Peter Simon ist ein erfolgreicher deutscher Geschäftsmann mit gut gehender Presseagentur in Frankfurt/Main. Wie in jedem Jahr bricht er zu einem Segeltörn mit seinem besten Freund auf, kommt dort aber nie an. Peters Frau Laura macht sich auf die Suche nach ihm und stellt vor Ort, in der Provence, Nachforschungen an. Was sie dabei herausfindet, offenbart ihr die Wahrheit über ihre Ehe. Nichts war, wie es schien. Peter, sein Geschäft, ihre Beziehung – alles nur wackelige Konstrukte, welche nun von einer Sekunde auf die andere eingestürzt sind. Je mehr Laura in den Trümmern wühlt, desto mehr Unangenehmes befördert sie zu Tage. Am Ende ist nicht nur ihre Existenz, sondern auch ihr Leben bedroht.

Meist spannend, zum Schluss etwas zu schwach für Charlotte Link

Man ist ein wenig hin und her gerissen bei diesem Buch. Auf der einen Seite gibt es Passagen, bei denen sich vor Spannung die Nackenhaare aufstellen – ganz im Stile von Charlotte Link. Dann gibt es Seiten, die ein wenig langatmig und nichts sagend daher kommen. Und auf einmal sind die Nerven wieder zum Zerreißen gespannt, gerade in dem Augenblick, in dem man das Buch aus der Hand hatte legen wollen.

Es ist ein stetiges Auf und Ab des Spannungsbogens, welcher leider bereits nach zwei Dritteln des Buches den absoluten Tiefpunkt erreicht – just in dem Moment, in welchem der Mörder von der Autorin in nur einem Satz auf dem Silbertablett serviert wird. Zunächst vermutet man noch, dass es sich hierbei um eine – getreu dem Titel – Täuschung handelt, doch da täuscht man sich nun wirklich. Der Täter bleibt derselbe bis zum Schluss. Die Handlung überschlägt sich zwar noch einige Male und gaukelt so geschickt Spannung vor, doch so richtig zufriedenstellend ist das Ende nicht. Vor allem eingefleischte Charlotte-Link-Fans werden sich wundern, solch schwache Schlusspassagen ist man von ihr eigentlich nicht gewöhnt.

Trotzdem lesenswert: Roman "Die Täuschung"

Bei nicht allzu strenger Betrachtung ist Links "Täuschung" trotzdem ein spannendes Buch mit zahlreichen Überraschungen, menschlichen Abgründen und geschickt gewobenen Handlungssträngen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Link die verschiedenen Lebenswege ihrer Akteure im Laufe der Story miteinander verknüpft und am Ende einen Flickenteppich präsentiert, welcher des Rätsels Lösung offenbart.

Links Schreibstil ist auch in "Die Täuschung" gewohnt flüssig, leicht verständlich und verdaulich. Das Buch ist eine ideale Ferienlektüre, für die Bahnfahrt, den Strand oder als Beschäftigung im Café. Zügig gelesen fallen die Schwachstellen nicht auf. Als Einstiegsbuch, um Link-Fan zu werden, ist es perfekt. Versierte Link-Leser könnten etwas enttäuscht sein, da es ihre Lieblingsschriftstellerin nicht in Höchstform zeigt.

Über die Autorin Charlotte Link

Charlotte Link wurde 1963 in Frankfurt/Main geboren, in dessen Nähe sie auch noch immer mit ihrer Familie lebt. Link gilt als erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Allein in Deutschland konnten bisher über 15 Millionen Exemplare ihrer Bücher verkauft werden. Ihre Werke "Das Echo der Schuld" und "Die letzte Spur" standen auf Platz 1 der deutschen Bestsellerlisten. Charlotte Links Bücher wurden zudem bereits mehrfach erfolgreich vom ZDF verfilmt. Und der SWR sagt über sie: "Die Meisterin der Täuschung heißt Charlotte Link. [Sie] schreibt so gut und so britisch, dass selbst ihre englische Kollegin Minette Walters vor Neid erblassen würde."

Mehr Informationen über die Autorin und ihre Werke:

Interview zu "Die Täuschung"

Verlagsspecial zu Charlotte Link

Charlotte Link: Die Täuschung. Verlag Goldmann 2009. Taschenbuch, 492 Seiten. Euro 9,95.