BSV Kickers Emden - der Abstieg

Ex-Kickers Spieler Eric Agyemang mit Fan 2005 - Marcel Waalkes
Ex-Kickers Spieler Eric Agyemang mit Fan 2005 - Marcel Waalkes
Der BSV Kickers Emden stand für kurze Zeit vor dem Tor zur 2. Bundesliga. Statt Düsseldorf oder Dresden heißen die Gegner jetzt aber Drochtersen/Assel.

Es ist 14 Uhr am 4. August 2008 im ostfriesischen Emden. Das Embdena-Stadion ist proppevoll. Über 5500 Kickersfans feuern ihr Drittligateam bedingungslos an. Im Gästeblock stehen rund 2000 Anhänger des Traditionsvereins Fortuna Düsseldorf.

Hautnah dabei

Diese Schlachtenbummler haben schon viele Stadien gesehen, doch dieser Acker in Emden verschlägt ihnen die Sprache. In ihrer High-Tech Arena in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt herrscht Bundesliga-Atmosphäre. In Emden trennt lediglich ein Drahtzaun die Fans vom Spielfeld. Nirgendwo im deutschen Profifußball ist man so hautnah am Geschehen wie in Emden.

Im Block 5 des Emder Stadions stehen die beiden Fanclubs des BSV "Generation Embdena" und "Blue Sharks Emden". Jeder hat nach dem Spiel einen rauen Hals und ist heiser - zu recht. Der BSV schlägt Düsseldorf mit 1:0. Standardergebnis der ostfriesischen Minimalisten. Kapitän und Publikumsliebling - zu dem noch Ex-Fortune - Rudi Zedi markierte den Siegtreffer in der 58. Minute. Nach Abpfiff feiern die Spieler mit ihren treuesten Fans auf dem Platz und später in der urigen Stadionkneipe. Man kennt sich eben in Emden.

Ausnahmezustand in Emden

Jeden zweiten Samstag, wenn der BSV Kickers Emden ein Heimspiel hat, herrscht in der Seehafenstadt Ausnahmezustand. Die Emder verlassen ihr trautes Heim und pilgern zum BSV-Stadion. Die Kleinstadtbewohner begrüßen Teams und Fans aus Berlin, Dresden, Düsseldorf, Essen, Hamburg und Stuttgart. Man ist stolz auf seinen BSV.

Gespenst DFB

Doch in Emden spukt es. Das Gespenst heißt Deutscher-Fußball-Bund (DFB). Früh ist zu erkennen, dass der BSV die vom DFB auferlegten Auflagen nicht erfüllen kann. Ein neues Stadion, dass den DFB-Richtlinien entspricht, kostet mindestens 20 Millionen Euro. Der Verein hat knapp 1,5 Millionen in der Kasse, die Stadt ist pleite und Sponsoren finden sich nicht. Was lange brodelt, explodiert dennoch heftig: im Juni 2009 gibt der BSV Kickers Emden nach einer erfolgreichen Saison in der dritten Liga den Rückzug aus dem Profigeschäft bekannt.

Mit einem mal ist alles tot. Marc Fascher führte die Kickers 2005 als Trainer aus der Oberliga in die Regionalliga. Unter Trainer Stefan Emmerling, Ex-Bundesligaprofi beim MSV Duisburg, gelingt der Aufstieg in die neue dritte Liga. Der BSV ist oben angekommen,spielt um den Aufstieg in 2. Bundesliga und scheitert am Enden an sich selbst.

Neuanfang in Emden. Neue Spieler, neues Trainerteam, neuer Vorstand. Von der dritten Liga geht es in die Oberliga Niedersachsen West. Am Ende belegt das neue Kickers-Gespann nach Spielen in Bückeburg, Oythe und Bavenstedt einen guten fünften Platz und qualifiziert sich für die neue Oberliga Nord. Liga 5 heißt jetzt der Alltag in Emden. Es kommen nicht mehr 5000 Zuschauer, sondern 500. Der Fanartikelverkauf liegt brach, Fangruppen geben ihr bestes, erreichen aber wenig.

Hoffnung stirbt zuletzt

In Emden gibt man die Hoffnung nicht auf. Die treuesten Fans unterstützen den Verein immer noch nach Kräften. In die neue Oberliga Nord ist Kickers mit sieben Punkten aus drei Spielen gestartet. Unter dem neuen Trainer, Kickers-Ikone Uwe Groothuis, gelingt vielleicht eine gute Saison. Kann man etwa sogar um den Aufstieg in die Regionalliga mitspielen? In Emden stirbt die Hoffnung zuletzt. Vor zwei Jahren galt der Klub noch als der FC St. Pauli Ostfrieslands. Jetzt geht es gegen Vereine wie Drochtersen/Assel, Rehden und Bad Rothenfelde.

Das nächste Heimspiel bestreitet Kickers gegen einen alten Bekannten aus besseren Zeiten: VfL Osnabrück. Allerdings geht es gegen die U23. Das Profiteam spielt zeitgleich in der Allianz Arena gegen den TSV 1860 München in der 2. Bundesliga. Viele Kickers Fans werden sich wünschen, es wäre umgekehrt. Doch noch ist in Emden nicht aller Tage abend.

Zum Thema: Rote Karte für die Fußball-Regionalliga

Marcel Waalkes, Marcel Waalkes

Marcel Waalkes - Mein Name ist Marcel Waalkes, 21 Jahre alt. Ich wohne in Bremen und studiere dort Journalistik. Ich habe praktische Erfahrungen bei ...

rss