Diese entstanden im 16. Jahrhundert in Franziskanerklostern im hessischen Korbach und Meitersdorf (Wüstung bei Frankenberg). Eine Forschungslücke schließt sich. Anfang des 20. Jahrhunderts war die letzte Arbeit erschienen, die sich mit den Werken der Franziskanermönche während dieser Epoche beschäftigte. Auf 172 Seiten setzt sich die in Marburg geborene Kunstwissenschaftlerin nun intensiv mit dem Thema Klöster und ihre Schaffenskraft auseinander. Die Projektmitarbeiterin an der Universität Dortmund untersuchte, neben Nachforschungen in Archiven, vor allem vor Ort die Altaraufsätze (Retabeln), ließ sich dort inspirieren und forschte bei den Besuchen intensiv nach.
In guten Händen
Es ist schon eine halbe Ewigkeit her - aber die Zeit der Klöster und Mönche im Mittelalter erregt auch heute noch unser Aufsehen. Neben der Beschäftigung mit Gott und seinem Werk stellten viele Mönche auch Waren her. Neben Bier und Wein beschäftigten sich auch einige Gläubige mit der Herstellung von Altaren. Hier scheinen diese Werke in guten Händen gewesen zu sein. Einige haben die Zeiten nicht überlebt, wurden zerstört, verkauft. Andere hingegen sind der Menschheit bis heute erhalten geblieben - sehr zur Freude der Forscherinnen und Forscher, die so in die Welt von damals eindringen und sie verstehen lernen können.
Nach der Beschäftigung mit der Ausbildung der kreativen Mönche und dem Stellenwert der Kunst geht es im Buch vor allem um eins: die Werke - vier aus Korbach, drei aus Meitersdorf (dem heutigen Ederdorf). „Die Korbacher in Kilian, Nikolai, Nieder-Waroldern und Köln sind stärker bekannt, die Qualität ist gut. In Meitersdorf (produziert für Külte, Kleinern und Braunau) hingegen schwankt die Art der Ausführung", erklärt die Wissenschaftlerin. Die Künstler sind nicht mehr zu identifizieren. „Aber wir haben ein Selbstporträt als Signatur", verrät sie weiter. Ein Aha-Erlebnis hatte Meier bei der Betrachtung der Retabel aus Nieder-Waroldern: Der Schriftzug stammt aus einer beliebten Passionsbetrachtung aus dem 14. Jahrhundert. Die Altarbilder für Dalwigksthal und Wiesenfeld sind nicht mehr erhalten. Meier fand aber einen Vertrag zwischen Kloster Meitersdorf und den Johannitern zu Wiesenfeld.
Koproduktion als Winwin-Situation
„Wir sind sehr stolz, diesen Band auflegen zu können", freut sich Dr. Klaus Wendt, Vorsitzender des Waldeckischen Geschichtsvereins. Denn durch die Zusammenarbeit mit der Dortmunder Universität könne der Waldeckische Geschichtsverein bekannter gemacht werden. Ähnlich sieht es Dr. Jürgen Römer, Vorsitzender der Schriftleitung im Geschichtsverein: „Dieses Muster ist auch zukünftig möglich und wünschenswert. Ich sehe das als typische Win-win-Situation."
Das produzierte Buch ist in jedem Buchladen zu bekommen. Esther Meier: Kunstproduktion in den Franziskanerklöstern zu Korbach und Meitersdorf (Waldeckische Forschungen 15), ISBN 3837041387, 172 Seiten, zahlreiche Abbildungen.
