Buddhismus in China

Hotei Buddha im Norden Chinas - Ivan Walsh
Hotei Buddha im Norden Chinas - Ivan Walsh
Der Buddhismus hat in China eine lange Tradition. Mehr als 100 Millionen Anhänger hat die buddhistische Lehre im Land der aufgehenden Sonne.

Erste Einflüsse des Buddhismus in China sind seit dem dritten Jahrhundert vor Christus bekannt. Während vermutet wird, dass bereits 265 vor Christus erste buddhistische Mönche aus dem Maurya-Reich – welches zu dieser Zeit von Ashoka dem Großen regiert wurde – nach China reisten, gibt es erste handfeste Erwähnungen aus dem Jahr 217 vor Christus. Im ersten Band des Li-tai San-pao-chi werden achtzehn Mönche erwähnt, angeführt von Li Fang, welche die buddhistische Lehre nach China brachten. Sehr wahrscheinlich ist es jedoch, dass zu dieser Zeit der Buddhismus bereits weit verbreitet war. Ein Indiz hierzu liefern historische Erkenntnisse zu Qin Shihuangdi, dem Begründer der Qin-Dynastie und des chinesischen Kaiserreiches, der von 247 bis 210 vor Christus regierte. Er ging nicht nur aufgrund des Ausbaus der Chinesischen Mauer und der Terrakotta-Armee in die Geschichtsbücher ein, sondern auch wegen seiner tyrannischen Herrschaft, die unter anderem in einer brutalen Buddhistenverfolgung mündete.

Anfänge des Buddhismus in China

Erst während der Regierungszeit des Kaisers Ming von Han, der von 57 bis 75 die Han-Dynastie anführte, konnte sich der Buddhismus in einer authentischen Form ausbilden. Überlieferungen zufolge soll Kaiser Ming von einem goldenen Mann geträumt haben, was von seinem Minister Zhong Hu als Erscheinung Siddhartha Gautamas, dem historischen Buddha, gedeutet wurde. Kaiser Ming ließ daraufhin eine Gesandtschaft in den Westen nach Tianzhu (heutige indisch-afghanische Grenzregion) schicken. Diese kehrten auf dem Rücken weißer Pferde zusammen mit 42 buddhistischen Lehrtexten (insgesamt 600.000 Sanskrit Zeichen) und zwei Mönchen zurück. Auf dieses Ereignis ist auch die Gründung des ältesten chinesischen Tempels zurückzuführen: Paima szu (deutsch: Tempel des weißen Pferdes).

Chinesische Übersetzung buddhistischer Texte

Erste Übersetzungen buddhistischer Sutras erfolgte durch An Shigao und dem Laienanhänger An Xuan zwischen 148 und 168. An Shiago war Thronfolger der Arsakiden-Dynastie, lehnte jedoch seinen Herrschaftsanspruch ab und wendete sich stattdessen dem Leben als buddhistischer Mönch zu. Er übersetzte Texte, die sich thematisch mit den Grundzügen des Buddhismus beschäftigten, aber auch Meditationsanleitungen und Teile des Abhidharma – das sind Sutras, auf die am besten der heutige Begriff buddhistische Psychologie zutrifft.

Genau wie Lokaksema – ein buddhistischer Mönch aus Gandhara – widmete sich An Xuan vorrangig der Übersetzung buddhistischer Texte des Mahayana. Lokaksema zeichnete sich verantwortlich für die chinesische Übersetzung des Astasahasrika Prajnaparamita Sutra und vieler anderer Lehrreden, die sich mit seltenen Mahayana Traditionen auseinandersetzten. Noch heute gehören die Übersetzungen Lokaksemas zu den bedeutendsten Hinweisen, wie der Mahayana-Buddhismus in seiner Frühzeit aufgebaut war. Aufbauend auf den Übersetzungen von An Shiago, An Xuan und Lokaksema, fand der buddhistische Mönch Kumarajiva aus Kucha (heute ein Teil von China) einen reichen Nährboden an Texten. Kumarajiva gilt als der signifikanteste Übersetzer Chinas. Aus dem Sanskrit übersetzte er unter anderem das Lotus-Sutra und schaffte damit eine Grundlage für viele, noch heute existierende Schulen des Mahayana.

