Buchvorstellung: Die Lebensgeschichte des Franz Kafka

Auf der Schwelle zum Glück - www.beltz.de
Auf der Schwelle zum Glück - www.beltz.de
Eine Biografie über den Prager Weltliteraten, der sein Leben lang nicht über die "Schwelle zum Glück" hinaus gelangen sollte.

Franz Kafka spaltet seit jeher die Gemüter. Generationen von Schülern, die seine Werke wie etwa "Das Schloss" oder den "Prozess" lesen, lieben oder verachten ihn. Die einen finden seine Werke düster, abscheulich und grauenvoll, andere wiederum sind fasziniert von der melancholischen Rätselhaftigkeit und Zerrissenheit seiner literarischen Werke sowie der wahrhaftigen Abbildung gesellschaftlicher Gesetzmäßigkeiten. Kafkas Werk eignet sich wahrlich nicht zur Strandlektüre. Zu düster, zu anstrengend für Hedonisten, aber unentbehrlich für anspruchsvolle Leser.

Faszination Franz Kafka

Sein Leben lang staunte Kafka über die "Festigkeit, mit der Menschen das Leben zu tragen wissen." Er selbst war ein ewig Suchender und Fragender, geplagt von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen. Tagsüber arbeitete er als Jurist in der Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt in Prag, nachts schrieb er Erzählungen in Schulhefte. Dazwischen weilte er in Kaffeehäusern oder traf sich mit anderen Künstlern wie etwa seinem besten Freund Max Brod.

Ambivalente Vater-Sohn-Beziehung

Seinem autoritären Vater Hermann Kafka missfiel das sensible Naturell seines Sohnes; er wünschte sich wohl auch einen ganz anderen Sohn, einen, der die elterliche Firma führen sollte.

Die Erwartungen des Vaters konnte der Sohn nicht erfüllen und Kafka litt sehr darunter, wie es auch in seinem "Brief an den Vater" deutlich wird. Dennoch schaffte es Kafka zeit seines Lebens nicht, sich von seinem Elternhaus in reifer Haltung zu distanzieren oder wenigstens räumlich zu lösen.

Franz Kafka und die Frauen

Auch sein Verhältnis zu den Frauen seines Lebens wie etwa Felice Bauer, Milena Jesenska oder zuletzt Dora Diamant war von heftigen ambivalenten Gefühlen geprägt. So blieb Kafka bis zu seinem Tode durch Tuberkulose ein Junggeselle, der sich einerseits zwar nach der Festigkeit einer bürgerlichen Ehe sehnte, sie andererseits aber als Hindernis für seine künstlerische Entwicklung ansah.

Eine Biografie für Jugendliche und Erwachsene

Alois Prinz versteht es meisterhaft, gerade die Zwiespältigkeit und melancholische Sehnsucht des jungen und älteren Kafka anhand seiner literarischen Werke zu dokumentieren. Kafkas jüdische Wurzeln, seine Lebensangst, seine kränkelnde körperliche Verfassung und die politisch-historischen Dimensionen seiner Lebensgeschichte werden von Prinz zu einer spannenden Erzählung miteinander verwoben. Innere Lähmung und der stetige Drang, Menschliches ergründen zu wollen, sind wiederkehrende Themen, die Prinz gekonnt in seine Erzählung einfließen lässt. Daraus geht eine Lebensphilosophie Kafkas hervor, die nicht selten in der Resignation mündet, den Leser aber fortwährend inspiriert, sich dem Mythos um Kafka zu nähern. Die Biografie ist als Jugendbuch erschienen, liest sich aber auch aus "erwachsener" Perspektive psychologisch dicht und schlüssig.

Alois Prinz, Auf der Schwelle zum Glück, Die Lebensgeschichte des Franz Kafka, 392 Seiten mit fotografischen Abbildungen,und Werkeverzeichnis, Beltz und Gelberg Verlag, Weinheim / Basel 2005, ISBN: 3 407 80953 0.

Bildnachweis: Copyright by Verlagsgruppe Beltz und Gelberg

Ann-Christin Weber, Ann-Christin Weber

Ann-Christin Weber - Ich bin Juristin und Journalistin. Für Suite101 schreibe ich vor allem in den Rubriken Bildung und Karriere, Lesen und Lauschen, ...

rss