Viel Zeit zum Feiern bleibt Joachim "Jogi" Löw nicht an seinem 50. Geburtstag, denn viele Spieler, Freunde und Verwandte lassen das Telefon klingeln. So richtig öffentlich wird aber auch an diesem Tag nicht mit seiner Person umgehen. Stattdessen bleibt er hochkonzentriert auf seine nächste große Aufgabe, denn die Fußball-Weltmeisterschaft ist nur noch vier Monate entfernt und die Baustellen innerhalb der Nationalmannschaft gilt es in den nächsten Wochen und Monaten abzuarbeiten. Aber wer ist dieser Mann eigentlich? Vor seinem Trainerdebüt in der Bundesliga im August 1996 als Notlösung beim VfB Stuttgart kannte den smarten aber immer ernsten Löw kaum jemand. Bis heute gibt er nur spärlich private Daten preis. Geboren ist er in Schönau im malerischen Schwarzwald und wuchs dort bei seinem Eltern zusammen mit seinen drei jüngeren Brüdern auf. Seit fast 25 Jahren ist er mit seiner Frau Daniela verheiratet.
Der Spieler Löw
Als Spieler arbeitete sich Löw vom heimatlichen FC Schönau hinauf zum SC Freiburg in die zweite Bundesliga. Dort machte er rasch auf sich aufmerksam und wechselte zum VfB Stuttgart. In der ersten Liga wehte der Wind aber auch damlas schon etwas heftiger und so kehrte Löw nach kurzer Zeit wieder über den Umweg Eintracht Frankfurt ins Breisgau und damit ins Unterhaus zurück. In seine besten Saison erzielte er in 31 Partien satte 17 Treffer und wechselte 1994 abermals in die höchste Spielklasse zum Karlsruher SC. Nach einer weiteren enttäuschenden Saison kehrte er wieder zurück und wurde in den nächsten vier Spielzeiten zu Freiburgs erfolgreichsten Torjäger.
Der Trainer Löw
Seine Karriere als Spieler ließ Joachim Löw in der Schweiz beim FC Schaffhausen später beim FC Winterthur ausklingen. Bei Letzterem startete er auch seine Trainerlaufbahn, verdient sich die ersten Sporen und erhielt 1995 das Angebot des Vfb Stuttgart als Co-Trainer zu arbeiten. Unter Rolf Fringer reichte es für die Mannschaft nur zum Bundesligadurchschnitt und noch vor Beginn der neuen Saison verabschiedete sich Fringer aus Schwaben. Weil der erste Spieltag nur wenige Tage bevor stand, berief der damalige Präsident des VfB Joachim Löw zur neuen Nummer eins. Aus dem Interimstrainer wurde nach sechs siegreichen Auftaktspielen zur Saison 1996/97 eine Dauerlösung. Löw gewann mit seiner Mannschaft den DFB-Pokal und erreichte in der darauf folgenden Europokalsaison das Endspiel des Wettbewerbs der kontinentalen Pokalsieger. Danach folgten Stationen Fenerbahçe Istanbul, dem Karlsruher SC, Adanaspor (Türkei), dem FC Tirol Innsbruck und Austria Wien. Viel Glück war dem Breisgauer aber bei keiner seiner Arbeitgeber beschiedenen. Mal machte ein Verein Bankrott (Inssbruck), mal wurde er trotz Tabellenführung und hervorragende Titelchancen entlassen (Wien).
Der Bundestrainer Löw
Dann aber kam 2004 der Anruf von Jürgen Klinsmann, der ihn beim Trainerlehrgang 2000 kennen und schätzen gelernt hatte. Schnell wurde man sich einig und zusammen mit Andreas Köpke fungierten sie als Nationaltrainer fortan, unterstützt durch Teammanger Oliver Bierhoff. Das Projekt Weltmeisterschaft 2006 in der Heimat endete wie bekannt mit dem 3. Rang nach der Halbfinalniederlage gegen den späteren Weltmeister Italien. Danach verlängerte Klinsmann seinen auslaufenden Vertrag nicht und Löw übernahm das Amt des Bundestrainers. Seitdem ist er der Chef und Hans-Jürgen Flick unterstützt ihn als Assistent. Zusammen können sie eine stolze Bilanz von 37 Siegen in 45 Spielen, bei gerade einmal 8 Unentschieden und 6 Niederlagen vorweisen. Die bitterste war sicherlich jene im Endspiel der Europameisterschaft 2008 gegen Spanien, aber auch diese Enttäuschung verkraftete die Nationalmannschaft sehr gut, denn die Qualifikation für die anstehende Weltmeisterschaft gelang mühelos.
Engagement auf allen Ebenen
Aber nicht nur auf und um den Fußballplatz beschränkt sich Löws Engagement. So ist er seit 2000 Vizepräsident der Stiftung Jugendfußball, die ein Internetportal für junge Fußballfans betreibt. Darüber hinaus unterstützt die Stiftung ein globales Netzwerk von sozialen Fußballprojekten. Nicht zuletzt aus diesem Grund genießt er beim DFB-Präsidenten Theo Zwanziger hohes Ansehen. Seine gesamte Ausstrahlung hebt sich wohltuend eloquent von anderen ab, unter anderem deswegen, wird ihm aktuell die Vertragsverlängerung bis 2012 angeboten. Am Geburtstag hieß es erstmal abschalten und die Feier genießen. Viel Zeit zum Entspannen bleibt Joachim Löw nicht mehr, denn das Projekt Weltmeisterschaft Südafrika läuft auf Hochtouren.
