Buchbesprechung: Vom Teufel zum Menschen

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Cover "Vom Teufel zum Menschen" - Iudicium
Mit dem Buch „Vom Teufel zum Menschen" werden vermeintliche japanische Kriegsverbrecher und ihre Ansichten auch dem westlichen Leser nahe gebracht.

Mit dem vollen Titel des Buches „Vom Teufel zum Menschen – Die Geschichte der Chinaheimkehrer in Selbstzeugnissen“ wurde thematisch bereits ein Stück weit vorgegriffen. „Chinaheimkehrer“ sind dabei nicht etwa die generelle Menge der japanischen Soldaten, die aus dem Krieg mit China heimgekehrt sind, sondern viel mehr eine spezielle Gruppe. Es geht um ehemalige japanische Soldaten, die im zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg gekämpft haben und sich nach ihrer Rückkehr in dem Verein für Chinaheimkehrer zusammengeschlossen haben. Menschen, die nach eigener Aussage schreckliche Verbrechen gegen das chinesische Volk verübt haben und nicht nur dafür sorgen wollen, dass so etwas nie wieder geschieht, sondern auch einfach gehört werden möchten.

Hintergrund von „Vom Teufel zum Menschen“

Die Autorin des Buches, Dr. phil. Petra Buchholz, ist Mitglied der DFG-Forschergruppe „Selbstzeugnisse in transkultureller Perspektive“ an der Freien Universität Berlin. Das Buch ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes mit dem Namen „Bekenntnisse japanischer Kriegsgefangener in chinesischer Kriegsgefangenschaft“, das im Rahmen von benannter DFG-Forschergruppe unter anderem von der Autorin bearbeitet worden ist. Bei dem Buch handelt es sich also um eine Art Quellenband, welches die Ergebnisse der Forschungsarbeiten präsentiert, bei denen es sich in erster Linie um Übersetzungen von Erlebnisberichten, Protokollen und Interviews der Chinaheimkehrer handelt.

Was sich auf den ersten Blick ein wenig trocken anhört, ist jedoch durchaus lesenswerter Stoff, der allerdings nicht nur voraussetzt, dass man sich vorher ein Stück weit mit der Materie angefreundet und beschäftigt hat. Hat man wenig bis keine Erfahrungen in asiatischer Geschichte, speziell in Form der Konflikte zwischen China und Japan, steht man bisweilen ein wenig auf dem Trockenen und muss erst mühevoll verstehen, um was es eigentlich geht. Ebenso muss man gewillt sein, von Dingen zu hören, die nicht immer als leichte Kost durchgehen. Taten, die im Krieg begangen worden sind, können schrecklich sein und legen offen, warum der Titel „Vom Teufel zum Menschen“ durchaus treffend ist.

Aufbau und Struktur von „Vom Teufel zum Menschen“

Nach einem kurzen und knackigen Vorwort von rund zwei Seiten geht es in die umso längere Einleitung, die man jedoch unbedingt gelesen haben sollte. An dieser Stelle werden wichtige Hintergründe und Zusammenhänge erläutert, die essenziell sind, um dem Buch später folgen zu können. Es wird nicht nur der Hergang des Krieges erläutert, sondern auch von der Kriegsgefangenschaft und der späteren Gründung des Vereins erzählt. Wie es von den Ergebnissen einer Forschungsarbeit zu erwarten ist, geht es an diesem Punkt vor allem um die Darstellung von Fakten und weniger um einen schönen Lesefluss. Die Einleitung ist somit ein wenig mühsam zu lesen, doch nicht nur wichtig, sondern auch informativ.

Nach der Einleitung geht es direkt in die Selbstzeugnisse, die in drei Abschnitte unterteilt sind. Im ersten Teil werden Berichte von japanischen Soldaten vorgestellt, die von der Umerziehung in China handeln. Im zweiten Teil dreht es sich um Geschichten in literarischer Form, welche von Soldaten in der Gefangenschaft verfasst wurden und sich um verschiedene Situationen während des Krieges drehen. Die Geschichten schwanken in ihrer Qualität und reichen von lesenswert bis hin zu erschreckend und beklemmend. Eines haben jedoch alle Geschichten – die zu ihrer Zeit auf verschiedenste Arten publiziert wurden – gemein: Sie bilden eine wichtige Momentaufnahme des Krieges. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Zeit nach dem Krieg und den Jahren nach der Heimkehr der japanischen Kriegsgefangenen. Es gibt zwei Gesprächsrunden, ein Protokoll der Zeugenaussagen auf dem internationalen Kriegsverbrechertribunal der Frauen in Tokio und ein Erlebnisbericht eines ehemaligen japanischen Soldaten, der nach China an den Ort seiner Verbrechen gereist ist. Diese Geschichte mit Namen „Meine Reise um Vergebung“ ist auch eine der Höhepunkte des Buches.

Um was es in „Vom Teufel zum Menschen“ geht

Das Buch von Dr. phil. Petra Buchholz könnte man durchaus auch als eine weit gefasste Art der Kriegsberichterstattung sehen, mit dem Unterschied, dass es eine sehr viel größere Periode abhandelt. Es greift viele Themen auf, die mitunter auf den rund 400 Seiten schlicht und ergreifend nicht in Fülle behandelbar sind, dennoch immer einen sehr guten Eindruck vermitteln. Abseits des wissenschaftlichen Anspruch des Buches ist es aber auch eine wichtiges Zeugnis in der Entwicklung der Menschen, die im Krieg gekämpft, Verbrechen begangen und ein Stück weit ihre Menschlichkeit verloren haben, diese durch Ehrlichkeit und Reue jedoch wiedergewonnen haben. Trotz des Themas Krieg geht es eigentlich um den Frieden, den Menschen mit sich und der Welt machen können.

Petra Buchholz: Vom Teufel zum Menschen – Die Geschichte der Chinaheimkehrer in Selbstzeugnissen. Iudicium 2011. Broschiert, 434 Seiten. Euro 38,00.

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

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