
- Gertrud Scherf: Alte Nutzpflanzen wieder entdeckt - BLV-Buchverlag
Pflanzen dienten in vergangenen Zeiten nicht nur als Zierde für Haus und Garten. In vielen Arten sind Wirkstoffe enthalten, die in der Küche, die der Gesundheits- oder der Körperpflege nützlich sind. Heute ersetzen oft synthetische erzeugte Präparate die pflanzlichen Mittel. Doch steckt in den natürlichen Drogen nicht nur ein Wirkstoff. Die Kombination von vielen verschiedenen Stoffen machen die besondere Qualität der pflanzlichen Mittel aus. Also wenigstens ein Grund sich an die alten Nutzpflanzen und ihre Anwendungen zu erinnern.
Erinnerung an vergessene Pflanzenschätze
Dr. Gertrud Scherf hat sich dieser Aufgabe mit ihrem Buch „Alte Nutzpflanzen wieder entdeckt“ angenommen. Die Autorin führt den Leser in bekannt unterhaltsamer und informativer Weise durch die Welt der botanischen Nützlinge. Viele von ihnen sind dem Naturliebhaber sich schon bekannt. Einige andere umgibt ein eher exotisches Flair. Ungewöhnlich sind sicher die Möglichkeiten, wie man die Pflanzen anwenden kann. Dr. Gertrud Scherf füllt auch diese Wissenslücke durch einen Praxisteil am Ende des Buches.
Glossar erklärt Fachbegriffe
Oft hat man als Anfänger Schwierigkeiten mit den in der Literatur verwendeten Fachbegriffen. Gertrud Scherf baut diese mögliche Einstiegshürde gekonnt zu Beginn des Buches mit einem Glossar ab. Es schließt sich an ein kurzes Kapitel zum Thema „Heimische Wildpflanzen als Nutzpflanzen“ an. Hier bekommt der Leser wertvolle Hinweise wie, wann und wo die Pflanzen zu sammeln und zu lagern sind. Denn die Mühen eines langen Sammeltages soll sich ja auch lohnen.
Praxisgerechte Gliederung
Gertrud Scherf nutzt die sonst in Naturführern übliche Gliederung in ihrem Buch nicht. Statt dessen stellt sie die Pflanzen nach den Verwendungsbereichen an. Natürlich kann in so einem Buch nicht jedes als Färbemittel oder zum Reinigen genutzte Kraut vorgestellt werden. Die Autorin beschränkt sich daher auf einheimische Wildpflanzen, die als Nutzpflanzen eine größere Verbreitung hatten. Dabei unterscheidet sie sieben Gruppen von Anwendungen.
Gelungene Porträts der Pflanzen
Ohne ein genaue Vorstellung der Pflanzen wäre ein Ratgeber nicht sehr sinnvoll. So nehmen die Porträts von 60 alten Nutzpflanzen den größten Teil des Buches ein. Doch anstatt sie wie üblich nach der botanischen Systematik zu ordnen, gruppiert die Autorin sie nach ihren Anwendungsbereichen. Dass viele Pflanzen nach ihrer technischen Nutzung benannt wurden, wird jetzt erst verständlich. Denn dass das Zinnkraut, das Glaskraut oder auch das Pfeifengras nach ihrer früheren Anwendung benannt wurden ist mittlerweile aus dem Gedächtnis verschwunden. Dr. Gertrud Scherf holt dieses verschwundene Wissen wieder zurück.
Praktische Anwendung mit präzisen Anleitungen
So ein Buch wäre ohne Kapitel mit praktischen Anleitungen unvollständig. Und hier nimmt dieser wichtige Teil ein gutes Drittel ein. Genug Platz auch exotisch erscheinende Anwendungen ausführlich zu beschreiben. So dürfte wenig bekannt sein, dass man mit Früchten von Rosskastanien Wäsche waschen kann. Auch Rezepte für Ersatzkaffee aus Zichorien oder für selbst geschöpftes Papier hat Dr. Gertrud Scherf hier niedergeschrieben.
Handbuch mit Mehrwert
Mit ihrem Buch »Alte Nutzpflanzen wieder entdeckt« hat Dr. Gertrud Scherf altes Volkswissen vor dem Vergessen bewahrt. Dabei geht sie aber mit frischer Schreibe und herrlich unproblematisch zu Werke. Das macht die Lektüre dieses Buches zu einem Genuss. Die angebotenen praktischen Anleitungen und die Porträts der dafür benötigten Pflanzen fesseln den Leser. Und sie machen Lust darauf die Rezepte und Tricks einmal selber auszuprobieren.
Gertrud Scherf: Alte Nutzpflanzen wieder entdeckt, 2009, 165 Farbfotos, 160 Seiten, BLV-Verlag, EURO 19,95
