Die 1938 in Halberstadt geborene Wibke Bruhns zählt zu den wichtigsten deutschen Journalistinnen. Sie wurde 1971 beim ZDF die erste Nachrichtensprecherin der Bundesrepublik und ihr journalistisches Verhältnis zu Willy Brandt war damals in aller Munde. Jetzt hat Wibke Bruhns ihr zweites Buch veröffentlicht. Es ist ihre ganz persönliche Autobiografie. Veröffentlicht wurde das gebundene Buch mit dem Titel "Nachrichtenzeit. Meine unfertigen Erinnerungen" am 1. März 2012 im Droemer Knaur Verlag.

Eine stigmatisierte Jugend

Wibke Bruhns ist die Tochter eines Kaufmanns aus Halberstadt. Als Bruhns fünf Jahre alt war, wurde ihr Vater wegen seiner Beteiligung am Widerstand gegen Hitler in Plötzensee hingerichtet. Ihre Mutter stand daraufhin mit fünf Kindern allein da. Als sie den späteren Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier kennen lernt, verschafft ihr dieser einen Job bei der deutschen Botschaft in Stockholm. Für Wibke Bruhns und ihre Geschwister folgten daraufhin viele Umzüge und Internatsaufenthalte. In Deutschland wird Bruhns als Verräterkind bezeichnet, während man sie in Schweden ein "Täterkind" nennt. Das hatte zur Folge, dass viele Mitschülerinnen keinen Kontakt mit ihr haben durften.

Eine Volontoriat bei der Bild-Zeitung

Wibke Bruhns lernt frühzeitig, sich gegen Vorurteile durchzusetzen. Nachdem sie ihr Studium abbrach, fing sie bei der Bild-Zeitung ein Volontoriat an. Als die Zeitung auf ihrem Titelblatt die DDR wegen des Mauerbaus mit Nazis vergleicht, kündigte Bruhns ihre Arbeitsstelle. Sie ging danach zum NDR Hamburg und schließlich zum ZDF, wo sie im Jahr 1971 als erste deutsche Nachrichtensprecherin für die Sendung "heute" im Fernsehen in Erscheinung trat. Wibke Bruhns fand diesen Job nicht halb so aufregend wie ihre Umwelt, zumal sie vorgefertigte Texte ablesen musste.

Gefälschte Hitler-Tagebücher

Nachdem Wibke Bruhns drei Jahre als Nachrichtensprecherin tätig war, wechselte sie zum "Stern", für den sie ab 1979 aus Jerusalem und ab 1984 aus Washington berichtete. Die Journalistin erzählt ausführlich über das Drama um die gefälschten Hitler-Tagebücher, in deren Folge zwei Chefradakteure mit einer immens großen Abfindung ihre Posten räumen mussten.

Fazit

Die fesselnden Lebenserinnerungen Wibke Bruhns zeugen von einem ungewöhnlichen Leben voller Überraschungen und Wendungen. Der Leser erfährt jede Menge Hintergrundinformationen über zeitgeschichtliche Ereignisse. Wibke Bruhns mag vielen Lesern als Verhältnis von Willy Brandt in Erinnerung sein. Sie selbst dementiert dieses jedoch. Ihr Besuch 1973 in seiner Suite während seines Israel-Besuches diente nur rein journalistischen Zwecken. Auch gemeinsame Urlaube basierten lediglich auf der Freundschaft mit dem Ehepaar Brandt. Diese Biografie enthält neben vielen persönlichen Ereignissen auch jede Menge Wissenswertes über die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Lesenswert!

"Nachrichtenzeit" von Wibke Bruhns, erschienen am 1. März 2012 im Droemer Knaur Verlag, gebunden, 304 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-426-27562-7

Die Autorin bedankt sich beim Droemer Knaur Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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