Buchkritik: Ralf Bönts "Die Entdeckung des Lichts"

Buch Cover zu Ralf Bönts Die Entdeckung des Lichts - DuMont Buchverlag
Buch Cover zu Ralf Bönts Die Entdeckung des Lichts - DuMont Buchverlag
In seinem aktuellen Roman "Die Entdeckung des Lichts" verknüpft Ralf Bönt die Biografien zweier Wissenschaftler, die ihrer Zeit weit voraus waren.

Es klingt wie ein Roman von Charles Dickens: Der Sohn eines armen Schmieds wird zu einem der einflussreichsten Naturwissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Doch diese Biografie ist keine Fiktion, sondern aus dem echten Leben gegriffen. Michael Faraday, Mitglied und Professor der Royal Society und Mitbegründer der Elektrotechnik, ist die Hauptfigur in Ralf Bönts neuem Roman "Die Entdeckung des Lichts."

Vom Zeitungsjungen zum angesehenen Wissenschaftler

Faraday stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater arbeitet als Schmied in London und kann seinen vier Kindern nur die nötigen Grundlagen einer Bildung ermöglichen. Der junge Faraday verdient sich etwas Geld als Zeitungsjunge. Er ist neugierig und will mehr über die Welt erfahren, die Zeitungen sind sein Fenster zum Weltgeschehen.

Der Buchbinder Riebau nimmt ihn als Lehrjunge auf. Dadurch kommt Michael mit den unterschiedlichsten Werken der zeitgenössischen Wissenschaft in Berührung. Michael entwickelt ein starkes Interesse für die Naturwissenschaften. Mit Riebaus Unterstützung erhält er Zugang zu öffentlichen Lesungen bekannter Wissenschaftler wie Humphry Davy. Eifrig macht er sich Notizen zu den Vorträgen und präsentiert Davy schließlich ein selbstgebundenes 300-Seiten starkes Buch. Davy ist beeindruckt und stellt Faraday als seinen Sekretär ein. Doch Faraday ist ehrgeizig. Wie alle Wissenschaftler in seinem Umfeld ist er bestrebt, den Menschen mittels Wissenschaft das Leben in vielen Bereichen zu erleichtern. Heimlich nutzt er das Labor für seine eigenen Experimente und verschafft sich mit seinen Ergebnissen nicht nur Respekt, sondern auch Gönner, die ihn unterstützen und ermutigen.

Damit steigt Faraday trotz seiner einfachen Herkunft auf, vom Laborhelfer und obersten Flaschenspüler zu einem der größten Forscher seiner Zeit.

Ralf Bönt über englische Wissenschafts- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts

Faradays Beiträge zur Elektrochemie und Elektrotechnik sind größtenteils heute noch gültig. Neben dem Faradayschen Käfig werden ihm die elektromagnetische Induktion und die Gesetze der Elektrolyse zugesprochen. Ralf Bönt, selbst studierter Physiker, erzählt in seinem Roman, wie Faraday zu diesen Ergebnissen kam. Sachlich, und stellenweise mit unterschwelligem Humor, lässt er den Leser teilhaben an den Gedanken des Wissenschaftlers, die manches Mal einem Irrgarten gleich der Lösung entgegenstreben. Zwar fällt es dem Laien oft nicht leicht die Experimente und physikalischen Gesetze zu verstehen, doch Bönt beschränkt sich in seinem Roman nicht nur auf Faradays Arbeit. Er bettet die Biografie in den kultur- und sozialgeschichtlichen Hintergrund ein, berichtet von Napoleons Vorstößen in Europa und Nelsons Sieg bei Trafalga oder beschreibt die Situation in den Bergwerken und Minen und den dazugehörigen Arbeitervierteln. Die Choleraepidemie und die anschließenden Debatte, dass die Krankheit durch Miasmen übertragen wird, werden thematisiert sowie die daraus resultierenden Maßnahmen zur Hygiene und dem Bau der Kanalisation. Auch Darwins Forschungsreisen und die Veröffentlichung und Diskussion seiner Evolutionstheorien finden Eingang in den Roman. Der Leser erhält somit einen Überblick über die englische Wissenschafts- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts.

Albert Einstein: Ralf Bönts zweite Hauptfigur

Ralf Bönt bringt eine weitere Figur ins Spiel: Albert Einstein. Er schildert, wie die Einsteins die erste elektrische Straßenbeleuchtung in Schwabingen und München erleben. Und wie der junge Albert in Faraday seinen Helden findet. Und dieser es bleibt, auch als Einstein Ungereimtheiten in Faradays Thesen entdeckt und dort weiterforscht. Knapp ein Jahrhundert liegt zwischen den Gedanken der beiden Wissenschaftler. Und trotzdem sind sie miteinander verbunden. In ihrer Neugier und ihrem Streben die Welt zu verbessern.

Kein Abklatsch von Daniel Kehlmann

Es gibt durchaus Ähnlichkeiten zu Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt", doch Ralf Bönt will davon nichts hören: "Der arme Kehlmann muss jetzt für alles herhalten, er kann einem schon leid tun. Tatsächlich hatte ich mein Exposé schon fertig, als er noch an seinem Buch schrieb", erklärt er in einem Interview. Die Idee über Michael Faraday zu schreiben bekam der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller beim Lesen eines Artikels eines Chemikers, der sich mit Faradays Krankheit auseinandergesetzt hatte. "Ich las alles nach und überwand meine letzten Bedenken, sah die Möglichkeit des Historischen in der Fiktion."

Herausgekommen ist ein informativer und gut recherchierter Roman über zwei Wissenschaftler, die mit ihrer Antwort auf die Frage "Was ist Licht?" die Welt veränderten.

Ralf Bönt: Die Entdeckung des Lichts. Gebundene Ausgabe, 352 Seiten. DuMont Buchverlag 2009. ISBN: 978-3832195175

Quellen:

Offizielle Webseite von Ralf Bönt

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