Buchvorstellung: "Wie Kinder Sprachen lernen"

Und wie wir sie dabei unterstützen können

Das Buch „Wie Kinder Sprachen lernen" empfiehlt frühkindliche Förderung. Es ist für Eltern mit Migrationshintergrund, Pädagogen und Sprachwissenschaftler interessant.

Als Inhaberin einer Spielsprachschule, die bundesweit mit muttersprachlichen Pädagogen arbeitet, ist die Autorin selbstredend Verfechterin der frühen Mehrsprachigkeit und verfolgt Buchpublikationen rund um das Thema, wie Kinder Sprache entwickeln und lernen, sehr genau. Immer noch herrschen zahlreiche Vorurteile, die die These verfechten, dass "es [...] besser [ist], erst einmal eine Sprache richtig zu lernen, bevor weitere dazu kommen". Doch inzwischen gibt es mehr und mehr wissenschaftliche Ausarbeitungen und Literatur zum Thema Mehrsprachigkeit und Spracherwerb bei Kindern, die aussagen, dass Kinder von Anfang an mit mehreren Sprachen aufwachsen können. Mit dem überarbeiteten Werk „Wie Kinder Sprachen lernen“ erhält der Leser eine sehr strukturierte Übersicht. Das Buch schließt eine entscheidende Lücke, da es auch für Nicht-Sprachwissenschaftler sehr verständlich geschrieben ist und durch zahlreiche Praxisbeispiele seine Thesen verdeutlicht. In zehn Kapiteln gibt die Autorin einen verständlichen Überblick.

Sprachwissenschaftliche Grundlagen und Sprachenerwerb

Zunächst stehen sprachwissenschaftliche Grundlagen im Vordergrund. Zahlreiche plakative Beispiele machen die Theorie besser verständlich. Die jeweilige Kernaussage wird auf den Punkt gebracht und Begriffe wie „Metasprache“ oder „Wortnetze im Kopf“ werden auch für Laien lebendig und einprägsam. Das sogenannte „code-mixing“, also die Vermischung von Sprache, wird verständlich und nachvollziehbar. Der einsprachige und doppelte Erstsprachenerwerb und der frühe sukzessive Zweitsprachenerwerb werden vorgestellt. Strenger monolingualer Erstspracherwerb ist nach Tracy allerdings nur theoretisch möglich, da Kinder von klein auf zum Beispiel durch Dialekte Sprachvarianten erleben. Sie geht dem gleichzeitigen Erwerb zweier Fremdsprachen genauso nach, wie der Frage, wie sich Grammatik entwickeln kann, wenn Deutsch als Zweitsprache gelernt wird. Dabei zeigt Professor Tracy auf, dass mit zunehmendem Alter das Erlernen der Grammatik schwerer wird. So gelingt es laut einer Reihe von Experimenten Kindern im Kindergartenalter, die zuvor monolingual erzogen wurden, innerhalb von einem halben Jahr das topologische Schema des Satzbaus und die Satzklammern zu erwerben. Kinder in diesem Alter erlernen die Grammatik ähnlich wie Erstsprachenlerner. Kinder lernen laut Professor Tracy Sprache, wenn die Darbietung abwechslungsreich und interessant ist. Die Begabung zum Sprachenlernen tragen die Kinder in sich. Förderung in Großgruppen mit 20 Kindern sind nicht effizient. Muttersprachliche Lehrer sind am kompetentesten. Praktische Anregungen, um Fördermaßnahmen umzusetzen, finden sich mit gut aufgebauten Beispielen am Ende des Buches.

Zusammengefasst: Mehrsprachigkeit bei Kindern bedeutet Mehrwissen

Ein doppelter Erstspracherwerb stellt eine Bereicherung dar. Die typische Vermischung der Sprachen ist entgegen allen Vorurteilen alles andere als negativ. Professor Tracy weißt nach, dass Zweisprachigkeit (und grundsätzlich Mehrsprachigkeit) entgegen der antiquierten Meinung den Lerner nicht verwirrt, sondern im Gegenteil eine gute Verankerung der Sprachen abbildet! Deutlich wir auch, dass simultanes Lernen zweier ähnlicher Sprachen (etwa Deutsch, Niederländisch) durch die Ähnlichkeit der Struktur und des Wortschatzes dazu führt, dass der Lerner sie nur sehr schwer auseinanderhalten kann. Gleichzeitig ist die Ähnlichkeit der Wörter (und auch Worte) ein Vorteil zur Nutzung des Sprachverstehens.

Rosemarie Tracy: Wie Kinder Sprachen lernen. Narr/Francke/Attempto Verlag 2008 (2. Aufl.), 229 Seiten, € 19,90, ISBN 978-3-7720-8224-5.

Claudia von Holten, Claudia von Holten

Claudia von Holten - Inhaberin von Amiguitos - Sprachen für Kinder, einer Spielsprachschule für Kinder von 1 bis 10 Jahren und freiberufliche ...

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