Buch-Rezension: Alles bleibt anders (Siegfried Langer)

Alles bleibt anders - Atlantis-Verlag
Alles bleibt anders - Atlantis-Verlag
Langer ist mit seinem Debut-Roman ein spannender SF-Thriller gelungen, der mit der Deutschen Vergangenheitsbewältigung ein brisantes Thema aufgreift

Schlimm genug für Frank Miller, dass er sein Gedächtnis verloren hat. Doch nicht nur das - er wurde außerdem offiziell seit drei Jahren für tot erklärt! Als ihn nicht einmal seine Verlobte Claire wiedererkennt, verwandelt sich sein rätselhaftes Schicksal endgültig in eine Tragödie. Es ist das Jahr 2008 und Franks langsam zurückkehrende Erinnerungen konfrontieren ihn mit einer unglaublichen Realität: mit einem Dritten Reich, das das Jahr 1945 überlebt hat, mit einer NSDAP, die mächtiger und grausamer ist als jemals zuvor. Über ganz Europa weht die Flagge mit dem Hakenkreuz.

Auf den Spuren von Philip K. Dick

Franks Suche nach seiner Identität führt ihn in die deutsche Hauptstadt Germania, erbaut nach den tollkühnen Entwürfen Hitlers und Speers. Dort erfährt er, dass er kämpfen muss – um sein Leben, um seine Liebe zu Claire und um das Schicksal vieler anderer. Zum Beispiel sein Professor Robert Gothaer, der vor dem Durchbruch einer höchst interessanten und wirkungsvollen Erfindung gegen die Nazis steht. Genretechnisch ist Alles bleibt anders eine Mischung aus klassischer Dystopie und Alternativ-Welt-Science Fiction.

Der NS-Staat, der den Zeiten Weltkrieg überdauert hat ist der Polizei- und Überwachungsstaat geblieben und noch viel schlimmer. Langer greift dabei auf etliche Motive von Philip K. Dick-Romanen zurück. Da wäre beispielsweise der Gedächtnisschwund und der Kampf um die Identität, die stark an den Protagonisten aus Eine andere Welt erinnert. Oder das Alternativ-Welt-Szenario eines Dritten Reichs, das den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat wie in Das Orakel vom Berge. Die Raum-Zeit-Reise zwischen den verschiedenen Universen knüpft natürlich an H. G. Wells Die Zeitmaschine an.

Auf den Spuren der Deutschen Erinnerung

Der Roman fesselt gleich von der ersten Seite an – als Leser kann man sich schnell in die umherirrende Figur hineinversetzen und wird auf diese Weise in den Bann gezogen. Die Charakterzeichnungen lassen noch ein bisschen zu wünschen übrig. Manche Figuren wirken wie stereotype Figuren altbekannten Filmen und Roman. Der Autor macht es einem mit den vertrackten Handlungsebenen nicht zu leicht, aber er überfordert den Leser genauso wenig.

Leider wird die Geschichte mit dem Aufklaren des Geheimnisses um Millers Persönlichkeit teilweise vorhersehbar. Aber davon abgesehen ist Langer ein spannender Science Fiction-Thriller gelungen, der zudem ein stets brisantes Thema aufgreift: Wie geht man als Deutscher mit der NS-Vergangenheit (richtig) um? Dadurch unterhält Langer nicht nur, sondern gibt darüber hinaus auch den einen oder anderem Denkanstoß.

Auf den Spuren von Siegfried Langer

Der Debütroman von Siegfried Langer, der die Vorstellung eines Multiversums aufgreift, wurde für den Kurd Laßwitz Preis 2009 in der Kategorie „Bester deutschsprachiger Roman 2008“ und für den Deutschen Phantastik Preis 2009 in der Kategorie „Bestes deutschsprachiges Romandebüt 2008“ nominiert. Der Autor wurde 1966 in Memmingen (Allgäu) geboren und lebt seit 1996 in Berlin. Sein neuer Roman – ein Psycho Thriller – wird 2011 im List Verlag erscheinen.

Siegfried Langer: Alles bleibt anders. Atlantis-Verlag, 2008. Paperback, ca. 240 Seiten. Euro 12,90.