Butler – Dienen auf hohem Niveau

Karriere als Butler machen - Dirk Schelpe/pixelio.de
Karriere als Butler machen - Dirk Schelpe/pixelio.de
Butler kommen wieder in Mode. Doch wie wird man Butler? Und was zeichnet einen guten Butler aus? Über einen Beruf mit guten Verdienstmöglichkeiten.

Es gibt sie wieder, die fast unsichtbaren Gestalten, die Tee reichen und die Anzüge ausbürsten, die immer im rechten Moment zur Stelle sind, über alle(s) im Haus Bescheid wissen, aber deren zweiter Vorname Diskretion ist: Die Rede ist vom guten alten Butler, von James, der sich jedes Jahr aufs neue mit Miss Sophie im Dinner for one pflichtbewusst betrinkt oder von Hudson, der in den 1970ern im Haus am Eaton Place das Hauspersonal zusammenhielt.

Die Geschichte des Butlers

Das Wort "Butler" leitet sich ab vom französischen bouteiller ab, womit man im Mittelalter in Frankreich den Verwalter der Getränke meinte. Ein englischer bouteiller – oder butler – hatte jedoch nicht nur für Bier und Milch zu sorgen, sondern auch für Butter, Käse und Kerzen. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts war er ein Allroundtalent, das sich nicht nur um Wein, Besteck und Geschirr kümmerte, sondern auch die Verantwortung für die männliche Dienerschaft übernahm. Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts überwachte er die wesentlichen Abläufe des Haushaltes und war nach dem Hausherren der Mann mit der zweitgrößten Autorität.

Bis zum Zweiten Weltkrieg gehörten Butler in der besseren Gesellschaft sozusagen zur Grundausstattung. Rund 30.000 arbeiteten alleine in England. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm ihre Anzahl rapide ab. Inzwischen jedoch sind Butler wieder in – sei es weil man sich nicht um alles selbst kümmern mag, sei es als Statussymbol. Auch in Deutschland sollen einige von ihnen im Einsatz sein. Wo, das bleibt selbstverständlich geheim.

Ausbildung zum Butler

Früher gab es nur eine Möglichkeit Butler zu werden: Man musste sich hochdienen: vom hallboy zum footman zum Kammerdiener zum Butler. Von 1981 bis zu seinem Tod 2009 bildete Ivor Spencer, selbst Butler und Toastmaster seiner Majestät der Königin von England, an seiner Spencer International School for Butlers and Personal Assistants erstklassige Butler aus. Er war damit die älteste Institution dieser Art. Über 500 Auszubildende hatten seine harte Schule durchlaufen und dienen heute unter anderem der britischen Königsfamilie.

Auch in den Niederlanden gibt es eine Butlerschule. The International Butler Academy (TIBA) residiert in einem herrschaftlichen Anwesen. Acht Wochen lang werden die Schüler auf die Arbeitswelt als Butler vorbereitet. In einer Abschlussprüfung muss jeder beweisen, dass er auch wirklich das Zeug zum Butler hat. Dafür muss der Butler in spe tief in die Tasche greifen: Für 13.750 Euro steht ihm der Weg als Bediensteter in die Adelshäuser dieser Welt offen. Auch in Luxushotels oder auf Yachten kann er in anschließend in Stellung gehen.

Die Bewerber kommen aus aller Welt, einige wenige sind weiblich. Sie kommen aus unterschiedlichen Berufen. Viele von ihnen haben bereits Erfahrung als Hauspersonal und wollen ihre Fähigkeiten perfektionieren. Die Erwartungen sind unterschiedlich. Bei den meisten ist es die Verlockung, ein bisschen teilzuhaben an der Luxuswelt und sei es auch nur als Zaungast. Für einige ist es die Aussicht mit der Herrschaft in ferne Länder zu reisen. Die Verdienstchancen sind nicht schlecht: 100.000 Dollar im Jahr sind drin – dazu freie Unterkunft und Verpflegung: Butlersein ist Dienen auf hohem Niveau.

