
- 250 Aquarienfische von Dr. Kothe - Verlag
Das Taschenbuch auf gewichtigem Papier stellt tatsächlich zweihundertfünfzig Arten von Fischen vor. Pro Fischart eine Seite, überschrieben mit einem umgangssprachlichen und einem wissenschaftlichen Namen; eine halbe Seite mit jeweils einem Farbfoto und halbe Seite mit Text. Der in die Absätze Verbreitung, Merkmale, Haltung und Vergesellschaftung eingeteilte Text wird durch tabellarische Angaben zu Fischfamilie, Temperatur (°C), pH-Wert, Wasserhärtegrad (°dGH) und Fortpflanzungsgilde (Freilaicher, Haftlaicher, Lebend gebärend, Maulbrüter o.ä.) ergänzt. Darunter findet sich jeweils ein Piktogramm, das anzeigen soll, ob sich die Art mehr in den oberen, mittleren oder unteren Wasserschichten eines Aquariums aufhält. Die Farbfotos stammen fast alle von dem bekannten Fotografen Burkhard Kahl.
Biotop- und Landschaftsaquarien
Eingeleitet wird das Buch mit ein paar allgemeinen Seiten über die Faszination Aquaristik. Darin erfährt der Leser, dass das Buch als Begleiter für den Käufer in einer Zoohandlung zur beratenden Auswahl geeigneter Arten gedacht ist. Die weitere Einleitung befasst sich mit Aquarientypen wie Südamerikanische, Mittelamerikanische, asiatische, ost- und westafrikanische Landschaftsbecken sowie Neuguinea-Landschaftsbecken und Brackwasserlandschaftsbecken. Das sind – so der Autor – „beliebte Biotopaquarien“ (S. 7), mit denen sich Aquarianer „an den Bedingungen des natürlichen Lebensraums [...] orientieren, um ihren Pfleglingen auf diese Weise bestmögliche Bedingungen zu schaffen“ (S. 5).
Der Autor Hans W. Kothe ist promovierter Naturwissenschaftler und Biologe mit Diplom, was der Rückentitel verrät. Seine Webseite zeigt, dass er sich publizistisch einem breiten Spektrum naturkundlicher Themen von Pilzen über Farbmäuse bis zu Vogelspinnen widmet. Sein Buch, das konzeptionell dem eingangs erwähnten MERGUS-Atlas nachempfunden ist, kann schon aus Platzgründen bei den einzelnen Arten nicht in die Tiefe gehen. Die Bilder sind fotografisch und technisch nicht zu beanstanden.Die Auswahl der Fische ist offensichtlich einem Fundus der verlegerisch verfügbaren Fotos als einem querschnittlichen Angebot des Zoohandels geschuldet.
Anfängerfische?
Für den Anfänger ist die Bestimmung anhand eines Bildvergleichs ausreichend und er findet erste Informationen zu der Art. Die Artnamen stimmen weitgehend, wenn auch das Bild von Puntius phutunio tatsächlich P. narayani zeigt und die Rüsselbarbe Crossocheilus oblongus und nicht oblungus heißt. Dabei fällt auf, dass einige nomenklatorische Neuerungen (Yasuhikotakia und Syncrossus für manche Botia) verkehrt oder für andere inkonsequent (Triginopoma/Trigonostigma/Rasbora und Colisa/Trichopodus/Trichogaster) erklärt oder angewendet werden. Die Kürzel spec. (statt sp.), cf. (auch falsch c.f) oder aff. (statt sp. aff.) sind nirgendwo erklärt.
Wüsste man nicht, dass das Buch 2012 in zweiter („komplett überarbeiteter“ – so das Impressum) Auflage erschienen ist, könnte man glauben, ein Buch aus den fünfziger oder sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts oder noch älterer Aquaristik in Händen zu haben. Der Begriff des Biotop- und Landschaftsaquariums und entsprechender aquaristischer Fischvergesellschaftung wird im Sinne einstiger aquaristischer Mythen dargestellt.
Die Pflege „exotischer“ Fische steht in der Kritik von Tierrechtlern und selbst ernannten Tierschutzexperten. Dieses Buch transportiert ein Bild der Aquaristik, welches der Aquarienkunde mehr schadet als nutzt.
Hans W. Kothe: 250 Aquarienfische bestimmen, halten, pflegen. 288 Seiten. 298 Farbfotos, 250 Illustrationen. Paperback Taschenbuch. Verlag Franckh-Kosmos Stuttgart. ISBN 978-3-440-12513-7. 12,99 €
