz der Niederlage, zu jenem Zeitpunkt auf dem Zenit ihrer Fussball-Historie. Zwischen 1956 und 1960 gab es vier Meistertitel und ein Cupsieg zu bejubeln. Es kam die Zeit längerer Titelabstinenz.

Durchschnitt, die letzten Erfolge und der Absturz

Mittelfeldplätze ohne jede Bedeutung folgten, der Traditionsverein aus Bern hinkte hinter den Basler und Zürcher mächtig hinterher. Auffällig wurde es, als man die Basler Ur-Legende Karl Odermatt, Ende 1975 aus der Rheinstadt an die Aare „entführte“. Aus „Karli“ Odermatt wurde „Käru“ Odermatt. Tatsächlich wurde „YB“ 1977 dann auch Cup (Pokal)-Sieger. Im Finale wurde, der älteste Fussball-Club der Schweiz der FC St. Gallen mit 1-0 geschlagen. 1986 holten die „Mutzen“, wie die Berner auch genannt werden, den vorerst letzten Meistertitel in die Schweizer Hauptstadt. Der Däne Lars Lunde und der Schwede Robert Prytz, waren die Stars der Meistermannschaft 86. Spektakulären Angriffsfussball zeigten die Berner unter dem polnischen Trainer Alexander Mandziara. In kanariengelben T-Shirts, gewann man 1987 noch den Final im Schweizer-Cup (4-2 n.V. vs. Servette Genf). Elf Meistertitel und sechs Cupsiege stehen bis heute im Palmares des BSC Young Boys Bern.

Es sollten bittere Jahre folgen, in denen die Berner viele ihrer Fans verloren. Von Cup-Final-Niederlagen über Mittelfeldplätze bis hin zum Abstieg aus der höchsten Spielklasse, ging die Berg und Talfahrt des Traditionsclub aus der Bundeshauptstadt. Finanziell auf dem „Zahnfleisch“ und sportlich in der Misere, übernahm im Herbst 1999 Marco Schällibaum das Traineramt. Von diesem Zeitpunkt an, ging es wieder aufwärts mit den „Gelb-Schwarzen“. Der „Choleriker“ Schällibaum hauchte den Bernern wieder Leidenschaft und Leben ein.

Erfolgreiche Jahre und ein unerreichtes Ziel der Young Boys

Aufbruchsstimmung herrschte bei den Young Boys. Nachdem das altehrwürdige Wankdorf-Stadion abgerissen wurde, musste man ins Neufeld (Stadion des FC Bern) ausweichen. Die Mannschaft entwickelte sich wieder zu einem Spitzenteam der höchsten Schweizer-Liga. Diese nannte sich jetzt „Axpo-Super-League“, die zweithöchste Liga der Eidgenossen bekam den Namen „Challenge-League“.

Im Sommer 2005 bezogen die Berner Young Boys ihr neues Heim. Das „Stade de Suisse“ mit einem Fassungsvermögen von rund 30`000 Zuschauer. Die moderne Arena hatte auch zur folge, dass die Strukturen im Verein immer professioneller wurden. Die Young Boys waren wieder wer im nationalen Fussball. Nach mehreren Trainerwechsel, war es die Saison 2007/2008 die den erhofften und langersehnten Meistertitel bringen sollte. Unter Martin Andermatt und mit dem Superstar Hakan Yakin, konnte im letzten Meisterschaftsspiel gegen den FC Basel, der noch nötige Sieg eingefahren werden. Doch man verlor auswärts mit 0-2. In der letzten Saison (2009/2010) lag man nach acht Runden, mit 13 Punkten Vorsprung auf den Rivalen aus Basel, an erster Stelle. Der Vorsprung schmolz wie Eis in der Wüste. Es kam wieder zur sogenannten Finalissima, diesmal aber in Bern. Die Young Boys benötigten einen Sieg um endlich wieder den Titel zu holen. Die Berner unterlagen erneut mit 0-2. Es entstand der Ausdruck „veryoungboysen“, was soviel heisst wie „vergeigen“.

"YB"`s Aktivitäten im Hier und Heute

Die Berner Young Boys unter ihrem Trainer Vladimir Petkovic, sind im Moment immer noch am Wunden lecken. Der Start in die neue Saison der Axpo-Superleague war bisher eher unter den Erwartungen. International sorgte „YB“ jedoch für Aufsehen. Gegen Fenerbahçe Istanbul setzte man sich überraschend durch, Tottenham Hotspur war aber im Champions-League Play-Off, eine Ellenlänge zu gross für die Berner. Es reichte immerhin für die (kleinere) Europa-League. Das langersehnte Ziel jedoch, ist ein nationaler Titel. Diesbezüglich gilt im Moment aber die Tatsache: Die Young Boys hoffen auf den Erfolg und glauben an ihr Versagen.

Fabio Del Bianco, Fabio Del Bianco

Fabio Del Bianco - Mein Name ist Fabio Del Bianco. Geboren wurde ich in der Stadt Basel. Seit mittlerweile doch schon 17 Jahren wohne ich im Kanton Bern in ...

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