Buddhistischer Religionsunterricht ist vielen Menschen als Option für ihre Kinder nicht geläufig. Gerade in Österreich hat sich in den letzten Jahren in diesem Bereich einiges getan. Mittlerweile gibt es sogar eine buddhistisch orientierte Schule, die sich in Wien-Floridsdorf befindet. Teilnehmende Kinder und Jugendliche haben entweder die buddhistische Religionszugehörigkeit oder interessieren sich einfach für die buddhistische Religion und Lebenshaltung.

Geschichte des Buddhistischen Religionsunterrichts in Österreich

Bereits im Jahr 1992 wurde der erste buddhistische Lehrplan erstellt und als Bundesgesetz verlautbart. 1993/94 startete der erste buddhistische Religionsunterricht, womit sich Österreich als Pionier in diesem Sektor aufmachte, um für Diskussionsstoff in Europa zu sorgen. 1993 startete der Unterricht mit 3 LehrerInnen und ungefähr 25 SchülerInnen. Beim Besuch des Dalai Lama im Jahr 1995 besuchte er buddhistische Schülerinnen in verschiedenen Städten, um mit einer persönlichen Belehrung zur Verfügung zu stehen.. Im Oktober 1999 fand die erste Konferenz buddhistischer Religionslehrer in Salzburg statt. Anfänglich handelte es sich um 8 Lehrer und Lehrerinnen, die 19 Gruppen unterrichtet haben. Der Unterricht findet in 6 Bundesländern statt. Bei der zweiten Bundeskonferenz der Religionslehrer konnte der Unterricht bereits auf 7 Bundesländer ausgeweitet werden. 2001 zeigte sich bereits das Anwachsen auf 30 Gruppen bei 20 LehrerInnen im österreichischen Raum. Diese Tendenz möchte noch weiter ausgebaut werden und eine neue Strukturierung des Lehrplans als auch eine Verbesserung der organisatorischen, didaktischen und pädagogischen Grundlagen bewirkt werden.

Was wird im buddhistischen Religionsunterricht vermittelt?

Buddhistischer Religionsunterricht vermittelt zum einen die Lehre, das heißt die Geschichte von Buddha und die grundlegenden Inhalte verschiedener Traditionen. Da Buddhismus vor allem mit Lebensgestaltung und Erfahrungen zu tun hat, die selbst gemacht werden sollen, geht es hierbei auch darum, wie die Inhalte im Leben genutzt oder angewandt werden können. Außerdem lernen SchülerInnen wie ein Tempel betreten wird, die Praxis des Verneigens als auch des Dankens und Ehrens des Buddha beim Mitbringen und Anzünden von Räucherstäbchen am Altar.

Wesentlicher Bestandteil ist natürlich auch die Achtsamkeits- und Meditationspraxis. Hier wird vor allem auf die Vermittlung dessen geachtet, wie Gedanken und Gefühle betrachtet werden können. In höheren Schulstufen gehören auch reflektierende Gespräche der Meditationspraxis dazu, in denen gemeinsam mit dem Lehrer besprochen wird, welche Hindernisse oder Erfahrungen beim Meditieren auftreten können. Hier werden auch verschiedene Meditationstechniken vermittelt, die unter anderem Vipassana, Achtsamkeitsmeditationen, Kontemplationen, Metta-Meditation als Möglichkeit Liebe und Mitgefühl zu entwickeln als auch Vertiefungsmeditationen (Samatha oder Samadhi-Meditationen). Auch Rezitationen gehören zum Bestandteil buddhistischen Religionsunterrichts.

Als Lehrinhalte gilt es selbstständiges Denken, Toleranz und Friedfertigkeit zu vermitteln. Buddhistische Ethik, Philosophie und Meditation sind die Säulen, auf denen der Unterricht aufbaut. Gelehrte Inhalte sollen bezogen auf das eigene Leben erkannt und angewandt werden können. Dazu gehören Wahrnehmungsspiele, die die Achtsamkeit fördern helfen und einführende Übungen zur Sitz- und Gehmeditation. Außerdem werden buddhistische Feste gemeinsam gefeiert, um Riten und Symbole kennen zu lernen.

Organisatorische Besonderheiten

Da buddhistisch orientierte Kinder und Jugendliche nach wie vor eine deutliche Minderheit an den Schulen darstellen, findet der Unterricht oftmals außerhalb der Schule statt. In Wien ist dies beispielsweise das Buddhistische Zentrum am Fleischmarkt, das als Unterrichtsort fungiert. Außerdem ist eine weitere Besonderheit, dass SchülerInnen verschiedener Schulstufen zusammengefasst werden. Das hat eine besonders heterogene Gruppe zur Folge, die durch ein respektvolles und achtsames Miteinander jedem einzelnen ermöglicht, von den anderen zu lernen und sich untereinander auszutauschen.

Wie in jeglicher Religion hat die Ethik auch in der buddhistischen Religion einen hohen Stellenwert. Wesentlicher Unterschied zwischen dem römisch-katholischen und dem buddhistischen Unterricht ist wohl das Zusammenlegen unterschiedlicher Schulklassen und gegebenenfalls das Auslagern des Unterrichts an Zweiteinrichtungen. Die Schulung von Achtsamkeit und Meditation fördert einen achtsamen Umgang untereinander und die zunehmende Fähigkeit der Bewusstheit und Selbstreflexion.

Quellen:

Buddhistischer Religionsunterricht in Österreich

Buddhistischer Religionsunterricht in Österreich

Buddhistischer Lehrplan

Stenek, Sonja Eliane: Vipassana-Meditation - Ankommen im Jetzt