Bürgerarbeit – Chance für langzeitarbeitslose Hartz IV-Empfänger?

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Arbeitsministerin von der Leyen will, dass jeder eine Chance bekommt. Für besonders schwer Vermittelbare soll nun die Bürgerarbeit ausgebaut werden.

Ursula von der Leyen hat schon kurz nach Antritt ihres neuen Amtes angekündigt, jeder Arbeitslose erhalte eine Chance. Am 31. Mai 2010 konkretisiert sie in einem Interview ihre Pläne. Besonders schwer Vermittelbare sollen gemeinnützige Bürgerarbeit leisten und damit den Weg zurück in eine reguläre Beschäftigung finden. Zielgruppe sind besonders schwer vermittelbare, langzeitarbeitslose Hartz IV-Empfänger.

Was ist Bürgerarbeit?

Bereits im Bundessozialhilfegesetz (BSHG) gab es die Paragrafen 19.2 (Gelegenheit zu gemeinnütziger und zusätzlicher Arbeit schaffen) und 20 (Schaffung von besonderen Arbeitsgelegenheiten). Beides war eine Mehraufwandsvariante. Die Betroffenen erhielten zusätzlich zu ihren Regelleistungen eine Entschädigung für Mehraufwendungen.

Bei Hartz IV nennt sich das, wenig elegant, Ein-Euro-Job oder Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung. Zusätzlich zu Hartz IV gibt es für jede geleistete Arbeitsstunde einen Betrag, der je nach Bundesland zwischen einem und 1.5 Euro schwankt. Nun soll es also Bürgerarbeit heißen. Einige wichtige Neuerungen hat man dabei aber wohl vorgesehen. Die Art der Vergütung ist eine davon.

Chancen der Bürgerarbeit

Viele Langzeitarbeitslose haben so gut wie keine Chance mehr auf dem regulären Arbeitsmarkt. Die Gründe dafür sind vielfältig, etliche davon allerdings in der im Fachjargon so genannten „Arbeitsentwöhnung“ zu suchen und auf schlechten Erfahrungen, die Arbeitgeber mit ehemals Langzeitarbeitslosen womöglich gemacht haben. Auch Mismatch, wenn also die vielleicht veralteten Qualifikationen der Arbeitslosen nicht mehr zu den aktuellen Anforderungen am Arbeitsmarkt passen, wird häufig genannt.

Bürgerarbeit setzt an diesen zwei Punkten an. Langzeitarbeitslose werden wieder an einen geregelten Tagesablauf herangeführt, sie sollen sich in Teamarbeit und Einfügung in die Hierarchie beweisen können und haben die Chance, sich neu im Job qualifizieren zu können.

Risiken der Bürgerarbeit

Bürgerarbeit soll immer gemeinnützig und zusätzlich sein, damit keine regulären Arbeitsplätze vernichtet werden. Dieses Kriterium ist nicht immer einfach zu erfüllen. Wer legt fest, welche Parks mit städtischen Mitarbeitern gesäubert werden und welche mit Bürgerarbeitern? Entsprechen diese Stellen aber den Kriterien, besteht keine Übernahmechance für die Beschäftigten. Denn eine nicht reguläre Stelle gibt es ja nicht und daher kann niemand dort übernommen werden. Das Risiko besteht also darin, nach der Beschäftigungszeit wiederum arbeitslos zu sein, wenn nicht die Zeit genutzt wird, andere Alternativen aufzutun. Ist ein Bewerber in Arbeit, hat er einfach bessere Chancen als aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Bürgerarbeit – das ist neu

Laut einem Bericht der BILD-Zeitung soll die Bürgerarbeit auf drei Jahre beschränkt sein. Das ist gut, denn momentan enden Ein-Euro-Jobs in der Regel nach sechs Monaten. Das ist nicht Fisch, nicht Fleisch. Ein halbes Jahr gibt weder den Betroffenen wirklich eine Chance, noch bietet sie die Möglichkeit, begleitende Maßnahmen, wie Bewerbungscoaching, zu installieren. Ferner wird ein fester Arbeitslohn bezahlt, und die Beschäftigten erwerben, anders als beim Ein-Euro-Job, Ansprüche an die Rentenversicherung. Ein genaueres Konzept liegt seit August 2010 vor.

Bürgerarbeit – für wen?

„Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) verfolgt die Absicht, einen möglichst hohen Anteil der arbeitslosen erwerbsfähigen Hilfebedürftigen durch qualitativ gute und konsequente Aktivierung in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren und nur die arbeitslosen erwerbsfähigen Hilfebedürftigen in "Bürgerarbeit" zu vermitteln, bei denen eine Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt nicht möglich ist.“ (Quelle: BMAS)

Es wäre natürlich einem Großteil der Bürgerarbeiter zu wünschen, dass sie möglichst schnell, aus der Bürgerarbeit heraus, sich erfolgreich bewerben.

Erfahrungen mit der Bürgerarbeit

Gute Erfahrungen mit der Bürgerarbeit und dem Ansatz Work First hat man bereits in anderen europäischen Ländern, wie Holland und Dänemark, sowie den USA gemacht. Dort sprechen die Verantwortlichen allerdings auch von einem „Wertewandel“ ihrer Klientel. Es muss beim Bezug von Transferleistungen wie Sozialhilfe und Hartz IV nämlich vorrangig um den Wunsch gehen, schnellstmöglich wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. Nur so, sagen auch deutsche Experten, klappe es.

Quellen: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Washington Work First, Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung: Aktivierende Arbeitsmarktpolitik im internationalen Vergleich

Cora Haertl, Cora Haertl

Cora Haertl - Cora Haertl ist Autorin, Betriebswirtin und Dozentin in der Erwachsenenbildung. Sie schreibt zu den Themen Wirtschaft & Beruf, ...

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