Cadel Evans - der ewige Zweite?

Cadel Evans holt sich das Führungstrikot bei der Vuelta Espana

Cadel Evans ist der Mann der Stunde bei der Vuelta Espana. Kann der ewige Zweite endlich eine dreiwöchige Rundfahrt gewinnen?

Cadel Evans gilt seit Jahren bei jeder dreiwöchigen Landesrundfahrt, bei der er an den Start geht, als Favorit. 2002 stieg der Stern des Australiers, der bis dato lediglich in Mountainbike Kreisen bekannt war, bei der Italienrundfahrt auf. Der Newcomer konnte sich beim Giro d`Italia in Szene setzen und das rosa Trikot tragen. Auf der letzten Bergetappe musste er damals seiner Unerfahrenheit Tribut zollen und Paolo Savoldelli den Vorrang lassen.

Starker Auftritt bei der Tour 08

Unvergesslich wird auch sein Auftritt bei der Tour de France 2008 bleiben, als er sich am Ende lediglich um wenige Sekunden Carlos Sastre geschlagen geben musste. Im Ziel des Zeitfahrens vergoss der sympathische Australier bittere Tränen und konnte sich seinen Platz im Herzen des Weltradsportpublikums sicher sein. Was Cadel Evans auszeichnet, ist sein kämpferischer Fahrstil. Oft schaut es aus als würde er dem Tempo seiner Rivalen nicht mehr standhalten können wenn er sich unter Anstrengung regelrecht verbiegt. Dieser Kontrast zur oftmals zu lockeren Fahrweise eines Alberto Contador oder eines Andy Schleck lässt Cadel Evans glaubwürdig wirken wenn er auf die Sauberkeit seines Radsports schwört.

Tour 2009 - die grosse Enttäuschung

Die Tour de France 2009 hingegen würde er am liebsten vergessen machen. Seine komplette Saison hat Cadel Evans der großen Schleife untergeordnet. Nach einer gelungenen Vorbereitung und einer Dauphine Libere auf hohem Niveau hätte heuer sein Jahr werden sollen. Bereits beim Prolog war er allerdings der grosse Geschlagene und musste einen Rückstand auf die anderen Favoriten hinnehmen. Auch auf den Bergetappen lief es nicht nach Plan. Zu keiner Zeit konnte Evans Schleck, Contador, Armstrong und Co Paroli bieten.

Letzte Chance für eine erfolgreiche Saison

Nach der herben Enttäuschung bei der Tour de France will Cadel Evans es nun zum Saisonabschluss bei der Vuelta Espana wissen. Nach der ersten Bergetappe ist er der Träger des goldenen Trikots. Somit schaffte er einen historischen Hattrick mit tragikomischer Note: er hat sowohl rosa, gelb und gold getragen ohne jemals eine der drei großen Rundfahrten auf dem obersten Podest beenden zu können.

Die Vuelta könnte nun sein Sprungbrett weg vom Titel des ewigen Zweiten sein. Seine Konkurrenten um den Titel sind alle nicht dafür bekannt fehlerlos über drei Wochen zu kommen. Alejandro Valverde war seit 2004 bei jeder großen Rundfahrt bei der er an den Start ging unter den Favoriten und erwischte ebenso oft einen schwarzen Tag, der seine Hoffnungen zunichte machte. Ebenso Olympiasieger Samuel Sanchez, der zudem auf der ersten Bergetappe durch einen Sturz zurückgeworfen wurde. Ivan Basso scheint zwar konstant genug zu sein, dem Italiener fehlt aber in seinem ersten Jahr nach der Sperre die Brillianz, die von Nöten ist um seine Rivalen abzuschütteln. Andy Schleck musste von Magenkrämpfen geplagt bereits vom Rad steigen.

Ewiger Zweiter oder doch ein Siegertyp?

Ob Cadel Evans das Zeug dazu hat die Spanienrundfahrt zu gewinnen, wird sich in den nächsten zwei Wochen zeigen. Viel wird auch von seiner Mannschaft abhängen. Hier sehen Experten den größten Klumpfuß. Das Silence Lotto Team ist ein junges Team dem die Erfahrung fehlt. Erfahrung die Evans zwar besitzt, jedoch nicht als Sieger.