Die Buddhistenverfolgung von 845

Kaiser Qin Shihuangdi, der im dritten Jahrhundert vor Christus herrschte, war zwar der erste chinesische Herrscher, der dem Buddhismus feindlich gegenüberstand, doch an gleichgesinnten Nachfolgern sollte es ihm nicht mangeln. Die bislang brutalste und weitest reichende Verfolgung von Buddhisten und Zerstörung buddhistischer Stätten fand im Jahr 845 statt. Der Beginn einer buddhistenfeindlichen Periode, von der sich der chinesische Buddhismus bis heute nicht erholt hat. Tang Wuzong war der 15. Kaiser der Tang-Dynastie und herrschte nur sechs Jahre von 840 bis 846. Diese sechs Jahre reichten jedoch aus, den Buddhismus, der inzwischen in China etabliert war, nachhaltig zu schädigen. Tang Wuzong war als fundamentaler Daoist bekannt und ließ alle anderen Religionen verbieten, neben dem Buddhismus auch das Christentum und den damals populären Zoroastrismus. Im Jahre 845 ordnete Tang Wuzong dann die Zerstörung von 4.600 buddhistischen Klöstern und 40.000 Tempel an. Aufgrund dieser Verwüstungen wurden mehr als 400.000 Mönche und Nonnen zu Bauern gemacht, welche fortan Steuern entrichten mussten. Wie viele Buddhisten während der Zerstörungen von 845 umgekommen sind, ist nicht bekannt. Neben den fanatischen religiösen Ansichten von Tang Wuzong gilt auch die damalige Schieflage der kaiserlichen Finanzen als ein Grund für die Buddhistenverfolgung.

Buddhistische Schulen in China

Von jeher spielte in China vor allem der Mahayana-Buddhismus eine große Rolle. Der heutige Buddhismus in China wird vor allem von der Chan- und der Amitabha-Schule geprägt, welche beide im Kern auf die Tiantai-Schule zurückgehen, die sich im sechsten Jahrhundert in China herausbildete und den Anspruch hatte, alle philosophisch-buddhistischen Schulen zu vereinen. In China kann man allerdings weder ein Chan-, Amitabha- noch ein reines Tiantai-Kloster finden. Vielmehr hat sich eine Mischform durchgesetzt, die von allen Schulen beeinflusst wurde, darunter auch die Hua-Yen Schule, die im siebten Jahrhundert entstand, und das Mizong, eine Zusammenfassung aller tantrischen Schulen in China. Die chinesische Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976, in der erneut eine Buddhistenverfolgung stattfand, hatte ebenfalls einen prägenden Einfluss auf die buddhistische Landschaft in China. Nach der Neugründung der Chinesischen Buddhistischen Gesellschaft in den 1980er Jahren konnten zwar zahlreiche Klöster und Tempel wiederaufgebaut werden, doch viele Relikte und Traditionen waren für immer zerstört.

Chinesischer Buddhismus heute

Heute gibt es in China mehr als 100 Millionen aktive Buddhisten, 20.000 Klöster und Tempel und rund 200.000 ordinierte Anhänger. Mehr als ein Viertel aller Buddhisten weltweit leben in China. Seitdem sich das chinesische Regime gegenüber dem Buddhismus wieder geöffnet hat, ist – ähnlich wie in anderen Bereichen des Lebens – eine gewisse übersteigerte Außendarstellung erkennbar, so gehört China zum Beispiel zu dem Land mit den höchsten Buddhastatuen. Als welthöchste Statue gilt die Darstellung des Vairocana Buddhas in Lushan in der Provinz Henan. Die Statue misst 128 Meter. Abgesehen von einer möglicherweise berechnenden Außendarstellung, hat der chinesische Buddhismus aber auch zahlreiche Gelehrte hervorgebracht, die weit über die Grenzen Chinas hinaus geschätzt sind. Hsu Yun (1840 – 1959) gilt als einer der einflussreichsten Lehrmeister des Chan-Buddhismus im 19. und 20. Jahrhundert. Nan Huai-Chin ist vermutlich der wichtigste, noch lebende Anhänger des Chan-Buddhismus und residiert seit 2004 in Suzhou.

Quellen:

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

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