Die Aufgaben eines Butlers: ein 24-Stunden-Job

Ein Butler sorgt für einen reibungslosen Tagesablauf. So könnte das aussehen: Spätestens um 6 Uhr ist er auf den Beinen, um seinen Arbeitgeber zu wecken und den Early Morning Tea zu servieren. Er bereitet das Bad vor, legt die Kleidung bereit und erkundigt sich nach den Frühstückswünschen. Besuchern öffnet er die Tür, nimmt ihnen die Garderobe ab und begleitet sie hinein. Wo es einen Butler gibt, dort gibt es meist auch weiteres Hauspersonal. Oft obliegt die Organisation desselben dem Butler, das heißt in seiner Hand laufen alle Fäden zusammen, majordomo nennt man das auch. Er muss sich daher auch mit dem Eindecken des Tisches, der Sitzordnung, dem Servieren und den Menüfolgen auskennen. Er weiß um die Tücken der Wäsche- und Schuhpflege und kümmert sich um die Anforderung von Maßhemden und Maßanzügen sowie handgefertigten Schuhen.

Er ist versiert im Kofferpacken und weiß über die "wesentlichen Dinge" Bescheid: welche Kaviarsorten es gibt, was man über Zigarren, Whiskey und Wein wissen muss und vor allem wie man Herrschaften unterschiedlichen Standes korrekt anredet. Etikette ist für ihn selbstverständlich. Selbst das Bügeln der Zeitung, damit sich die Herrschaft an der Druckerschwärze nicht die Finger schmutzig macht, sollte ein Butler beherrschen. Auch meistert er heikle Situationen ohne Aufregung: komplimentiert ungebetene oder betrunkene Gäste hinaus, entlässt inkompetentes Personal und weist Avancen diskret zurück. Kurzum: ein Butler ist ein Alleskönner.

Was zeichnet einen guten Butler aus?

Tadellose Erscheinung: Zu einem guten Butler gehört, dass er stets wie aus dem Ei gepellt aussieht. Seine Haare sind perfekt frisiert, seine Schuhe geputzt und sein Hemd blütenweiß, gestärkt und gebügelt.

Diskretion: Der Butler ist jemand, der das unbedingte Vertrauen der Familie genießt. Aufgrund seiner häufigen Anwesenheit weiß er um die Familienangelegenheiten, käme aber nie auf den Gedanken, diese an die Öffentlichkeit zu tragen.

• Diplomatie, Loyalität und Neutralität: Ein Butler vermittelt ohne sich einzumischen und vertritt stets die Interessen seiner Herrschaft. Im Dienst ist der Butler eine Person, die sich keine Gefühlsregungen anmerken lässt.

• Engagement: Das Herz des klassischen Butlers gehört seiner Herrschaft. Möglicherweise ist er mit seinem Arbeitgeber häufig auf Reisen. Das bringt auch die Bereitschaft zum Verzicht auf eine eigene Familie und Freizeit mit sich.

• Allgemeinbildung: Ein guter Butler spricht mehrere Fremdsprachen, ist firm in der Etikette unterschiedlicher Kulturen, kann eine Yacht chartern, verfügt über medizinisches Grundwissen.

Perfektionismus: Halbheiten sind nichts für einen guten Butler. Eine festliche Tafel muss millimetergenau eingedeckt sein.

• Zuverlässigkeit und Belastbarkeit: Auf einen guten Butler ist stets Verlass. Auch auf ungeplante Zwischenfälle kann er geschickt reagieren und auch unter Stress gibt er noch hundert Prozent.

• Lautlosigkeit: Ein guter Butler ist wie ein guter Geist – immer dann zur Stelle, wenn man ihn braucht. Er bewegt sich geschmeidig, man hört ihn nicht. Dennoch: devot buckeln muss der Butler heutzutage nicht mehr.

• Organisationstalent: Zu den Aufgaben eines Butlers kann es auch gehören, Geschäftsreisen zu organisieren oder das Haushaltsbudget zu verwalten. Ein Butler in einem Haus mit mehreren Bediensteten hat also etwas von einem Unternehmensführer.

Quelle: Piras/Roetzel: British Style, Wohnen, Kultur, Lebensart. o. O. 2005.

Foto: Dirk Schelpe/pixelio.de

Ursula Kohaupt - Hineingeboren in die Generation Golf, aufgewachsen in Bayreuth und Kunstgeschichte studiert in Bamberg, Marburg & London. Danach sechs ...

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