
- New York, NYC - Jürgen Kadel
Aus ihrer eigenen Sicht führt Nadine Sieger ihre Leser Monat für Monat durch ihr großes Abenteuer. Die Korrespondentin und freie Autorin verlässt das kühle Hamburg und macht sich auf, den Atlantik zu überqueren. Ihr Ziel: New York. Nicht als Tourist. Nein, sie will für ein Jahr dort leben und arbeiten. Ihre Geschichte beginnt abrupt, wie jede Reise nach New York. Unvermittelt nimmt sie den Leser mit, lädt ein, ihre Gedanken und Eindrücke direkt mitzuerleben. Sie gibt Einblicke in die Stadt und ihre Bewohner. Alles ist hier neu und ungewohnt, doch das ändert sich sehr schnell. "Wie im Film" schildert sie das Gefühl bei ihrer Ankunft, steht in der Grand Central Station und lässt einen daran direkt teilhaben.
Zwölf Monate – zwölf Kapitel
Schritt für Schritt öffnet sich ihr die Stadt, sie lernt immer neue Menschen kennen. Sie erklärt, wie die New Yorker sind, anders eben. Offen und aufgeschlossen. Aber auch kompliziert, so gibt es Regeln, die man nicht bricht. Auch Nadine Sieger muss sie kennenlernen und führt so durch die Stadt. Nicht auf den ausgetretenen Touristenpfaden. Das ganz normale Leben zieht sich als roter Faden durch das Buch. Wohnungssuche, Freunde finden, Arbeiten und die vielen Kleinigkeiten des Alltags.
In der Ich-Form zieht sie den Mitleser schnell in den Bann der Stadt, leicht ihr Schreibstil. Plötzlich sitzt man mit ihr im Taxi oder der U-Bahn. Wer schon einmal in New York war, wird viele Stellen wiedererkennen. Plant man einen Aufenthalt, so ist das kleine Buch vom Leben in der großen Stadt der ideale Einstieg. Und gerade die weiblichen Leser werden oft in ihre Lieblingsserie "Sex and the City" versetzt. Dass die Regeln für ein Dating nicht nur aus der Serie stammen, sondern Alltag sind, wird schnell klar. Und man hat es immer eilig, New Yorker haben keine Zeit. Sind immer getrieben von der Angst irgendwo eine Veranstaltung, ein Konzert oder eine Party zu verpassen.
Flott durch New York
Nadine Sieger schreibt recht locker, fehl am Platz, wer hier schwere Literatur erwartet. Sie will hineinführen in das Leben in NYC, das ist eben locker und schnell, so liest sich auch das Buch. Und so begleitet der Leser sie durch das ganze Jahr, jeden Monat bietet die Stadt neue Überraschungen. Ob es die Kälte und der Schnee vor Weihnachten sind oder die kostenlosen Konzerte im Juli im Central Park.
"Die gefühlte Schönheit der Stadt ist schwer zu erklären und oft irrational überwältigend. Sie hat mit Makellosigkeit und Ästhetik wenig zu tun. Ganz in Gegenteil", so schreibt Nadine Sieger und berichtet auch von den Schwachpunkten New Yorks, von der schrulligen und launigen Stadt. Aber gerade das macht das Buch sympathisch, es ist kein blinder Reiseführer, der nur glänzende Fassaden zeigt. Wer mit ihr eintaucht in das Leben dort, der bekommt ein wenig von dem Gefühl zurück, das die Stadt hinterlässt.
Die Autorin Nadine Sieger
Die Hamburgerin, 1977 geboren, berichtet in "Neon", dem "Lufthansa Magazin" und "Architektur und Wohnen" als freie Autorin. Sie ist Korrespondentin für das "InStyle Magazin". Mit ihrem ersten Buch gibt sie den Lesern die Chance, sie ein ganzes Jahr zu begleiten. Mit ihr zusammen hineinsteigen, um sich mittendrin zu fühlen. Das geht recht flott, wer sich ihr öffnet, der wird es fühlen. Fast wie in echt, aber leider nur fast.
Ein Jahr in New York: ein Fazit
In lockerem Stil führt Sieger durch die Stadt, stellt Menschen vor. Natürlich nur aus ihrer ganz persönlichen Sicht, so wie sie es erlebt hat. Aber es macht Spaß, sie zu begleiten, in ihren Glücksmomenten und auch in schlechteren Zeiten mit ihr durch New York zu ziehen. Frauen werden es wohl etwas leichter haben, ihr zu folgen, besonders die Fans von "Sex and the City". Aber auch Männer werden ihre Freude daran haben. Und alle wollen wissen, ob sie wohl geblieben ist ...
Nadine Sieger: Ein Jahr in New York. Herder Verlag 2008. Paperback, 190 Seiten. Euro 12,95.
