Angekündigt war sie schon, jetzt bekommt der Plan zur Bürgerarbeit Konturen. "Wer arbeiten will, findet auch etwas“ oder „Es gibt einfach zu wenig Arbeitsplätze“, so lauten zwei der gegensätzlichen Parolen, die stets dann ausgesprochen werden, wenn es um Langzeitarbeitslosigkeit geht. So einfach scheint das in Deutschland aber alles nicht zu sein.

Wie es zur Bürgerarbeit kam

Der Prozentsatz der langzeitarbeitslosen Empfänger von Transferleistungen wie früher Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe und heute Hartz IV, hat sich nicht verringert. Mit immer neuen Projekten und Programmen versucht das zuständige Arbeitsministerium und sein Verwaltungsorgan, die Arbeitsagentur, dem Problem Herr zu werden und die Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Während andere europäische Länder, besonders Skandinavien und Holland, schon wesentlich weiter sind, doktort man hierzulande seit Jahren, wenn nicht schon Jahrzehnten, an einer vernünftigen Lösung herum. Jetzt soll die Bürgerarbeit einen Schritt voranbringen.

Warum viele Langzeitarbeitslose keinen Job finden

Für die Betroffenen ist es oft ganz einfach: Es gäbe, so die gängige Aussage, einfach nicht genügend Arbeitsplätze. Dem widersprechen nicht nur Arbeitgeber, sondern auch die aktuell wieder anziehende Konjunkturlage und eine aktuelle Umfrage des Magazins Wirtschaftswoche bei Mittelständlern. Jeder dritte Betrieb konnte freie Stellen nicht besetzen, acht Prozent gaben gar an, sie hätten Aufträge ablehnen müssen, weil geeignetes, qualifiziertes Personal fehle. Warum nicht einen der vielen Arbeitslosen einstellen? Viele Firmenchefs sind durchaus dazu bereit, aber Arbeitgeber beklagen auch das oft unmotivierte Auftreten von Bewerbern, das sich sowohl durch schlampige Unterlagen oder unpassendes Benehmen im Vorstellungsgespräch zeige. Gerade kleinere Betriebe können und wollen es sich nicht leisten, Leute einzustellen, die den Anschluss verloren haben. Das kann fachliche Hintergründe haben, aber eben auch in der Persönlichkeit des Bewerbers liegen. Und Großbetriebe erhalten auch unaufgefordert viele motivierte Bewerbungen und können auswählen.

Vorurteile auf beiden Seiten

Weil man weder angeblich oder tatsächlich unmotivierte Arbeitslose noch angeblich ignorante und ausbeuterische Arbeitgeber über einen Kamm scheren kann, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Das macht die Sache schwierig, weil jeder Einzelfall individuell betrachtet wird. Gerade denjenigen Menschen, die schon lange arbeitslos sind, wird viel Aufmerksamkeit geschenkt. „Diese 20 Prozent der Langzeitarbeitslosen machen 70 Prozent unserer Arbeit aus“, so Frank-Jürgen Weise, der Chef der Bundesagentur, in einem aktuellen Interview zur Bürgerarbeit. Langzeitarbeitslosigkeit ist also ein Milliardengrab, wenn man nicht praktikable Konzepte dagegen findet.

Bürgerarbeit als letzte Chance – das Stufenkonzept

Das Projekt läuft in drei Stufen ab. Vor einem Angebot zur Bürgerarbeit sollen noch einmal alle Anstrengungen unternommen werden, um die Betreffenden in reguläre Arbeit zu vermitteln. Mittels eines so genannten Profiling werden die Fähigkeiten ermittelt, gegebenenfalls bietet man Qualifizierungsmaßnahmen an. Greift das nicht, ist jemand auch danach nicht vermittelbar, wird Bürgerarbeit angeboten.

Kritik am Konzept

Fragen muss man sich aber schon, ob das nicht in den vergangenen Jahren alles, teilweise mehrfach, geschehen ist. Viele Arbeitslose beklagen die Flut an Maßnahmen, die meist kurzfristig angesetzt waren und deren Wirkung danach auch schnell wieder verpuffte. Da entsteht bei den Betreffenden durchaus der Eindruck, die Bundesagentur habe nicht zu wenig, sondern zu wenig koordiniert und zielgerichtet gearbeitet. Verständlich, dass viele Betroffene jetzt vielleicht schwer zu motivieren sein dürften. Dennoch, für viele scheint es buchstäblich die letzte Chance.

Was Bürgerarbeit bewirken soll

Das Konzept sieht auf der anderen Seite aber auch nicht vor, einfach jeden Langzeitarbeitslosen zum „Laub kehren im Park“ zu „verdonnern“, wie es manche Kritiker auffassen. Vielmehr ist es die letzte Chance für viele, die sonst keinen Weg mehr in das Erwerbsleben finden werden. Bürgerarbeit soll jedem, der arbeiten möchte, die Möglichkeit geben, etwas Sinnvolles zu tun, sich aus einer Arbeitsstelle heraus zu bewerben, sich über diese Arbeit zu qualifizieren und Geld zu verdienen. Auch wenn es nicht gerade viel erscheint – die Entlohnung wird aus Steuermitteln bezahlt, es handelt sich nicht um wirtschaftliche Arbeitsplätze, das muss man berücksichtigen. Am nächsten kommt diese Variante von Arbeitsstellen wohl den früheren Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM).

Wie Bürgerarbeit aussieht

Man will bis zu drei Jahre feste, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mit 30 Stunden pro Woche schaffen. Die Entlohnung beträgt 900 Euro im Monat. Die Arbeitsplätze werden im gemeinnützigen Bereich angesiedelt sein, beispielsweise bei Sportvereinen, gemeinnützigen Betrieben, in der Altenbetreuung. Wer mit dem Verdienst seinen Grundbedarf nicht decken kann, erhält aufstockende Leistungen.

Sanktionen, wenn Bürgerarbeit nicht angenommen wird

Wer ein Angebot nicht annimmt, muss mit Sanktionen rechen. Die reichen von 30 Prozent bis zur totalen Streichung des Regelsatzes, wie bisher auch. Unterkunftskosten und die Regelsätze für Familienangehörige sind nicht betroffen.