
- Die Fahnen - Schwehn
Es war kein Zufall, dass die beiden Staatsoberhäupter, Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano und Bundespräsident Christian Wulff, Anfang Juli 2011 die Villa Vigoni am Comer See besuchten. Sie diskutierten dort mit rund 30 jungen Wissenschaftlern und Nachwuchs-Führungskräften der Wirtschaft über aktuelle europäische Fragen und Probleme. Und sie befanden sich dort, in dem zu Menaggio gehörenden Örtchen Loveno oberhalb des Sees an einem Ort, der von europäischem Geist geprägt ist. Die Villa Vigoni ist nämlich seit einem Vierteljahrhundert das „Deutsch-italienische Zentrum für Europäische Intelligenz“; eine Stiftung, getragen von der Bundesrepublik Deutschland.
Heinrich Mylius aus Frankfurt siedelte sich hier an
Den Grundstein für dieses Zentrum hatten vor exakt 25 Jahren die beiden damaligen Außenminister Giulio Andreotti und Hans-Dietrich Genscher gelegt. Sie unterzeichneten den Vertrag zur Gründung der „Villa Vigoni“, wie die Stiftung weithin genannt wird. Und sie erfüllten damit zugleich ein Erbe. Ein aus Frankfurt stammender Unternehmer, Heinrich Mylius, hatte den Landsitz in Loveno, das seinerzeit noch eine eigenständige Gemeinde war, im Jahr 1829 erworben, nachdem er Ende des 18. Jahrhunderts aus geschäftlichen Gründen nach Mailand gekommen war. Dank intensiver Kontakte zur Welt der Kultur – unter anderem zu Goethe und Manzoni – brachte er einen ständigen Dialog zwischen Frankfurt und Mailand in Gang. Der Kunst- und Literaturliebhaber stattete die Villa mit wertvollen Statuen, Skulpturen und Gemälden aus, er legte sich eine bedeutende Bibliothek zu. Das alles gibt noch heute Zeugnis ab von jener Zeit.
Vertrag von Genscher und Andreotti unterzeichnet
In der Erinnerung an jene Zeiten, an den regen kulturellen Austausch zwischen Frankfurt, Weimar und Mailand, hatte der im Jahr 1983 gestorbene letzte Erbe der Familie Mylius-Vigoni den gesamten Besitz testamentarisch der Bundesrepublik Deutschland vermacht mit der Auflage, die Liegenschaft zu einem Ort für die Pflege der deutsch-italienischen Beziehungen auszubauen. In dem Vertrag, den Andreotti und Genscher drei Jahre später unterzeichneten, heißt die Aufgabe wörtlich: „die deutsch-italienischen Beziehungen in den Gebieten der Wissenschaft, der Bildung und der Kultur unter Einbeziehung ihrer Verknüpfungen mit Wirtschaft, Gesellschaft und Politik durch Studienaufenthalte, Kolloquien, Gesprächsrunden, Sommerakademien und künstlerische Veranstaltungen zu fördern“.
Pflege des wissenschaftlichen Nachwuchses
Das Deutsch-italienische Zentrum Villa Vigoni empfängt mittlerweile jährlich insgesamt rund 2.000 Tagungsgäste in 60 bis 70 Veranstaltungen. Der Dialog beschränkt sich inzwischen nicht allein auf Deutschland und Italien, sondern bezieht immer häufiger auch inner- und außereuropäische Staaten mit ein. Zahlreiche Veranstaltungen, wie etwa Doktorantenkolloquien oder `Summer Schools`, richten sich explizit an den wissenschaftlichen Nachwuchs. Schon einmal, im Jahr 2002, waren die Staatsoberhäupter von Italien und Deutschland hier zu Gast: Johannes Rau und Carlo Azeglio Ciampi besuchten seinerzeit ein deutsch-italienisches Journalistentreffen, dessen thematischer Mittelpunkt Fragen nach der Zukunft Europas waren.
Weiterführende Informationen: Villa Vigoni
