Bullshit oder Nobelpreis?: Der Bla-Bla-Meter sagt es

Wenn Buchstaben einen Sinn geben sollen - Gerd Altmann/Pixelio
Wenn Buchstaben einen Sinn geben sollen - Gerd Altmann/Pixelio
Schlechter Schreibstil macht vor Journalisten und Autoren aus Wirtschaft, Justiz, Wissenschaft und Wirtschaft nicht halt. Wie gut ist deren Stil wirklich?

Der „BlaBlaMeter“ ist ein privates web-Angebot des Administrators und Entwicklers Bernd Wurm. Hier können deutschsprachige Texte auf ihren stilistischen Wert hin überprüft werden. Welche Kriterien dabei angewandt werden, ist nicht ersichtlich. Auch besitzt ein Index zwischen 0=Topqualität und 1=Bullshit nur wenig Aussagekraft, aber Spaß macht das Auffinden von Texten mit viel Worten und wenig Inhalt auf jeden Fall. Und alle Autoren mögen es tröstlich finden, dass der „Bla-Bla-Meter“ nichts über den Inhalt des Artikels und dessen Überzeugungskraft aussagen kann. Bullshit zu finden, ist unterhaltsam, vorausgesetzt, es ist nicht der eigene Artikel, Aufsatz oder die eigene Pressemitteilung.

Guter Stil ist schwierig

Wer sich auf alle Regeln der Stilkunde einlassen will, wird, wenn er nicht schreibender Vollprofi ist, Schwierigkeiten haben, die gewünschten Feinheiten in seinem Artikel unterzubringen. Denkbar ist auch, dass der Inhalt der Beachtung aller Regeln der Stilkunde zum Opfer fällt.

„Deutsch fürs Leben“ von Wolf Schneider ist 2007 bereits in der 17. Auflage erschienen. Der meistgelesene Stillehrer deutscher Sprache, Journalisten-Ausbilder und Träger des Medienpreises für Sprachkultur der Gesellschaft für deutsche Sprache hat in dieser „Bibel der Journalisten“ 50 verschiedene Stilregeln aufgestellt. Die 1943 erschienene „Deutsche Stilkunst“ von Ludwig Reiners, ein Freund von Eugen Roth mit seinen feinsinnigen Geschichten und Sentenzen, hatte gar 60 Regeln, Ratschläge und sogar Verbote parat.

Der Bla-Bla-Meter gegen aufgeblähte Sprache und Worthülsen

Leichter aber als diese Stilkunst zu verstehen und einzuhalten ist die Anwendung des „Bla-Bla-Meters“. Ein hochwertiger journalistischer Text soll zwischen 0,1 und maximal 0,3. liegen. Ein Text darüber tendiert in Richtung „Bullshit“. Nach Ansicht des „Erfinders“ Bernd Wurm sind gerade Medienvertreter und Presseabteilungen besonders anfällig für das „Phrasendreschen“.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb am 14./15 Januar über Nancy Mitfords Nazisatire: „Die Szene in der Psychiatrie, eigentlich nur ein Seitenstrang der Geschichte, spiegelt die ambivalente Haltung der Autorin wider. Dass sie als Spitze gegen das britische Parlament gelesen wird, ist durchaus gewollt, denn hier schreibt keine geradlinige Demokratin. Die Autorin war in deren Frühphase sogar kurzzeitig Mitglied der faschistischen Partei. Das hatte vor allem familiäre Gründe, ihre Schwester Diana war glühende Anhängerin, Geliebte und später Ehefrau des BUF-Anführers Oswald Mosley, schreibt die Journalistin Charlotte Mosley in ihrem Nachwort.“ (Guter Bullshit-Index 0,18).

Zwei willkürliche Beispiele für aufgeblähte Sprache

Das Ernährungsministerium gab am 18. Januar eine Pressemitteilung zur „Zukunftsstrategie für lebenswerte ländliche Räume“ heraus. Nach Prüfung meinte der „BlaBla-Meter“: „Ihr Text signalisiert deutlich: Sie wollen etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Es wirkt unwahrscheinlich, dass damit auch eine klare Aussage verbunden ist - und wenn ja: wer soll das verstehen?“ und versah den Artikel mit einem Bullshit-Indexwert von 0,55.

Das Bundesfinanzministerium gab am 12. Januar eine Pressemeldung mit dem nur schwer verständlichen Titel „Neues Produktinformationsblatt zur geförderten kapitalgedeckten Altersvorsorge: Übergabe des Forschungsberichts „Ausgestaltung eines Produktinformationsblatts für zertifizierte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge“ heraus. Der dazugehörige Text bekam den Bullshit-Index 0,75 und die Bemerkung „Es stinkt gewaltig nach heißer Luft! Auch wenn Sie PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sind - beim Eindruck Schinden sollten Sie Ihre Aussage nicht vergessen.“

Quelle: Bla-Bla-Meter.de

Dieter Helmut, Dieter Helmut

Dieter Helmut - Dieter Helmut ist Jurist im Ruhestand und schreibt seit Dezember 2010 für suite101. Seine Themenschwerpunkte sind aktuelle ...

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