
- "Wenn du mich siehst" - (c) Heyne-Verlag
Amelia ist 18, als sie stirbt - ertrunken in einem reißenden Fluss. Seitdem streift sie als Geist in der Stadt, in welcher sie lebte, umher - gefangen in einer Art Nebel. Sie erinnert sich weder an ihr früheres Leben, auch nicht an ihre Familie und Freunde, geschweige denn, wie lange ihr Tod schon her ist. Bloß ein schrecklicher Albtraum lässt sie wieder und wieder ihren Todeskampf durchleben. Eines Tages sitzt sie am Ufer des Flusses, welcher sie einst umbrachte, und beobachtet, wie ein Auto einen Unfall auf der Brücke hat und in den Fluss stürzt. In einem hellen Moment springt sie in den Fluss.
Amelia rettet Joshua
Völlig verzweifelt versucht Amelia, Joshua, den jungen Fahrer, zu retten. Und das Unmögliche scheint zu geschehen: Sie kann ihn berühren und schafft es, ihn wachzurütteln. Joshua öffnet die Augen und nimmt sie wahr! In letzter Sekunde entkommt Joshua dem Tod und von nun an ist das Schicksal der beiden unentwegt miteinander verwoben.
Eine unlösbare Verbindung entsteht
Was bisher kein Mensch konnte, schafft nun Joshua: Er kann Amelia sehen, hören und auch vage berühren. Dank ihm erwacht sie auch aus ihrem Delirium. Die beiden verlieben sich ineinander und langsam beginnt Amelia, sich mit Joshuas Hilfe auch an ihr vergangenes Leben zu erinnern. Sie erfährt, wann sie gestorben ist und besucht mit Joshua ihr altes Elternhaus. Der Anblick ihres vergangenen Lebens lässt längst vergessene Gefühle wieder aufleben und Amelia fühlt sich dem Leben näher als dem Tod.
Hindernisse für die Liebe
Doch die junge Liebe wird vor zwei Probleme gestellt: Amelia wird von Ian, einer anderen toten Seele, gesucht. Er möchte sie mit in die Unterwelt nehmen und für seine Zwecke benutzen. Sie soll ihm helfen, neue Seelen für die Unterwelt zu fangen. Außerdem gehört Joshuas Großmutter zu einer Gruppe von "Sehern", welche Jagd auf Untote wie Amelia macht.
Der starke Einstieg kann nicht beibehalten werden
So spannend und mitreißend "Wenn du mich siehst" auch beginnt, schafft es Tara Hudson nicht, die Spannung beizubehalten. Die zarte Liebesgeschichte lässt zwar jedes Mädchenherz höher schlagen, verdrängt jedoch oft langatmig die Haupthandlung und verleiht dem Buch über weite Strecken den Charakter eines Kitschromans.
Amelias Gegenspieler kommen neben der ständig präsenten Romanze kaum zur Geltung, der Strang der Großmutter verläuft völlig ins Leere.
Spannendes Ende
Auf den letzten hundert Seiten wird wieder auf die anfänglichen Probleme eingegangen und die Spannung kann nochmal gesteigert werden. Im Großen und Ganzen ist das Ende von "Wenn du mich siehst" nicht überraschend, aber immerhin gibt es so nach dem viel versprechenden Anfang und dem enttäuschenden Mittelteil noch einen durchschnittlichen Abschluss.
Fazit
Tara Hudsons Debütroman "Wenn du mich siehst" überrascht mit einer neuen Idee, diese kann dem Leser zu Beginn des Buches auch glaubhaft nähergebracht werden, die Geschichte driftet zwischenzeitlich aber ins Kitschige ab. Die Charaktere sind zu perfekt und bieten wenig Identifikationspotential. Das Ende ist, wenn auch möglicherweise vorhersehbar, dennoch spannend. Für die angestrebte Zielgruppe aber durchaus als leichte Lektüre zu empfehlen.
Hudson, Tara: "Wenn du mich siehst", Heyne Verlag 2011, ISBN: 9783453267237, 14,99 €, ab 14 Jahren
