Andreas Altmann – Reise durch einen einsamen Kontinent

Reise durch einen einsamen Kontinent - Dumont Verlag
Reise durch einen einsamen Kontinent - Dumont Verlag
Südamerika - für viele ein attraktives Reiseziel: geheimnisvoll und abenteuerlich. Altmanns "Reise durch einen einsamen Kontinent" sucht nach der Realität

Kein Reiseführer im klassischen Sinne, kein Nährboden für romantisierende Lateinamerika-Klischees: Das hat sich Andreas Altmann in seinem Buch „Reise durch einen einsamen Kontinent – Unterwegs in Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile“ als Ziel gesetzt. Tatsächlich ist ihm ein fesselndes Lesevergnügen gelungen – wenngleich nicht ohne Einschränkungen.

Andreas Altmann, ein eigenwilliger Charakter

Der Mann, der den Leser von der Innenklappe des Buchcovers anblickt, hat etwas Spitzbübisches an sich, gleichzeitig etwas extrem Gelassenes. In Schwarzweiß und mit einer Pfeife, die ihm locker aus dem Mundwinkel hängt: Andreas Altmann, dessen Biografie sich wie ein mutwilliges Abenteuer in ständigem Protest gegen die Routine liest: Er war Nachtportier und Schauspieler, reiste durch Asien, Afrika und Lateinamerika und wurde schließlich Reporter.

Altmanns Reiseberichte

Andreas Altmann hat schon einiges an Reiseberichten veröffentlicht, die „Reise durch einen einsamen Kontinent“ behandelt seine Odyssee durch verschiedene Länder Südamerikas. Dabei geht es nie um die großen Touristenmagneten – Altmann wird, das kündigt er im Vorwort an, keine Silbe über Machu Picchu verlieren. Es geht um die Menschen, die hinter den gängigen Lateinamerika-Mythen in einer Realität leben, die hart sein mag, aber zugleich so seltsam absurd, als hätte Gabriel García Márquez sie erfunden.

Reise von Kolumbien bis nach Chile

Während seiner Reise geht Andreas Altmann auf die Menschen zu, er jagt Geschichten, stellt Fragen. Und er wird mit Geschichten belohnt, nicht zu knapp. Ob es nun die blinden Fußballspieler in Kolumbien sind oder der Nachklang des Terrorismus in Peru; ob er sich nun einen Augenblick Stille in einem umlärmten Lokal erkaufen will oder mit einem Schuhputzer über Pablo Neruda plaudert, Altmann weiß seine Anekdoten anschaulich und lesenswert zu präsentieren. Er ist ein Sprachkünstler – der Leser wähnt sich ganz nah an dem, was Altmann da zu erzählen hat.

Andreas Altmann, der subjektive Erzähler

Dabei lässt sich Altmann auch nie außen vor, und das ist zugleich eine Stärke, aber auch eine Schwäche des Buchs. Denn manchmal bringt er sich selbst dort in die Reise ein, wo der Leser sich gerade gar nicht für ihn interessiert. Und es wird klar, dass dieser Andreas Altmann auch ein ungemütlicher Zeitgenosse sein kann, der aus der eigenen intellektuellen Überlegenheit keinen Hehl macht, sich gern die Schuhe putzen lässt und aus einer genüsslich-arroganten Selbstsicherheit heraus schreibt.

Reise durch einen einsamen Kontinent?

Unterm Strich tut aber auch diese erzählerische Eigenwilligkeit Altmanns dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Zu kostbar sind die Juwelen, die er auf seiner Geschichtensuche ans Tageslicht fördert, und zu sehr weiß Altmann mit der eigenen Arroganz zu kokettieren. Bleibt noch die Frage: Wo ist die Einsamkeit auf einer Reise von Großstadt zu Großstadt? Vorhanden ist sie sehr wohl – vielleicht als ein strukturierendes Prinzip von Lateinamerikas Geschichte. Insofern ist der Titel durchaus ehrfürchtiger Nachhall und Referenz erweisende Antwort auf das legendäre Werk von García Márquez: „Hundert Jahre Einsamkeit.“

Andreas Altmann: Reise durch einen einsamen Kontinent - Unterwegs in Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile, Dumont Verlag 2008

Sabrina Zelezny, Sabrina Zelezny

Sabrina Železný - " ... volando vengo, volando voy deprisa, deprisa al rumbo perdido ..." (Manu Chao) Ich wurde 1986 geboren und schreibe, seit ich ...

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