Buchrezension – "Kleiner Autoren-Workshop" von Ursula LeGuin

Kleiner Autoren-Workshop - Kleiner Autoren-Workshop - Ursula LeGuin
Kleiner Autoren-Workshop - Kleiner Autoren-Workshop - Ursula LeGuin
Mit konstruktiven Hilfestellungen anhand praxisnaher Beispiele bietet die Autorin eine Leitlinie zur Verfeinerung des individuellen Schreibstils.

"Zur Kunst gehört Talent. Und Glück. Beides kann man sich nicht aneignen. Aber das Handwerk kann man lernen." Mit diesen Worten ermutigt Ursula LeGuin in ihrer 2007 erschienenen, deutschen Erstausgabe „Kleiner Autoren-Workshop“ alle passionierten Schreiber, sich etwas detaillierter mit dem eigentlichen Handwerk des Schreibens auseinanderzusetzen.

Aus welchen Inhalten setzt sich das Buch zusammen?

Das Buch besteht aus den theoretischen Grundlagen in punkto Zeichensetzung, der optimalen Satzlänge, Verwendung von Aktiv und Passiv, gezieltem Einsatz von Adjektiven und Adverbien, Bedeutung von Wiederholungen, der optimalen Wahl der Erzählperspektive sowie der bewussten Einbindung von Hintergrund-Informationen. Zur Verdeutlichung jeder Thematik werden Beispiele aufgeführt, welche die entsprechenden Punkte für den Leser veranschaulichen und nachvollziehbarer machen. Übungen, mit mehr oder weniger vorgegebenen Rahmenbedingungen, bieten Raum zur eigenen Interpretation der erarbeiteten Lektionen und natürlich unbegrenzte Möglichkeit zur Diskussion in der Gruppe. Abgerundet wird das Werk durch den Anhang einer Checkliste für Schreibgruppen, einer regulären Konjugation von Verben wie einem Glossar.

Welche Zielgruppe spricht das Buch an?

Das Buch ist sowohl für Schreibanfänger als auch Fortgeschrittene geeignet und kann privat, wie auch in Schreibzirkeln seine Anwendung finden. Jedoch scheint es sich mehr an Autoren mit Erfahrung zu richten, die ihr Handwerk verstehen, sich auszudrücken wissen – und lediglich bezüglich der Technik ein wenig Schliff benötigen. Die Hauptthematik des Buches befasst sich mit der richtigen Erzählperspektive – ein Kapitel, dessen Anspruch relativ hoch gesetzt ist. Leser, die nach Möglichkeiten zur Ideenfindung oder der Überwindung von Schreibblockaden suchen, werden hier enttäuscht. Denn die Autorin geht weder auf Talent noch auf Glück ein – sie beschränkt sich auf das Handwerk und die richtige Technik.

Kritik zur Umsetzung des Buches

Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener – mit Sicherheit nimmt jeder aus diesem Workshop die eine oder andere Erkenntnis mit. Ursula LeGuin spricht den Leser auf Augenhöhe an und überzeugt durch ihren warmherzigen und respektvollen Tonfall. Sie konzentriert sich darauf, den persönlichen Stil eines Autors zu erhalten – während sie lediglich kleine Korrekturen an der Technik vornimmt. Das Buch liest sich leicht und fließend, und kleine direkte Hinweise zwischen den Zeilen lassen sich leicht herausfiltern. Spätestens bei Durchführung der Übungsaufgaben merkt man, worauf es wirklich ankommt, und welche Botschaft das Kapitel vordergründig zu vermitteln beabsichtigt. Die Praxisnähe erstreckt sich durch die Visualisierung anhand zahlreicher Textbeispiele. Auch wenn diese, durch ihren nicht unbedingt zeitgemäßen Stil, mitunter vielleicht etwas langatmig wirken, dienen sie der deutlichen Veranschaulichung der benannten Problematik. Wer sein Schreibtalent erkannt hat, findet in diesem Werk alle erforderlichen Hilfsmittel, um dem Rohdiamanten der Schreibkunst, den erforderlichen Schliff zu verleihen.

Claudia Hanitzsch, Claudia Hanitzsch

Claudia Hanitzsch - Das Hobby zum Beruf machen - ein Wunsch, der mich seit Jahren begleitet und sich immer mal wieder etwas vordergründiger in mein Leben ...

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