
- Die Stadt der gefallenen Engel - www.wekwerth.com
Die siebzehnjährige Lara hat Liebeskummer und um den Erinnerungen zu entgehen, reist sie in den Ferien nach Berlin zu ihren Großeltern. Hier möchte sie sich ins Großstadtleben werfen und vielleicht eine neue Liebe finden. Schnell scheint ihr Vorhaben zu gelingen. Sie trifft Damian Antas, einen ungarischen Studenten, der sie in eine für sie ganz neue, faszinierende Welt einführt. Lara verliebt sich in den gutaussehenden Damian, der so ganz anders ist. Fürsorglich, charmant, philosophisch, gebildet ist er und hat eine natürliche Autorität, die Lara so noch niemals bei den Jungen ihres Alters gefunden hat. Aber er ist verschlossen, will sich nicht öffnen, weil er Lara nur so schützen kann. Denn Damian ist kein gewöhnlicher Mensch, sondern ein gefallener Engel, der engste Vertraute Satans, der ihn in die Welt der Menschen geschickt hat, um Lara zum Teufel zu bringen.
Die zarte Liebesgeschichte zwischen dem gefallenen Engel Damian und dem Mädchen Lara
Schon im ersten Buch Mose wird die sexuelle Verbindung zwischen Engeln und den Menschen erwähnt. Doch diese Verbindung ist nicht gewollt. Engel, egal ob gefallene oder Boten des Lichts, sind geschlechtslose und geistige Wesen. Nur in der Kunst werden sie als männliche Boten und Krieger dargestellt.
In der Stadt der gefallenen Engel sind die Engel die Krieger, die um das Territorium ihrer Herren – Gott oder Satan – kämpfen. Damian ist anders als seine Gefolgsleute, denn er zweifelt an seiner getroffenen Entscheidung, Satan zu folgen. Doch für Damian gibt es keinen Weg zurück, nachdem er vor langer Zeit seine Wahl getroffen hat.
Trotzdem verliebt Damian sich in Lara, spürt, dass er sich um sie sorgt und vor allem Übel beschützen möchte. Er will ihr Gutes – schalom – so wie die Boten des Lichts. Gerade deshalb muss er sich den Plänen seines Meisters entgegensetzen. Kein leichtes Unterfangen, denn Satan ist ein mächtiger Herr, der Abtrünnige nicht ungestraft davon kommen lässt.
Rainer Wekwerth schafft authentische Figuren, überzeugt durch den Aufbau des Romans und seine klare, ungekünstelte Sprache
Berlin ist der Hintergrund der Erzählung. Hier überlappen sich reale und geistige Welt. Transzendenz und Immanenz sind miteinander verwoben wie ein kunstvoller Teppich. Der Leser sieht mehr, als er mit den physischen Augen sehen würde. Er begegnet Dämonen und Engel, Geister und Lichtwesen in den Straßen Berlins. Seite an Seite bevölkern sie die deutsche Metropole.
Dies ist, auch wenn es phantastisch anmutet, gute christlichen Theologie: Gott schuf Menschen und Geistwesen. Nicht alle sehen Engel und Dämonen, aber sie sind da. Auf diesem Hintergrund ist der Roman eine spannende, trostvolle und streckenweise beängstigende Lektüre.
Lara, die Schlüsselperson der Romans, verändert sich. Sie wird im Berlin immer mehr dem Einfluss der dunklen Mächte ausgesetzt und entwickelt Eigenschaften, in denen sie sich selbst nicht mehr wieder erkennt. Voller Wut und Zerstörungswillen möchte sie sich an denen rächen, die sich ihrem Glück in den Weg stellen. Aber am Ende muss sie wählen, wem sie ihr Leben anvertraut, genauso wie Damian und die Engel vor langer Zeit: Welchem Herrn will sie dienen? Aber kann sie überhaupt noch eine freie Entscheidung treffen?
Auch Damian verändert sich. Der gefallene Engel ist bereit, für seine Liebe alles zu opfern. Damit setzt er seine ewige Existenz aufs Spiel. Eine zartere Liebesgeschichte kann der Leser sich nicht wünschen. Auch hier siegt die Liebe zum Schluss über alles Böse.
Rainer Wekwerth bietet anspruchsvolle Lektüre mit Spannung, Liebe und Weltuntergangsstimmung.
Die Themen sind zu groß, als dass sie den Leser nicht berühren würden. Es geht um die Rettung unserer Welt und somit ist der Leser sofort drin in der Geschichte. Es geht um unsterbliche und unmögliche Liebe. Wer würde da nicht hoffen, dass sich zum Ende alles zum Guten wendet? Es geht um die Freiheit des Menschen und seine Wahl. Wird er sie zum Guten nutzen oder aber ist er nur eine Marionette höherer Mächte?
Gekonnt erzählt der Autor mit seiner flüssigen und warmen Erzählsprache. Versteckte Hinweise im Text machen die Erzählung plausibel, so dass sich alle Handlungsstränge lösen. Der Leser ahnt, welchen Weg die Erzählung nehmen wird, aber der Autor vermag die Spannung bis zum Letzten zu halten.
Rainer Wekwerth zeichnet Figuren, die sich verändern und wachsen und damit den Leser herausfordern. Er führt den Leser nahe an die Personen heran und vor allem zaubert er eine fantasievolle, oft grausige, aber auch lichtvolle transzendente Welt. Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen möchte, bevor es ausgelesen ist. Bleibt zu hoffen, dass es einen Nachfolger geben wird.
Rainer Wekwerth: Die Stadt der gefallenen Engel. Arena 2010. Broschiert. 414 Seiten. 16,95€.
