Burnout ist seit geraumer Zeit in aller Munde. Gerade im beruflichen Kontext wird immer wieder vor einem sogenannten „Ausbrennen“ gewarnt. Das Wort „Burnout“ ist kein Fachbegriff, sondern der Alltagssprache entnommen. Eine einheitliche wissenschaftliche Definition des Begriffs gibt es nicht. Der internationale Diagnoseschlüssel zur Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) beschreibt Burnout als einen „Zustand der totalen Erschöpfung“. „Burnout“ ist ein Sammelbegriff für verschiedene Symptome, die der Ausdruck einer körperlichen, seelischen und geistigen Erschöpfung sind, die infolge gefühlsmäßiger Überlastungen eingetreten sind. Bei den verschiedenen Definitionen handelt es sich einzig um Zustandsbeschreibungen. Wie Burnout beginnt ist wissenschaftlich nicht hinreichend belegt. Der Beginn der Symptomatik wird darum mithilfe unterschiedlicher Modelle erklärt, die jedoch fast alle denselben Ausgangspunkt haben: unrealistische Erwartungen des Betroffenen.

Symptome

Es existieren verschiedene Phasenmodelle. Je nach Phase treten beim Betroffenen unterschiedliche Symptome auf. Burisch (2006) hat ein differenziertes Gesamtbild des Phasenverlaufes erstellt:

1. Phase: Warnsymptome der Anfangsphase

- Hyperaktivität

- Gefühl, nie Zeit zu haben

- Gefühl, unentbehrlich zu sein

- Verleugnung eigener Bedürfnisse

- Verdrängung von Missgeschicken und Fehlern

- Chronische Müdigkeit

- Energiemangel

2. Phase: Reduziertes Engagement

- Desillusionierung

- Verlust positiver Gefühle

- Aufmerksamkeitsstörungen

- Schuldzuweisungen

- Verlust von Empathie

- Verständnislosigkeit

- Zynismus

- Fluchtphantasien

- Alpträume

- Fehlzeiten

- Gefühl mangelnder Anerkennung

- Gefühl, ausgebeutet zu werden

- Eifersucht

- Partnerprobleme

3. Phase: Emotionale Reaktionen

- Depressionen

- Schuldgefühle

- Selbstmitleid

- Angst

- Nervosität

- Ruhelosigkeit

- Ohnmachtsgefühle

- Pessimismus

- Apathie/Suizidgedanken

- Bitterkeit

- Intoleranz

- Launenhaftigkeit

4. Phase: Abbau

- Konzentrations- und Gedächtnisschwäche

- Ungenauigkeit

- Unfähigkeit zu komplexen Aufgaben

- Desorganisation

- Entscheidungsunfähigkeit

- Rigides Schwarz-Weiß-Denken

- Widerstand gegen Veränderungen

5. Phase: Verflachung

- Gleichgültigkeit

- Teilnahmelosigkeit

- Eigenbröteleien

- Einsamkeit

- Langeweile

- Aufgabe von Hobbies

- Meidung informeller Kontakte

- Suche nach interessanten Kontakten

6. Phase: Psychosomatische Reaktionen

- Schwaches Immunsystem

- Schlafstörungen

- Alpträume

- Sexuelle Probleme

- Unfähigkeit zur Entspannung

- Herzklopfen

- Engegefühl in Brust

- Atembeschwerden

- Rückenschmerzen

- Kopfschmerzen

- Muskelverspannungen

- Übelkeit

- Magen- und Darmprobleme

- Gewichtsveränderungen

- Mehr Alkohol/Tabak/Kaffee/andere Drogen

- Erhöhter Blutdruck

7. Phase: Verzweiflung

- Hoffnungslosigkeit

- Gefühl der Sinnlosigkeit

- Existenzielle Verzweiflung

- Selbstmordabsichten

Insgesamt wurden mehr als 130 Symptome festgestellt. Diese treten nicht alle gleichzeitig auf, sondern unterscheiden sich sehr stark von Einzelfall zu Einzelfall. Aufgrund der Ungenauigkeit der Symptome, ist es relativ schwer, Burnout eindeutig zu erkennen.

Burnout und Depression

Eine Depression bezeichnet einen Zustand der psychischen Niedergeschlagenheit. Oft treten ein Burnout und eine Depression gemeinsam auf. Man hat festgestellt, dass eine Depression vor allem dann als Burnout-Symptom auftritt, wenn das „Ausbrennen“ speziell im Arbeitskontext aufgetreten ist. Die Symptome einer Depression können ähnlich den Symptomen eines Burnouts sein, darum sind klare Abgrenzungen nicht möglich, zumal Burnout nicht eindeutig definiert ist.

Entlastung, Erholung und Ernüchterung

Prävention und Intervention bei einem Burnout geschehen durch einen aktiven Wandel des Betroffenen. Dieser muss bereit sein, sich zu entlasten, Arbeit abzugeben und auch feste Ruhezeiten einzuhalten. Erholung soll die notwendige Entspannung schaffen. Dies kann sowohl auf der Arbeit als auch in der Freizeit geschehen. Es gibt spezielle Entspannungskurse zur Burnout-Prävention. Die Ernüchterung meint das Verdeutlichen der Realität. Damit umgeht man das Risiko, dass der Betroffene sich zu hohe Ideale setzt, an denen er zwangsläufig scheitern muss.

Literatur

BURISCH, Matthias: Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung, zahlreiche Fallbeispiele, Hilfen zur Selbsthilfe. Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2006.

HEDDERICH, Ingeborg: Burnout. Ursachen, Formen, Auswege. München: C.H. Beck Verlag, 2009.