Buddhistisch managen? Glücklich sein, als Chef für andere da sein

Anna Matzenauer - Jan Thomas Otte
Anna Matzenauer - Jan Thomas Otte
Werte und Weisheit, Mitgefühl und Nächstenliebe, Gelassenheit und Achtsamkeit sollten im Management präsent sein.

Diese Fragen mögen manche Banker beim Besuch des Dalai Lahmas in Frankfurt, Commerzbank-Arena, gehabt haben: Wie bitte sollte sich ein System, das sich per se durch stetiges Wachstum, durch knallharten Wettbewerb und kurzfristiges Denken definiert, zu solchem Verhalten durchringen? Bedroht dieser Wunsch doch bisherige Maximen. Wir brauchen dieses Wirtschaftssystem.

Wir wollen unseren Lebensstandard, unsere Lebensqualität, unseren Drang uns selbst zu verwirklichen nicht reduzieren. Was also bewegt Manager dazu, sich der Meditation als einem "Königsweg" zuzuwenden, Achtsamkeit zu trainiern, die Wahrnehmung zu schulen, um Verantwortung zu übernehmen für das eigen Handeln und die Selbststeuerung, die emotionale Intelligenz zu fördern und somit anders zu führen? Es ist schlicht die Sehnsucht nach Sinn.

Sinnvolle Arbeit wichtiger als schnödes Geld

Trotz der Globalisierung hat sich dieser archaische Wunsch, seinem Leben einen Sinn zu geben, nicht erübrigt. Auch Manager wollen sich in ein größeres Ganzes einbinden. Und manch einer mag es richtig satt haben eine einflussreiche Position und ein ansehnliches Salär zu haben, wenn eben damit nicht eine sinnvolle Arbeit einhergeht. Eine buddhistische Lehrerin sagte einmal über eine Frau, die in einem wunderschönen Haus ohne Arbeit herumsaß: „Auch von den schönsten Möbeln geht keine Inspiration aus“.

Menschen wollen etwas Sinnvolles tun, einen Beitrag leisten in dieser Welt. Das erlebt man in Coachings, Seminaren oder in Dialogen. Viele Berufstätige wollen weg aus ihrem Herkunftsberuf, weil dieser sinnentleert ist, hin zu einer begleitenden, andere in ihrem Wachstum unterstützenden Tätigkeit – sprich, das, was man sich landläufig unter Coaching vorstellt.

Achtsamkeit für Chancen, Job-Opportunitäten mal anders

So ist es nicht verwunderlich, dass Manager sich auf der Suche nach dem Sinn im Beruf einem spirituellen Weg zuwenden. Nicht selten ist das der Buddhismus. Denn der Buddhismus bietet in Sachen Sinn und der Umsetzung einer ethisch ausgerichteten Haltung im Alltag einige Chancen, sagt Anna Matzenauer:

  1. Buddhismus ist eine Religion, aber auch ein Weg der Sichtweisen. Von Buddha wird gesagt, er sei der gewesen, der ohne Schnörkel oder Verzerrung aufzeigte, wie die Dinge sind und dazu dann noch klare Methoden lieferte, damit auch jeder andere erleben kann wie die Dinge wirklich sind. (Hinter dieser einfachen Formulierung steckt ein umfassendes Konzept über Wirklichkeitsdefinition, Wahrnehmungstheorie.)
  2. Buddhismus gibt klare Antworten auf Fragen wie: Was ist Glück? Was ist Leid? Sprich: was ist Gewinn, was ist Verlust? Was ist ein Selbst? Was ist Bewusstsein?
  3. Buddhismus erklärt, was Achtsamkeit ist und wie diese trainiert werden kann. Ohne diese ist eine Selbstreflexion und Selbststeuerung nicht möglich – eine Schlüsselfähigkeiten im heutigen Management.
  4. Buddhismus definiert Karma – Ursache und Wirkungszusammenhänge. Mehr Klarheit darüber führt dazu, dass Verantwortung für das eigene Handeln übernommen wird. Daraus erwächst innere Freiheit. Stellen Sie sich vor, alle Entscheidungsträger der Wirtschaft würden konsequent nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung handeln, sprich negatives Handeln vermeiden, Positives ausführen, weil sie wüssten, dass ihr Handeln nicht nur für andere, sondern auch für sie selbst gravierende Folgen hat.
  5. Doch es darf auch schlichter sein. Schauen wir uns zum Beispiel einmal die zehn Prinzipien an, die Buddha lehrte: drei beziehen sich auf den Körper, vier auf die Rede, wiederrum drei auf den Geist. Modern übersetzt heißt das: Das Verhalten, die Kommunikation und die Sicht oder Einstellung werden fokussiert.
Jan Thomas Otte, Studio Attimo, Heidelberg

Jan Thomas Otte - Nichts ist so schwer wie über sich selbst zu schreiben. Mit Reportagen über Gott und die Welt hinterfragt er Glaubenssätze ...

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