Der Kern der Burning Hearts sind Jessika Rapo und Henry Ojala. Einige werden Jessika Rapo als Sängerin der Band Le Futur Pompiste kennen und Henry Ojala als Gitarrist und Keyboarder der wunderbaren Cats On Fire. Als Burning Hearts nahmen die beiden 2009 ihr Debüt „Aboa Sleeping“ auf, das auf dem US Label Shelflife erschien. Daraufhin spielten sie ihre ersten Live-Shows, die sie nach Stockholm, New York, Berlin und Hamburg führten. In den folgenden Jahren veröffentlichten sie zwei Singles und eine EP, um nun ihr zweites Album vorzustellen.

Brennende Herzen und ausgestorbene Tierarten

Extinctions heißt ins Deutsche übersetzt Ausrottungen oder Aussterben. Der Begriff stellt einen direkten Bezug zum Coverartwork (von Kea und Emil Bertell) her, wo ausgestorbene Tierarten abgebildet sind. Folgerichtig handeln die zum Teil dunklen Texte von Tieren und Natur, was sich in Songtiteln wie „Into The Wilderness“, „The Swallows“, „The Beast“ oder „Deep Waters“ ausdrückt.

Extinctions: Die Songs

Lauscht man den ersten Takten von „Extinctions“ fließt sofort die klare Stimme von Jessika Ropa ins Ohr. Dazu strömen Keyboards, hallen Stromgitarren, murmelt ein Bass und pocht ein Schlagzeug. „On The Last Day Of The Decade“ nennt sich der Opener, dem das melodiöse „Into the Wilderness“ folgt. Wer die 1980er erlebt oder die besseren Sachen des viel geschmähten Jahrzehnts kennen gelernt hat, wird der Name Felt einfallen und anhand der weiblichen Stimme auf die Cocteau Twins kommen. Deren dunkle Grundausrichtung schwingt auf „Modern Times“ mit, während „Love And Dissonance“ helle Synthiesounds auf dunkle Shoegazer-Giatrren treffen lässt, darüber phrasiert Jessika Ropa als hätte man die Stimmen von Alison Statton (Young Marble Giants), Harriet Wheeler (The Sundays) und Katie Sketch (The Organ) zusammen gemixt.

Cinematic-Pop

Je öfter die Songs aus den Boxen schallen, desto mehr verblassen die Vergleiche und man gibt sich den Klängen von z.B. „The Swallows“ hin, die zum Tänzeln oder Mitschwingen verführen. „Burn Burn Burn“ bündelt nochmals den ganzen Charme der Jessika Ropa, die jetzt schon den Titel „Indie-Pop-Voice of 2012“ verdient hat. Allerdings sollte der Multiinstrumentalist Henry Ojala nicht vergessen werden, der mit musikalischen Feinheiten den Songs das Sahnehäubchen aufsetzt. Wie er auf „Trade Winds“ die Gitarren sanft hallen und dazu Keyboards schwirren und schwärmen lässt, ist erste Indie-Pop-Liga. Dem schließt sich „The Beast“ nahtlos an, strahlt im Gitarren- und Keyboardmeer, mittendrin Jessikas verträumte Engelsstimme, die auch in den „Deep Waters“ nicht untergeht, im Gegenteil, sie schallt im lichten Dunkel des musikalischen Stroms, woran auch David Lynch seine Soundtrack-Freude hätte. Also doch: Cinematic-Pop!

„Extinctions“ von den Burning Hearts geht runter wie Öl, wie flüssiges dunkles Gold. Vergessen sie die Einzelteile Electro, Folk, Sixties-, Eighties-, Shoegazer- und Anorak-Pop. Als großes Ganzes wahrgenommen ist das der POP von 2012!

Burning Hearts – Extinctions (Bone Voyage Recordings / Cargo, 2012)