Buchrezension: John Niven "Gott bewahre"

John Nivens JC ist etwas lebenslustiger... - Axel Hoffmann
John Nivens JC ist etwas lebenslustiger... - Axel Hoffmann
John Niven ist bekannt geworden durch seine halbfiktionale Novelle „Kill Your Friends" - nun ist ein neues abgefahrenes Werk von ihm auf dem Markt.

„Da kommt Gott – tut so, als wärt ihr beschäftigt!” Mit diesem Satz steigt der Leser in die Geschichte ein. Es ist eine vielschichtige, satirisch aufgeladene und teils recht abgedrehte Erzählung, die John Niven unter dem griffigen Original-Titel “The Second Coming” veröffentlicht hat.

Inhalt - Jesus' Wiederkehr auf die Erde

Gott war angeln - 450 Erdenjahre lang - und hat seinem Sprössling Jesus (alias JC) die Aufsicht über seine Schöpfung übertragen. Wieder im Himmel angelangt wird Gott mit der heutigen Welt konfrontiert: Umweltsünden, Kriege, moralischer Verfall, kirchliche Hassprediger, skrupellose Kommerzialisierung - und eben dem ganzen Rest, den die Menschheit seit dem 16. Jahrhundert so angestellt hat. Gott sieht nur eine Lösung, die Menschen vor der endgültigen Selbstzerstörung zu retten: Jesus muss noch einmal auf die Erde und das Ganze gerade biegen. Schließlich scheinen die Menschen Gottes einziges Gebot "SEID LIEB" vergessen zu haben. Damit beginnt JCs erneute Irrfahrt auf Erden: Dem gemütlichen, bekifft-chilligen Himmel entrissen schlägt er sich zunächst in New York mit einer erfolglosen Rockband durch - aber Gehör der breiten Masse findet er so nicht. Dennoch schart er in dieser Zeit Menschen um sich, die ihm folgen und denen er hilft: Drogenabhängige, Gescheiterte Existenzen, Obdachlose - kurz: alle, die vom Rest der Gesellschaft als Abschaum gesehen werden. Dennoch darf er das große Ganze nicht aus den Augen verlieren: Schließlich soll er die Menschheit selbst und nicht nur einen kleinen Teil erlösen. Deshalb ringt er sich schließlich dazu durch, an einer großen amerikanischen Castingshow teilzunehmen. Aufmerksamkeit erlangt er dadurch genug, allerdings ist es nicht immer die gewünschte: Aber wer hätte auch erwartet, dass alles ganz einfach ist und Jesus ohne ein erneutes Martyrium davon kommt?!

Fazit - ein Buch mit Aktualität, und gesellschaftlicher Relevanz, das leider etwas über das Ziel hinaus schießt

John Niven wirft in seinem Roman viele aktuelle gesellschaftliche Probleme auf, die nicht nur wie in seinem Beispiel die amerikanische Gesellschaft betreffen, sondern weltweit von Bedeutung sind. Auch wenn er sich in seiner Betrachtung vor allem auf das Christentum konzentriert, so lässt es sich doch auch auf andere Weltreligionen übertragen, dass die Glaubensessenzen - die ethischen Standards wie Respekt vor dem Leben, Gastfreundschaft, Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit - oft leider aus dem Fokus geraten sind. John Niven illustriert seine Beispiele sehr anschaulich und nachvollziehbar - wenngleich teils zu überzeichnet, so dass es leider streckenweise oberflächlich wirkt. Das ist auch auf seine Sprache bzw. die seiner Charaktere zurück zu führen, die nicht nur flapsig und drastisch ist, sondern vielfach zotig. Als schräge und etwas aberwitzige Geschichte reiht sich "Gott bewahre" aber ganz gut in den Stil seiner Vorgängerwerke ein.

John Niven: Gott bewahre. Heyne Hardcore 2011, 400 S., ISBN: 9783453675971, EUR 19,99.

Christina Helm, Christina Helm

Christina Helm - Magister Artium (M.A.) in systematischer Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Klassischer Literaturwissenschaft. Freie ...

rss