Buchmesse Frankfurt 2010 – Trend E-Book

Neue Medien auf der Buchmesse - Frankfurter Buchmesse/Peter Hirth
Neue Medien auf der Buchmesse - Frankfurter Buchmesse/Peter Hirth
Im Ausland verkauft sich das E-Book gut - auch bei uns werden steigende Umsätze erwartet. Digital oder Print lesen? Frische Eindrücke von der Buchmesse.

Als Sony Anfang der 90er Jahre das erste Lesegerät für E-Books herausbrachte, waren die elektronischen Bücher noch alles andere als ein Verkaufsschlager. Erst zehn Jahre später verhalf eine verbesserte Technologie dem digitalen Buch zum Erfolg. Wo manche befürchten, das E-Book könne das traditionelle Buch verdrängen, sehen es andere nur als eine weitere Variante des Publizierens: So bescheinigt die aktuelle Marktprognose des Börsenvereins des deutschen Buchhandels digitalen und analogen Bücher spezifische Alleinstellungsmerkmale, die nebeneinander Bestand haben.

Das E-Book boomt – im Ausland

Im Juni diesen Jahres meldete der amerikanische Zweig des internationalen Versandhauses Amazon, er habe erstmals mehr E-Book- als Printerscheinungen verkauft. Auch in Asien sollen digitale Publikationen erfolgreicher sein als gedruckte. In Deutschland sieht das (noch) anders aus. Der Verkauf von E-Books macht zur Zeit nur 1,8 Prozent des durchschnittlichen Verlagsumsatzes aus. Zwar rechnet man auch hier mit steigenden Verkaufszahlen, doch ein mit Asien oder Amerika vergleichbarer Boom digitaler Publikationen wird nicht erwartet.

Amerikas Lesewelt: Vielfalt nur digital?

In den letzten Jahren mussten selbst in den großen amerikanischen Metropolen renommierte Buchhandlungen den Preiskampf gegen die Warenhausketten aufgeben und schließen. In Amerika gibt es weder eine Buchpreisbindung noch eine nennenswerte buchhändlerische Infrastruktur. Bewohner ländlicher Gebiete müssen oft weite Strecken fahren, um zu einer Buchhandlung zu kommen. Das von wenigen großen Verlagen bestimmte Angebot ist beschränkt, Bestellzeiten sind lang. Digital haben Leser meist bessere Karten – und mehr Auswahl, etwa auf E-Publishing-Plattformen unabhängiger Autoren wie dem Book-View-Cafe-Blog.

Deutschland, Bücherland

Hierzulande herrscht eine völlig andere Situation. Mit mehr als 4.000 stationären Buchhandlungen verfügt Deutschland nicht nur über eine ungewöhnlich hohe Handelsdichte, dank des traditionellen Zwischenbuchhandels kann man auch nahezu jedes deutschsprachige Buch von einem Tag auf den anderen bestellen und erwerben. Die gewachsene Lesekultur in Deutschland zeigt sich auch in der Wertschätzung des gedruckten Buchs als kulturellem Besitztum: Das "sinnliche Erlebnis", die Haptik, die Covergestaltung und der Sammelwert wurden bei einer Umfrage der Marktforschungsagentur Innofact AG Ende 2009 als Kaufgründe genannt.

E-Books in Deutschland: nur unbeliebt, weil zu teuer?

Bei so viel Liebe zum Kulturgut Buch verwundert es nicht, dass sich viele Leser nur schwer mit dem Gedanken anfreunden können, mit dem E-Book-„Kauf“ statt eines Eigentumsrechts nur ein Nutzungsrecht an der elektronischen Publikation zu erwerben. Vor allem weil in Deutschland der Preis einer Digitalausgabe durch die 2008 erfolgte Eingliederung in die Buchpreisbindung im Allgemeinen nur 20 Prozent unter dem einer Printausgabe liegt. Vergleichsweise kostet ein E-Book in Spanien, wo elektronische Medien von der Buchpreisbindung ausgenommen sind, nur etwa die Hälfte der gedruckten Variante. Die Taktik, den traditionellen Buchhandel auf Kosten der digitalen Veröffentlichung zu schützen, ist von zweifelhaftem Nutzen: Erstens sind Importbücher von der Buchpreisbindung ausgenommen, man könnte sich die entsprechenden Bücher also online aus dem Ausland bestellen. Zweitens mindert eine vom Verbraucher als ungerecht empfundene Preispolitik die Hemmschwelle zur Piraterie. Derzeitige Schätzungen gehen davon aus, dass fast die Hälfte aller Hörbuchdownloads und knapp 40 Prozent aller E-Book-Downloads illegal sind.

Warum digital lesen? Die Pluspunkte

Freunde des E-Books rühmen seine Vielseitigkeit. Während die lineare Erzählweise eines Druckerzeugnisses dem Leser nur eine eingeschränkte Steuerung des Informationsflusses durch Vorblättern oder Querlesen ermöglicht, kann er sich in der digitalen Publikation mittels der Verlinkungen aussuchen, welche Passagen er weiterverfolgt und sich so auf mehreren Pfaden durch das Buch bewegen. Das Lesen wird zu einem individuellen, vom Leser selbst gestalteten Erlebnis, komplexe Zusammenhänge lassen sich anschaulicher und verständlicher darstellen. So macht es das Einbinden von Sounds, Animationen, Videos und Grafiken möglich, in einem Vogelbestimmungsbuch nicht nur die Abbildungen der einzelnen Arten zu zeigen, sondern auch den entsprechenden Gesang zu hören. Lernen ist nicht nur um so effektiver, je mehr Sinne eingebunden werden, das interaktive Lesen fördert auch die Hand-Auge-Koordination. Nicht nur aus diesem Grund erfreut sich das digitale Buch gerade in den Bereichen Kinderbuch und Lehrmaterial großer Beliebtheit. So kommen mehr als die Hälfte aller Neuerscheinungen der deutschen Fachbuch- und Wissenschaftsliteratur zur Zeit als E-Books auf den Markt.

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Bildnachweis: © Frankfurter Buchmesse/Peter Hirth

Sandra Pappe, Manjit Jaari

Sandra Pappe - Sandra Pappe, Dipl.-Ing., freie Onlineredakteurin und Illustratorin Stationen: 2007 Eintritt in die Illustratoren-Organisation2005/6 ...

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