
- Anne-Marie Kuster und Christoph Bantzer - Christa Kaddar
Blauer Himmel, der über die dunklen vorbeiziehenden Wolken triumphierte und die fast meditative Stille im Langwerther Hof boten das passende Ambiente für intensive, emotionale Texte, ausdruckstark rezitiert von Christoph Bantzer und Anne-Marie Kuster. Jana Bousková begleitete die Lesung mit einfühlsamen, zarten Harfenklängen. „Guten Morgen, mein Clärchen“, lautete der Titel der musikalisch-literarischen Matinée im Rahmen der Burghofspiele. Die beiden Schauspieler lasen aus den Briefen von Clara und Robert Schumann. Die ausgewählten Texte waren Zeugnisse einer großen und leidenschaftlichen Liebe.
Anne-Marie Kuster las aus den Briefen der jungen Clara Wieck
Schon mit dem ersten vorgetragenen Brief von Robert Schumann zog Christoph Bantzer das Publikum in seinen Bann. Es war ein Brief, den Schumann im Oktober 1855 aus der Nervenheilanstalt an seine geliebte Clara schrieb – Worte voller Sehnsucht und Klarheit, die nicht erkennen ließen, warum dieser Mann in einer geschlossenen Anstalt saß, getrennt von seiner Familie. „So leb denn wohl, liebe getreue Clara, liebe Kinder, und schreibt mir bald.“ Erst am Ende der Matinée wurde wieder erwähnt, dass er in Freiheit offenbar eine Gefahr für sich selbst war. Dazwischen lasen Anne-Marie Kuster und Christoph Bantzer die Briefe der jungen Verliebten, und sie lasen so, dass sie als begnadete Schauspieler ganz in den Rollen von Clara und Robert aufgingen. Sehnsucht, Geheimnistuerei, Resignation, Widerstand, Hoffnung und der Sieg der Liebe wurden spürbar und nachfühlbar.
Jana Bousková spielte auf der Harfe Stücke von Clara und Robert Schumann
Jana Bousková spielte im Wechsel mit den Briefrezitationen virtuos Stücke des Musiker-Paares: „Variationen über ein Thema von Robert Schumann op. 20“, komponiert von Clara Schumann. Von Robert Schumann spielte sie „Sinfonische Etüden Nr. 1 und Nr. 2, op. 13“, „Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120“, „Kinderszenen op. 15“ und „Impromptus über ein Thema von Clara Wieck op. 5“. Die himmlischen Harfenklänge boten jedes Mal ein wenig Erholung von den leidenschaftlichen Worten der beiden Liebenden. Die noch minderjährige Clara und der neun Jahre ältere Robert kämpften um die Zustimmung von Claras Vater zu ihrer Verbindung. Doch der blieb hart. So hart, dass Robert an Clara schrieb: „Er stößt einem das Messer mit dem Griff mitten ins Herz. (…) Er zerstört mich in meiner Kraft. (…) Adieu, meine Clara, ich küsse dich. Tröste mich. Bitte Gott, dass er mich nicht untergehen lässt in meinem Wahnsinn.“ Und Robert hielt bald einen tröstenden Brief in der Hand. „… mit einem Abschiedskuss von deiner Clara, treu bis in das Grab.“ Oder: „Du bist der einzige Mann, den ich so lieben kann, wie ich dich lieben kann, mein lieber, lieber Robert.“ Der Briefwechsel zwischen den beiden Liebenden blieb nicht immer geheim. Manchmal fing der Vater Roberts Briefe ab, und Clara beschrieb in ihren Briefen die Gefühle der Erniedrigung durch solche Erlebnisse. Bei aller Liebe zu ihrem Vater widersetzte sie sich ihm, nachdem sie sah, daß sie ihn nicht umstimmen konnte. Als sie 21 Jahre alt war, im September 1840, heiratete sie ihren geliebten Robert. Die Liebe zueinander, die Liebe zur Musik und die gemeinsame Kompositionsarbeit bestimmten ihr Leben. Das Paar hatte sieben Kinder.
Clara Schumann war ihrem Robert treu bis in das Grab, wie sie es als junge Liebende versprochen hatte
Das Glück fand ein Ende, als Robert Schumann in Depressionen und Wahnvorstellungen verfiel. Obwohl er von Clara und den Kindern zu Hause bewacht wurde, verließ er im Februar 1854 das Haus und versuchte, sich das Leben zu nehmen. Danach wurde er in die Nervenheilanstalt eingewiesen – auf eigenen Wunsch, wie es hieß. „Uns Kindern hatte man gesagt, unser Vater würde in kurzer Zeit wieder gesund“, schrieb Tochter Marie. Robert Schumann starb im Juli 1856, nur 46 Jahre alt, in der Heilanstalt. Seine liebe getreue Clara löste ihr Versprechen aus den Briefen der Jugendzeit ein: „… treu bis in das Grab.“ 40 Jahre nach dem Tod von Robert Schumann wurde sie neben ihm im Ehrengrab auf dem Alten Friedhof in Bonn beigesetzt.
Das Publikum dankte Christoph Bantzer, Anne-Marie Kuster und Jana Bousková mit lang anhaltendem und stürmischem Beifall.
Im Sommer 2010 finden die Burghofspiele zum 25. Mal unter der Leitung von Intendant Bruno M. Brogsitter an verschiedenen Spielstätten in Eltville und im Wiesbadener Kurhaus statt. Die Open-Air-Veranstaltungen sind im Sommer 2009 aus dem Namen gebenden Hof der Kurfürstlichen Burg in den Hof des Weinguts Langwerth von Simmern umgezogen.
