
- Oliver Dierssen: - Heyne Verlag
Sebastians neues Leben in der „Weltstadt“ Hannover verläuft ganz anders als geplant: Statt zu studieren, jobbt er in einem Asia-Supermarkt. Seine große Liebe Kim scheint unerreichbar, und ganz nebenbei erzählen ihm seine Eltern von ihren Scheidungsplänen. Als sich dann eines Nachts eine Fledermaus in seinen Rollläden verirrt und statt der gerufenen Feuerwehr der MAD erscheint und nach seinem Gattungspass fragt, ist plötzlich nichts mehr wie zuvor …
Sebastian im „Fledermausland“: Vampire, Zwerge & Co.
Erst wird er von einem depressiven Vampir auf der Kino-Toilette angegriffen, dann besucht ihn der „Oger“ Kurt Snijder und hinerläßt ihm einen Goldschatz. Und als wäre das noch nicht genug, hat sich auch noch ein Untermieter bei ihm eingeschlichen: Stauballergiker Pjotr, der unter seiner Spüle lebt und ihm die Wohnung putzt. Die Welt steht Kopf und Sebastian ist mittendrin. Und auch Kim scheint nicht die zu sein, für die sie sich ausgibt. Allmählich wird Sebastian klar, welche Rolle ihm zukommt und dass er sich für eine Seite entscheiden muss...
Oliver Dierssens Hommage an das Fantasy- und Horrorgenre
Mit „Fledermausland“ hat sich Oliver Dierssen offensichtlich einen Kindheitstraum erfüllt. Sein Fantasy-Roman ist voll gespickt mit allerhand literarischen und filmischen Verweisen, Figuren und Klischees, die er geschickt karikiert: Dan Brown lesende Zwerge, Vampir Lothar, der Züge von Louis aus „Interview mit einem Vampir“ trägt. Und auch das Grundthema ist eng an die „Wächter-Trilogie“ von Sergej Lukianenko angelehnt.
Nicht zu übersehen sind zudem die medizinischen Verweise, die uns Oliver Dierssen, selbst Arzt in einer psychiatrischen Klinik, liefert: MAD (Medizinischer Außendienst), "kontaminierte" Menschen, ein Pflegeheim voller "verrückter Grufties" u. v. m.
„Fledermausland“ als selbstironische Satire auf den Vampir-Hype
Doch was Dierssens Debüt wirklich lesenswert macht, ist sein unschlagbarer Humor. Wie eine Mischung aus Terry Pratchett und Walter Moers, gepaart mit einer guten Portion Selbstironie, ist „Fledermausland“ eine gut gelungene Satire auf den Vampir-Hype der Medienwelt und die Fantasyhelden einer ganzen Generation: unbedingt lesenswert – für pubertäre Vampir-Jünger ebenso wie für "unerfahrene" Fantasy-Einsteiger. Bleibt nur noch zu hoffen, dass uns Oliver Dierssen in Zukunft mit weiteren Geschichten um Sebastian Schätz zum Lachen bringen wird.
Über den Autor Oliver Dierssen
Oliver Dierssen wurde 1980 in Hannover geboren, ist verheiratet und arbeitet als Arzt in einer psychiatrischen Klinik. Mit „Fledermausland“ legte er ein erfolgreiches Roman-Debüt vor. Zur Zeit ist er auf einer erfolgreichen Lesereise quer durch Deutschland unterwegs.
Oliver Dierssen: Fledermausland. Roman. Heyne Verlag 2009. Paperback (Klappenbroschur). 448 Seiten. Euro 12,95.
