Buchrezension: "Mütter, Väter, Supernannies"

Ein Buch über funktionalisierende Tendenzen in der Erziehung

Ch.Griese,A.Levin: Mütter, Väter, Supernannies - Schneider Verlag
Ch.Griese,A.Levin: Mütter, Väter, Supernannies - Schneider Verlag
Der Ratgeber beleuchtet das Thema Erziehung aus wissenschaftlicher Sicht - und enthält dennoch lebenspraktische Tipps für den Alltag.

Kinder sind unsere Zukunft und benötigen für ihre Entwicklung gute Voraussetzungen: Liebevolle Eltern, eine gesunde Umwelt, später verständnisvolle Lehrer und Erzieher, die sie bei ihrem Start ins „eigene Leben“ begleiten. Es sind erstrebenswerte Ideale, die sich im heutigen Alltag von Kindern und Jugendlichen in Deutschland kaum finden lassen.

Hilfe nur noch durch Supernannies?

Die Erziehungsmisere wird in den Medien exemplarisch durch verzogene Kinder, verzweifelte Eltern, ratlose Lehrer und Erzieher hinreichend dokumentiert. Lange Zeit sammelten Vertreter der verschiedenen Disziplinen rund um die Erziehungswissenschaften Daten, leiteten ihre Thesen davon ab und schlugen unterschiedliche Präventivmaßnahmen und Interventionen vor. Der Einfluss dieser zwar systematischen und methodischen Vorgehensweise war relativ gering. Die gravierenden Defizite blieben offensichtlich unberührt.

Es wurde ersichtlich, dass die Lösungen bei Problemen mit der Erziehung, die eigentlich darin besteht, Kinder und Jugendliche für ihre zukünftigen Aufgaben als Erwachsene in einer gemeinsamen Welt vorzubereiten, neu überdacht werden müssen.

Eltern sind enttäuscht und ungehalten wegen der unüberschaubaren Vielfalt nutzloser Ratgeber, deren schlaue Tipps sich mit den Forderungen, die aus der Erziehungspraxis resultieren, schlecht vertragen. Sie fragen sich, wie die Eltern und Großeltern den Erziehungsparcours mit meistens mehr Kindern bewältigt haben und flüchten sich in solche Gedanken wie „Können nur noch Supermamas oder Supernannies rettend eingreifen?“

Christiane Griese, Anne Levin und weitere Autoren schauen in „Mütter, Väter, Supernannies" kritisch hinter die Kulissen des Erziehungsalltages. Pädagogen wissen, es ist wichtig Müttern und Eltern Mut zu machen.

Die Zukunft von jungen Menschen ist viel wert

Im ersten Kapitel wird von Manfred Kappeler die „Kindheits- und Zukunftsrhetorik“ von Regierungen, Parteien und Interessensverbänden hinterfragt. Es wird die Zukunft, Zukunftsperspektiven und die Zukunft als noch nicht gelebtes Leben vorgestellt und über den Zusammenhang von Zukunft und Politik reflektiert.

Der absolute Wert der Zukunft und die Anerkenntnis ihrer Unumkehrbarkeit darf nicht zu niedrig eingeschätzt werden; das hätte die fatalen Folgen, mit denen wir es jetzt teilweise schon zu tun haben. Joachim Bröcher geht auf die Schule, die zwischen „wahrer Bildung“ und dem Verfolgen anderer Zwecke steht, ein. Er betont, dass in der Bildung auch das scheinbar Unnötige und Zweckfreie wichtig ist.

Bei schmalem Geldbeutel macht Not erfinderisch

Das Kapitel „Not macht erfinderisch“ von Brigitte Wießmeier geht auf die Einschränkungen der Jugendhilfe und die sprunghaft steigenden Klientenzahlen ein. Es wird berichtet, wie Sozialarbeiterinnen des Jugendamtes die momentanen Veränderungsprozesse beurteilen. Es wird hinterfragt, wer wen in der Wirklichkeit erzieht und wie eine wirksame Hilfe aus Sicht der Familie, der Fachkräfte und der Studierenden aussehen könnte.

Hier Hilfe zum Antrag auf Elternzeit.

Christiane Griese erklärt den Begriff „Eltern". Sie geht auf die Bedingungen für Elternschaft ein, fragt, wozu Kinder und Fachliteratur nötig seien. Einen großen Raum nimmt die Thematik Eltern-Kind- Beziehung und die Stärkung der elterlichen Kompetenz ein, bei der die fünf Säulen der Erziehung zum Tragen kommen: emotionale Wärme, Achtung, Kooperation, Verbindlichkeit und allseitige Förderung.

Hilft ein Elternführerschein weiter?

Ralf Quindel hinterfragt den Sinn eines Elternführerscheins und zeigt Möglichkeiten und Grenzen von Elternkursen auf. Über die Grenzen öffentlicher Betreuung im frühen Kindesalter schreibt Anne Levin. Sie beleuchtet die Qualität elterlicher und nicht-elterlicher Betreuung und deren Einfluss auf die Entwicklung des Kindes.

Rolf Arnold macht sich Gedanken über die Rolle und Bedeutung des Vaters als Erziehungsfaktor. Ganz aktuell steigt Andrea Schmidt in das Thema Erziehung im Kontext medialer Inszenierung ein. Sie prangert die reißerische Aufmachung der Serien, die eine pädagogische Arbeit erschweren, an. Als hilfreich wird ein Eltern-Coaching, eine Strukturierung des Familienlebens und Eltern- und Kinderregeln angesehen.

Supernannies auf dem Prüfstand

Das gleiche Thema bearbeitet Heinz Moser. Er berücksichtigt kulturspezifische Unterschiede in der Position der Nannies sowie die Funktion von Zuschauern und Teilnehmern. Auch Katharina Homann geht auf die Doku-Soaps der Supernannies ein. Sie hinterfragt die „Methode“ und wertet die Daten aus. Herbert Scherer stellt sich schließlich mutig den Kritikern der Supermamas in Fernsehen entgegen. Er verteidigt die Publikumserfolge der Serien und bestätigt das Unbehagen an der professionellen Pädagogik.

„Mütter, Väter, Supernannies" ist ein Buch, das umfassend informiert. Es bietet eine gute Grundlage für Podiumsdiskussionen und regt Gespräche an.

Ch. Griese, A.Levin, A.Schmidt (Hrsg.): Mütter, Väter, Supernannies. Schneider Verlag 2007. Broschiert, 152 Seiten. Euro 16,00.

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

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