
- Joachim Gauck - Bundespräsidenten-Kandidat - www.joachim-gauck.de
Nach Horst Köhlers überraschendem Rücktritt* muss das Amt des Bundespräsidenten neu besetzt werden. Der 30. Juni 2010 ist der Tag der Wahl. Thomas Baumann und Ulrich Deppendorf fragten Joachim Gauck am 11. Juni bei "Farbe bekennen" in der ARD nach seinen Ansichten und Schwerpunkten.
Joachim Gauck – Kandidat für das Amt des 10. Bundespräsidenten
Joachim Gauck, Theologe, DDR-Bürgerrechtler und ehemaliger Chef der Bundesbehörde für die Stasiunterlagen, ist 70 Jahre alt. Damit ist er in einem Alter, in dem viele sich ruhigen Gewissens schon lange zur Ruhe gesetzt haben. Nicht so Gauck.
Noch im März dieses Jahres hatte sich Gauck auf der Leipziger Buchmesse dahingehend geäußert, dass Deutschland arm dran sei, wenn es 70-jährige für wichtige Posten reaktivieren müsse. Doch er sei durchaus eitel, gibt Joachim Gauck zu, "aber weniger als früher". Er hätte auch kandidiert, wenn Angela Merkel ihn darum gebeten hätte.
Was hält Gauck von einer Direktwahl des Bundespräsidenten durch das Volk?
Festlegen wollte sich Gauck bei dieser Frage nicht, könne sich eine Direktwahl aber prinzipiell vorstellen. Er würde zunächst einmal mit Fachleuten, Verfassungsrechtlern, Politikern und dem Volk reden.
Sollte der Bundespräsident mehr Macht haben?
Mehr Macht für den Bundespräsidenten hielte Gauck für problematisch. "Wir hätten dann eine Ersatz- oder Doppelregierung", so Gauck, was nicht sinnvoll sein könne.
Was hält er davon, Kandidat der SPD und Grünen zu sein?
Es wäre ihm lieber gewesen, nicht gegen CDU und FDP zur Wahl aufgestellt worden zu sein. Im liberalen Lager habe er sehr viele Freunde und Unterstützer. Besser wäre es gewesen, wäre er von einem breiteren Parteienbündnis vorgeschlagen worden.
Liberal, konservativ und links: Joachim Gauck
Gauck stellt sich nicht klar auf die Seite einer Partei. Freiheit und Menschenrechte seien wichtige Werte für ihn. Außerdem sei er wertkonservativ geprägt und christlich. Für ihn passe das durchaus zusammen. Die Reichen zu besteuern, befürwortet Gauck, wenn auch nicht mit solch klaren Worten. Wir müssen sparen, sagte er, aber besser sollten diejenigen sparen, die es nicht spüren.
Joachims Gaucks Leitidee seiner Kandidatur
Freiheit, die Freiheit der Erwachsenen, ist Gaucks Leitidee, und das bedeute Verantwortung. Bildung und eine solidarische Gesellschaft seien notwendig, als Gegensatz zum reinen Fürsorgestaat.
Was war die DDR für Gauck im Vergleich zu Nazideutschland?
Die DDR war ganz klar ein Unrechtsstaat, so Gauck, aber nicht so totalitär wie der Nazionalsozialismus: "In Deutschland musste ich lernen, in diesem Land noch sein zu wollen." Im Nazi-Deutschland sei er "tief heimatlos" gewesen. Nach Auschwitz noch an Gott zu glauben, sei schwer gewesen.
Gnade vor Recht für Stasi-Täter?
Die Menschen, die schuldig gewesen sind, müssten die Wahrheit sagen. Es fehlt an einfachen Worten wie "Es tut mir Leid", "Kannst du mir vergeben?" Die Schuldigen sollten sich bei den Opfern entschuldigen. Opfer wollten nur nicht angelogen werden. "Die Generosität der Opfer existiert, aber sie wird nicht ohne Wahrheit existieren."
Hält Gauck den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr für gerechtfertigt?
Es gehe in Afghanistan nicht darum, Land zu gewinnen und Leute zu unterdrücken, so Gauck. Die Bundeswehr sei im Auftrag der UNO nach Afghanistan gegangen, um Terrorismus zu bekämpfen und mehr Sicherheit auf der Welt zu schaffen. Die deutschen Soldaten eröffneten den einfachen Menschen dort Lebensmöglichkeiten. Dabei seien die Deutschen solidarisch und nicht übermütig. "Ich kann deshalb diesen Einsatz ertragen."
Deutsche wünschen sich Joachim Gauck als Bundespräsidenten
Nach aktuellen Umfragen möchte eine Mehrheit der Deutschen Joachim Gauck im Amt des Bundespräsidenten sehen. Er liegt deutlich vor seinem Kontrahenten Christian Wulff. Die Chancen der Kandidatin der Linken, Luc Jochimsen, dürften zu vernachlässigen sein.
*Und nun nach Christian Wulffs weniger überraschendem Rücktritt - am 17. Februar 2012.
