
- Cabaret - Jan Wirdeier
Eine metallen-dekadente Stimme ertönt aus dem Zuschauerraum und leitet diese turbulente und packende Show ein: der Conférencier des Kit Kat Clubs (Michael Kargus) betritt die Bühne und begleitet den Zuschauer als roten Faden durch einer der frivolsten und zugleich düstersten Epochen der deutschen Geschichte. Noch existiert sie, die Weimarer Republik mit ihrer doch so jungen Freizügigkeit und Leichtlebigkeit der Subkultur in der Metropole Berlin mit Hunderten von Nachtlokalen, befreit vom moralischen Muff der darauf so stolzen Kaiserzeit.
Inhalt - Life is a Cabaret! - Eine Zeitreise in das prickelnde Berlin der Weimarer Republik
Es ist der Silvesterabend des Jahres 1929, in der Sally Bowles (Sophie Berner), diese naive und vergnügungssüchtige Nachtclub-Sängerin, ihr weltberühmtes "Life is a Cabaret" schmettert. Ihre Welt ist der verzauberte Nollendorfplatz, das billige Zimmer in Fräulein Schneiders Pension und der verruchte Kit Kat Club. Vor allem aber ihr unbändiger Wunsch, berühmt und geliebt zu werden. Der amerikanische Schriftsteller Cliff Bradshaw, jüngst in Berlin eingetroffen, verliebt sich in die schillernde Sängerin. Aber es gibt auch Platz für weitere Romanzen. Die Pensionschefin Fräulein Schneider und ihr Mieter, der Obsthändler Herr Schultz, suchen ihr spätes Glück. Für marschierende Nazis und Untergangsstimmung ist zunächst kein Platz. Auf Wiedersehn, à bientôt...!?
Die Entstehungsgeschichte von CABARET
Nie zuvor hatte ein Musical, das die politische Weltlage zu Beginn einer seiner dunkelsten Epochen beschreibt, derartiges Aufsehen erregt. Und so markiert die Entstehungsgeschichte von CABARET einen der ungewöhnlichsten Erfolge in der Geschichte des Musicals überhaupt. Basierend auf Erzählungen des englischen Schriftstellers Christopher Isherwood, der von 1929 bis 1933 in Berlin lebte, entstand 1951 in der Bearbeitung von John van Druten das Bühnenstück „I am a Camera“. 1963 ließ es der Broadway-Produzent Hal Prince von Joe Masteroff zum Bühnen-Musical „Cabaret“ umarbeiten, das 1966 seine triumphale Uraufführung am Broadway erlebte. 1972 wurde „Cabaret“ unter der Regie des berühmten Regisseurs und Choreographen Bob Fosse verfilmt und gelangte, dekoriert mit acht Oscars, zu Weltruhm.
Nach dem erfolgreichen Münchner Gastspiel 2008 kehrt die viel gefeierte „Cabaret“-Inszenierung des Madonna-Choreografen Vincent Paterson aus der „Bar jeder Vernunft“ in Berlin zurück ans Deutsche Theater.
Sogar für Musical-Muffel lohnenswert
Die Goldenen Zwanziger atmen ihren letzten Hauch in die Welt der Dreißiger Jahre, in der nicht alles Gold ist, was glänzt. Ein aufgedrehter, spritziger Abgesang auf die kulturelle Freizügigkeit der Zwanziger Jahre. „Wie gehts weiter ?“ Das Musical mit einem Dutzend weiterer handverlesener Darsteller und in der Begleitung eines fetzigen Fünf-Mann-Orchesters glänzt durch imposante Spritzigkeit, Rausch und Herz. Eine Aufführung der Sonderklasse, die sogar den Musical-Muffel mitreißt.
