
- Collage "Der General" und Ralph Turnheim - Pressefoto/KulturWerk Schlüchtern
Der Wiener Poet und Schauspieler Ralph Turnheim liebt die burlesken Stummfilme von Buster Keaton oder Laurel & Hardy. Mit eigenen Reimen im Wiener Schmäh kommentiert er unmittelbar die Handlung dieser von ihm vorgeführten Filme und spricht dazu die möglichen Dialoge.
Beispielsweise zeigt Turnheim seinen Buster-Keaton-Film „Der General“, der eine Episode aus dem amerikanischen Bürgerkrieg erzählt. Über den Lokomotivführer Johnnie sagt der Schauspieler: „Es schlug für zweierlei sein Herz ganz laut und schnell / Für seine stolze Lok und die schöne Annabelle“. Doch die Geliebte will ihn wie Vater und Brüder in Uniform sehen: „Die Anna kommt ihm nah / fragt: Was machst DU noch da? / Worauf Johnnie verwirrt / zum Heldentum spaziert“.
Während die Feinde seine Lok, den „General“, rauben, wendet sich Annabelle von ihm ab weil Johnnie kein Soldat wird: „Jetzt foahrt a dumpfes Schrillen durch alle seine Glieder / Die Frau hat er verloren - die Dampflok will er wieder!“. Nach allerlei Unbilden erkämpft er sich jedoch den „General“ zurück und gewinnt auch Annabelles Herz.
Slapstick-Komödien haben einen besonderen Humor
„Der General“ ist wie viele der sprachlosen, bald ein Jahrhundert alten Slapstick-Komödien komisch, wirkt aber heutzutage durch die übertriebene Spielweise der Stummfilm-Schauspieler besonders grotesk. Mit Turnheims altmodischen und schrägen, auf Wienerisch vorgetragenen Reimen vervielfältigt sich diese abstruse Komik. Amüsiert vergisst man ihn als Sprecher - die Filmbilder und seine Verse verschmelzen zum „Tonfilm“. Dann aber zerstört der präsente Schauspieler die Illusion des Films und wird erneut zum Mittler zwischen Film und Publikum.
„Einerseits unterwerfe ich mich dem Rhythmus des Films“, erklärt Turnheim, „dann wiederum bemächtige ich mich des Films. So kreiere ich eine neue Kunstform“. Die nennt er „Leinwand-Lyrik“.
Der 34-jährige Wiener - „Ein ganz untypischer, denn ich trinke keinen Kaffee und keinen Wein“ - lebt in Wiesbaden, wohin ihn 2002 sein erstes Theaterengagement führte. Schon als jugendlicher Zauberer kommentierte er seine Kunststücke mit komischen Reimen. „Die Versform ermöglicht einen anderen Witz“, sagt Turnheim, „man zwingt sich, eine Form für seine Gedanken zu finden“.
Drei Poetry-Programme
Der Schauspieler bietet drei Programme an, die „Buster Keaton Poetry“ mit „Sieben Chancen“ und „Der General“ sowie „Laurel & Hardy Poetry“. Damit ist er recht erfolgreich, denn das Publikum liebt seine Leinwand-Lyrik, wenn es sie einmal erlebt hat. Er reist oft zu Auftritten zwischen Wien und Norddeutschland umher, diese Arbeit füllt ihn voll aus. So schlimm findet er die viele Fahrerei aber nicht, „Ich gehöre zum Gauklervolk“, lacht er, „wir sind ja noch sehr archaisch…“.
