
- Eine windige Affäre von Amelie Fried - Heyne Verlag
Katja Moser lebt mit Mann und zwei schulpflichtigen Kindern in München. Sie arbeitet in Teilzeit als Bauingenieurin. Das klappt wunderbar, solange Katja alles selbst unter Kontrolle hat.
Der berufliche Aufstieg
Katja bekommt die berufliche Chance ihres Lebens. Ihr Chef schickt sie nach Litauen. Dort soll unter Katjas Verantwortung ein Windkraftpark errichtet werden. So sehr diese Anerkennung sie freut, so sehr stellt sie die 40jährige Mutter auch vor eine unüberwindbare Herausforderung. Katjas Ehemann, Michael, ist beruflich vor allem abends viel unterwegs und kann die Kinderbetreuung nicht übernehmen. Es läuft alles auf ein Au-pair-Mädchen hinaus. Als Olga kommt, läuft nichts wie es soll. Die Kinder mögen sie nicht und Michael beachtet sie kaum. Katja versucht in den letzten Tagen vor ihrem Abflug nach Litauen Olga alles im Haushalt zu zeigen, woran sie jahrelang ihre Familie gewöhnt hat. Sie sollen das gleiche Essen bekommen und den gleichen Tagesablauf wie immer. Nichts soll sich ändern, wenn Katja weg ist. Doch Olga kennt ihre Rechte als Au-pair und hat ihrerseits Ansprüche, die sie versucht durchzusetzen. Die Erwartungen sind auf beiden Seiten zu hoch. Ein Zusammenleben auf dieser Basis kann nicht funktionieren und so muss Katja kurzerhand Olga nach Hause schicken und die Oma um Hilfe bitten.
Die Ereignisse in Litauen überschlagen sich
In Litauen stellen sich Katja gleich mehrere Probleme. Zum einen verwöhnt Oma zu Hause die Kinder und handelt gar nicht im Sinne der Mutter. Zum anderen steht Katja in Litauen völlig am Anfang. Es gibt noch keine Genehmigungen für ihr Projekt und es sieht auch nicht so aus, als ob diese leicht zu bekommen wären. Die einzige Hilfe, die sie vor Ort hat, ist ihr Assistent Jonas. Er macht sie mit wichtigen Personen bekannt, organisiert alle Termine und übersetzt. Bei solch einem wichtigen Treffen mit dem Chef der ansässigen Zeitung lernt Katja dessen Tochter Sofia kennen und überredet diese spontan als Au-pair-Mädchen bei ihr zu beginnen. Sofia ist ein Glücksgriff für die Mosers, denn Oma muss zu einer langgeplanten Reise aufbrechen und Sofia fügt sich so gut in die Familie ein, dass Katja beruhigt in Litauen weiterarbeiten kann.
Zwischen Kotrollverlust und Stärke
Katja glaubt, wieder alles unter Kontrolle zu haben. Doch in Litauen werden ihr Steine in den Weg gelegt, so dass sie mit ihrem Windkraftprojekt keinen Schritt weiterkommt. Zu Hause hat ihre Familie viel Spaß mit Sofia. Katja kommt damit nicht zurecht. Sie fühlt sich als Mutter und Ehefrau ersetzbar und fragt sich, ob Sofia sie bei Michael als Geliebte tatsächlich schon abgelöst hat. Katjas Frustration wächst.
Nun sieht sie sich in Litauen auch noch Korruption und Betrug ausgesetzt. Windkraftgegner und Politiker bremsen ihre Arbeit – oft sogar auf illegale Weise. Katja steht vor der Wahl aufzugeben oder mit gleichen Mitteln ihren Widersachern zu begegnen. Sie weigert sich ihre moralischen Wertvorstellungen über Bord zu werfen. Aber kampflos das Feld zu räumen, kommt für sie noch weniger in Frage. Jetzt muss sie Stärke zeigen.
Das Fazit: Gelassenheit als Lösung
Katja ist eine Frau, die sich selbst und der Welt beweisen will, dass sie alles schafft. Sie kann sich um ihre Familie kümmern und gleichzeitig ein großes berufliches Projekt stemmen. Sie möchte keine Schwächen zeigen und ihre Aufgabe treibt sie an. Aber sie bricht unter dieser Belastung beinahe zusammen.
Die Zerrissenheit zwischen der Mutterrolle und der erfolgreichen Bauingenieurin ist das Hauptthema in diesem Roman. Die Protagonistin muss lernen, Hilfe anzunehmen und loszulassen. Erst als sie beginnt, ihren Kindern Freiräume zu gewähren und Unterstützung von anderen auch als solche zu sehen, entspannt sie sich. Dadurch ist es ihr wieder möglich die Aufgaben ihrer Familienmitglieder als gleichwertig zu betrachten und diese auch zu honorieren.
Dieser Roman spricht jeder berufstätigen Mutter aus tiefster Seele. Spannend bleibt es obendrein, denn das Tempo zieht zum Ende hin an. Die Geschichte entwickelt im Verlauf sogar krimiartige Züge.
Die Autorin
Amelie Fried war vor ihrer schriftstellerischen Karriere TV-Moderatorin. Inzwischen hat sie mehrere Romane und Kinder- und Jugendbücher verfasst. Sie hat den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten.
Amelie Fried: Eine windige Affäre. Erschienen 2011 im Wilhelm Heyne Verlag der Verlagsgruppe Random House GmbH, München. 384 Seiten. € 19,99. ISBN 978-3-453-26588-2
