Buchkritik - Nicola Huppertz: Froschprinzessin und Supermann

Froschprinzessin und Supermann - (c)Arena-Verlag
Froschprinzessin und Supermann - (c)Arena-Verlag
Zoe und Clemens sind beide fünf Jahre alt und gehen im Kindergarten in die rote Gruppe. In diesem Buch erfährt man, wie die beiden Freunde werden.

Entweder man liest die Geschichte zuerst aus der Sicht von Froschprinzessin Zoe, aus Supermann Clemens Sicht oder abwechselnd. Denn Achtung: Das ist ein besonderes Buch! Das tolle ist: Man kann es von vorne und von hinten lesen, denn hinten ist ebenfalls vorn. Man muss sich nur entscheiden, wen man zuerst kennenlernen möchte.

Zoe ist eine Froschprinzessin

Beide wohnen mit ihren Eltern und jeweils einem größeren Geschwisterkind in einer Wohnung in zwei prima Mehrfamilienhäusern. Im Haus gibt es auch noch andere nette Leute und solche, die eben auch da wohnen.

Als eines morgens mal wieder keiner bemerkt, was für eine wunderschöne Prinzessin Zoe ist und ihr Bruder Luzius sogar sagt, sie sehe aus wie ein Frosch, macht sich Zoe ganz schlecht gelaunt auf den Weg zum Kindergarten. Doch dann trifft sie Oma Plattner und diese erzählt ihr die Geschichte von der schönen und allweisen Froschprinzessin. Jetzt ist Zoe auch so eine Froschprinzessin. Sie braucht nur noch einen Prinzen. Und als der Flickentoni vom kleinen Clemens vor ihren Füßen landet, ist die Sache für Zoe klar!

Clemens ist Supermann

Clemens ist sich aber gar nicht sicher, ob er Zoe heiraten möchte. Ihre Freundin Ellen findet er nämlich auch ganz nett. Und überhaupt ist Clemens auch ziemlich beschäftigt damit, Supermann zu sein. Als sein Papa nämlich einmal krank ist, muss er ganz alleine mit der Spezialwaffe, der Monster-und-Gespenster-Betäubungsgas-Pumpe alle Unwesen in tiefen Schlaf versetzen. Außerdem wäre Clemens manchmal auch gerne ein Mädchen, die dürfen immer so schöne Sachen wie Perlenketten und Glitzerhaarspangen anziehen. Jetzt kann er auch zusammen mit Zoe und Ellen Dornröschen spielen. Aber auweia- ohne Prinz werden sie ja nie wieder geweckt. Da wird Clemens doch ganz schnell wieder ein Junge. Küssen tut er aber nur auf seine Hand!

Ängste und Bedürfnisse von Kindergartenkindern

Froschprinzessin Zoe und Supermann Clemens zeigen in diesem bezaubernden Kinderbuch, dass das Kinderleben sehr schwer sein kann und die Ängste und Bedürfnisse von Kindern ernst genommen werden müssen. Da kann es schon zum Drama werden, wenn die Zahnfee zuerst bei der besten Freundin war oder der große Bruder bei der Geburtstagsparty die Gäste erschreckt. Das Buch erzählt eine sehr authentische Geschichte über das alltägliche Leben von zwei fünfjährigen. Es wirft einen Blick auf das Innere Erleben eines Kindergartenkindes und kann aufgrund der schönen Sprachbilder von gleichaltrigen verstanden werden.

Ein Erlebnis- zwei Sichtweisen

Auf der einen Seite der schüchterne, sensible Clemens, der seine Ängste durch das Supermann- Motiv kompensiert und auch manchmal eine Runde in seinem Fantasie - Motorrad drehen kann wenn er sich einsam fühlt, auf der anderen Seite die freche Zoe, die sich auch schon mal mit ihrem Bruder prügelt, aber ab und zu auch mal eine schöne, zarte Prinzessin sein möchte.

Nicola Huppertz ist es gelungen, beide Hauptfiguren sowohl unabhängig voneinander als auch gemeinschaftlich vorkommen zu lassen. Die Begegnungen der beiden werden jedoch jeweils in ganz unterschiedliche Kontexte eingebettet um zu zeigen, dass ein- und dieselbe Situation von zwei verschiedenen Menschen völlig anders wahrgenommen wird. Die Kapitel beginnen jeweils mit einer Bilderseite, welche den Inhalt des Kapitels andeutet, außerdem gibt es am Ende jeden Kapitels eine Frage zu Nach- und Weiterdenken.

Huppertz, Nicola: "Froschprinzessin und Supermann", Arena Verlag 2011, ISBN: 978-3401097060, 12,99 €