
- Titel Skat Fortgeschrittene - humboldt / schlütersche Verlagsgesellschaft
In der mittlerweile 3. Auflage präsentiert Frank Krickhahn einen Ratgeber, der sich an den erfahrenen Skatspieler wendet: Skat für Fortgeschrittene kommt in anfangs gewöhnungsbedürftiger Aufmachung daher und eignet sich absolut nicht für den Anfänger: Keines der zahlreichen Beispiele wird durch Fotos oder Zeichnungen des jeweiligen Blatts illustriert, sondern durch eine symbolhafte Beschreibung (siehe Foto am Ende der Besprechung). Ein eher visuell orientierter Lerntyp, wer also eher durchs Sehen lernt statt durch die Beschreibung, wird sich umgewöhnen müssen. Damit aber ist auch schon das größte Manko des Buches genannt – vielleicht sogar sein einziges.
Skat für Fortgeschrittene: Klare und naheliegende Gliederung
Krickhahn hat sein Buch dreigeteilt, die drei Teile heißen:
- Spielvorbereitung
- Spieldurchführung als Alleinspieler
- Spieldurchführung als Gegenspieler
Für jede dieser Grundsituationen gibt es bestimmte „Vorgehensmodelle“, wie Krickhahn sie im Vorwort zu Skat für Fortgeschrittene nennt. Naheliegend, dass der Autor für jedes Modell Beispiele präsentiert; alle geschilderten Konzepte hat er bei Turnieren getestet.
Seine Leser versetzt Krickhahn in die Situation des Alleinspielers. So besitzt man als Leser exakt die gleichen Informationen wie in einem realen Spiel und kann sich mit der Aufgabe befassen.
Abschnitt 1: Spielvorbereitung beim Skat
Als Erstes also das Szenario „vor dem Spiel“. Krickhahn steigt ein mit der Bewertung der eigenen Karten, die man erhalten hat, und der Ausspielposition. Ob jemand Vorhand sitzt, Mittelhand oder Hinterhand ist ganz wesentlich spielmitentscheidend, wenn es nicht sogar schon vor dem ersten Stich den Ausgang des Spiels erkennen lässt. „Was Vorhand ein sicheres Spiel ist“, schreibt Krickhahn auf Seite 15, „kann Mittelhand oder Hinterhand leicht verloren gehen oder gar nicht erst reizbar sein.“
In weiteren Abschnitten lehrt der Autor, wie man den Stellenwert der Bilder oder der Luschen beurteilt. Wie sind sie verteilt? Wie errechne ich bei „wackligen“ Spielen, wie viele Bilder ich vom Gegenspieler benötige, die ich von den Gegenspielern erhalten muss, um zu gewinnen? Grundsätzliche Fragen, die das Geheimnis guter Spieler lüften helfen.
Das Reizen ist die Seele des Skats! Nicht nur wird hier ums Spiel gekämpft – nein, hier lassen sich auch erste Rückschlüsse auf die Verteilung der Karten beim Gegner gewinnen. Wertvolle Hilfen, die der Autor mit diesem Abschnitt liefert!
Abschnitt 2: Spieldurchführung als Alleinspieler
Der Alleinspieler hat nach erfolgreichem Reizen den Zugriff auf den Skat gewonnen und kann das Spiel jetzt „taufen“. Nur hat sich manchmal mit der Aufnahme des Skats die Situation komplett gewandelt. Wie man damit umgeht, erläutert Krickhahn in den Kapiteln Berücksichtigung der Nebenfarbe und Nebenfarbe-basierte Spiele. Dann kommt er auf das Drücken zu sprechen und beleuchtet, wie geschicktes Wählen der beiden Karten für den Skat den Spielverlauf beeinflusst. Eine kritische Situation für den Alleinspieler stellen immer mehrfache Zehner in Kombination mit Luschen dar. Was damit zu tun ist analysiert Krickhahn genauso wie die Kombination Bild und Lusche.
Trumpfzug von unten, Trumpfzug von oben, Verzicht aufs Trumpfspielen – was eignet sich wann am ehesten? Wann macht es Sinn, eine blanke Zehn zu halten und sie eben nicht zu drücken? Es sind Kapitel wie diese, in denen die ganze Erfahrung des Autors deutlich wird: Krickhahn ist Spielleiter eines Skatvereins und hat mehrfach vordere Plätze bei Turnieren des Deutschen Skatverbands belegt.
Schneiden, beim Skat das Salz in der Suppe, ist ein kniffliges Thema und erfordert Mut: Schneiden kann über Sieg oder Niederlage entscheiden! Kann man Schneiden planen? Man kann, schreibt Krickhahn im sehr umfangreichen Kapitel und nennt die Schwäche: Geplantes Schneiden ist oft aus der Not geboren. Hier betritt also ganz stark taktisches Verhalten das Spiel.
Abschnitt 3: Spieldurchführung als Gegenspieler
Eine Grundregel beim Skat: Mitteilungen sind verboten! Es bleibt also den beiden Gegenspieler nichts anderes übrig, als sich durch die Art und Weise ihres Spiels auszutauschen über Inhalt und Stärke des eigenen Blatts. Wie das möglich ist, schildert Krickhahn im ersten Kapitel des dritten Abschnitts Rückschlüsse über die Kartenverteilung. Weiter geht es mit der Frage: Wie spiele ich ein Nullspiel – als Gegenpartei? Denn wie bei kaum einem anderen Spiel kommt es gerade beim Null darauf an, seinem Mitspieler die richtigen Informationen zu signalisieren. Die übrigen Kapitel ähneln in der Thematik den Kapiteln aus Abschnitt 2, nur eben aus der Sicht der Gegenspieler.
Fazit zum Buch Skat für Fortgeschrittene
Um es kurz zu machen: 312 Seiten geballtes Wissen. Geballt und praxisnah, weil erprobt. Sehr instruktiv, absolut schnörkellos geschrieben, kurz und bündig und doch immer die Spannung vermittelnd, die einem jeden Skatspiel innewohnt. Sieht man vom eingangs genannten Manko ab, sei Skat für Fortgeschrittene von Frank Krickhahn absolut und uneingeschränkt empfohlen!
Quelle:
Krickhahn, Franz. Skat für Fortgeschrittene - Strategie und Taktik. Humboldt, 3. aktualisierte Auflage 2010. Broschiert, 312 Seiten. ISBN: 978-3-86910-174-3
