Fast sämtliche Tiergattungen kamen bereits zu Horrorfilm-Ehren: Angefangen bei den üblichen Verdächtigen Haien und Piranhas über Ameisen („Formicula“) und Bienen („Die tödlichen Bienen“) bis hin zu Kaninchen („Night of the Lepus“) drehten Tiere plötzlich den Spieß um und rückten unschuldigen Menschen auf die Pelle. Überraschend rar sind hingegen Filme mit Raubkatzen. Ein Umstand, den sich der Low-Budget-Thriller „Burning Bright – Tödliche Gefahr“ zunutze macht. Dabei eröffnet der von Carlos Brooks inszenierte Streifen eine ungewöhnliche Perspektive: Ein Tiger als Mordwaffe!
Kelly – Allein zu Haus
Das Schicksal meinte es nicht besonders gut mit der 20-jährigen Kelly (Briana Evigan, „Step Up To The Streets“). Ihre geliebte Mutter beging Selbstmord und seither muss sie sich praktisch ganz alleine um ihren an Autismus leidenden Bruder Tom (Charlie Tahan, „I am Legend“) kümmern. Stiefvater Johnny (Garret Dillahunt) ist den beiden keine Stütze, im Gegenteil: Der egomanische Zyniker plündert ungeniert das Konto seiner verblichenen Ehefrau und erwirbt mit dem Geld, das für Kelly und Tom vorgesehen war, einen ehemaligen Zirkustiger. Dieser wurde ausgemustert, nachdem er während einer Vorstellung ein Pferd gerissen und vor den Augen des entsetzen Publikums verspeist hatte.
Angeblich möchte Johnny auf seinem Grundstück ein Wildgehege eröffnen. Doch seine geheimen Pläne sind finsterer Natur. Da ein Hurrican den Landstrich unsicher machen soll, lässt er sämtliche Fenster mit Brettern abdichten, um das Haus vor Schäden zu bewahren. Als Kelly und Tom nichtsahnend zu Bett gehen, befördert ihr Stiefvater den Tigerkäfig zur Eingangstür, jagt das Tier ins Hausinnere und verriegelt sämtliche Türen. Danach fährt er in die Stadt und genehmigt sich ein paar Drinks.
Derweil erwacht Kelly durch verdächtige Geräusche aus der Küche. Was sie wenig später erwartet, lässt ihr fast das Blut in den Adern gefrieren: Ein riesiger, hungriger Tiger streicht durchs komplett abgeriegelte Haus! Zu allem Überfluss ist plötzlich auch noch Tom spurlos verschwunden …
Dramatischer Thriller: „Burning Bright – Tödliche Gefahr“
„Burning Bright – Tödliche Gefahr“ erweist sich nicht als klassischer Thriller, sondern schlägt anfangs dramatische Wege ein. Nach dem Tod ihrer Mutter muss sich Kelly um ihren autistischen Bruder kümmern und ist hin- und hergerissen zwischen aufopfernder Hingabe einerseits und Hass auf Tom andererseits, da sie seinetwegen kein normales Leben führen kann. Des Nachts erwacht sie aus einem verstörenden Traum, in welchem sie Tom mit einem Kissen erstickte. Auch im weiteren Verlauf des Filmes kämpft die junge Frau gegen die verführerische Möglichkeit an, ihren Bruder einfach dem Schicksal zu überlassen und ihre eigene Haut zu retten.
Bereits in diesen Szenen unterscheidet sich „Burning Bright – Tödliche Gefahr“ erheblich vom Gros der Genrekonkurrenz. Denn wenngleich die Ausgangslage dick aufgetragen scheint – Selbstmord der geliebten Mutter, autistischer Bruder, böser Stiefvater – stören diese weder den Erzählfluss des Filmes, noch sorgen sie für allerlei klischeehafte und vorhersehbare Handlungsstränge.
Als einziger Schwachpunkt erweist sich die Figur des von Garret Dillahunt geradlinig verkörperten Stiefvaters. Seine eindimensionale Bösartigkeit rüttelt mitunter an den Nerven des Zuschauers. Eine sorgfältigere Charakterisierung hätte der Figur zumindest einen Hauch von Glaubwürdigkeit verleihen können. Leider gerät Dillahunt über die Darstellung eines durch und durch skrupellosen Menschen ohne Gewissen nicht hinaus, wodurch die (wenigen) Szenen mit ihm im Zentrum des Geschehens an Eindringlichkeit verlieren.
Starke Briana Evigan
Dass der Film über die gesamte Lauflänge zu überzeugen vermag, ist zu einem beträchtlichen Teil Verdienst von Briana Evigan. Die 2008 durch den Tanzfilm „Step Up To The Streets“ bekannt gewordene Schauspielerin haucht der Protagonistin glaubwürdig Leben ein und besticht durch ihre Ausstrahlung und Natürlichkeit. Vom aus vielen Thrillern und Horrorfilmen gewohnten „hilflosen Püppchen“ ist Briana Evigan meilenweit entfernt. Ihr könnte tatsächlich eine große Hollywood-Zukunft bevorstehen.
Eine undankbare Rolle muss Charlie Tahan („I am Legend“) ausfüllen, der den autistischen Tom spielt. Seine Figur verfügt über keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten und erweist sich sogar als hinderlich für das Überleben seiner älteren Schwester. Dennoch erfüllt er seine Rolle mit Bravour.
Kein Papiertiger!
Der animalische Antagonist des Filmes wird von insgesamt drei Tigern verkörpert. Wohl auch auf Grund des geringen Budgets wurde auf den Einsatz aufwändiger Computeranimationen verzichtet, was zu überaus authentischen Szenen und schweißtreibender Spannung führt. Wie realistisch es ist, den Angriff eines hungrigen Tigers auf begrenztem Raum zu überleben, sei dahingestellt. „Burning Bright – Tödliche Gefahr“ erweckt jedoch stets einen glaubhaften Eindruck und verlässt dieses Konzept bis zum Schluss nicht.
Geheimtipp „Burning Bright – Tödliche Gefahr“
Regisseur Carlos Brooks ist mit „Burning Bright – Tödliche Gefahr“ ein fast rundum gelungener Film geglückt, der weder mit Spezialeffekten, noch mit berühmten Stars, sondern mit einer durchdachten, konsequent umgesetzten Story glänzt. Die wenigen Schwächen werden durch die Stärken mehr als nur aufgewogen, weshalb man diese hochinteressante Mischung aus Drama und Thriller unbedingt empfehlen kann.
Der Filmtitel leitet sich übrigens von William Blakes Gedicht „The Tyger“ ab.
Originaltitel: „Burning Bright“
Regie: Carlos Brooks
Produktionsland und -jahr: USA, 2009
Filmlänge: ca. 94 Minuten
Verleih: Sony Pictures Home Entertainment
FSK: Ab 16 Jahren
Veröffentlichung auf DVD: 13. Januar 2011
