
- Cortes Denkmal in Cádiz - Renate Hämmerle
Als Napoleon im Jahr 1808 seinen Bruder Joseph zum spanischen König ernannte, regte sich in ganz Spanien Widerstand. Es kam zur Bildung von Juntas, die die Regierungsgeschäfte und Verteidigung der einzelnen Provinzen übernahmen. Um die Aktivitäten des Widerstands besser zu koordinieren, vereinigten sich die Juntas Provinciales 1808 in Aranjuez zur Zentraljunta. 1810 war diese gezwungen zuerst nach Sevilla, dann nach Cádiz, der einzigen Stadt, die nicht von Napoleon erobert worden war, zu fliehen.
Cádiz, widerständige Stadt am Atlantik
Aufgrund derDifferenzen innerhalb der Zentraljunta, die von liberalen und königstreuen Stömungen geprägt waren, bildete sich ein Regentschaftsrat, der schließlich die Cortes, die Ständeversammlaung, einberief. Die Cortes traten in der Kirche San Felipe Neri zusammen und arbeiteten die 384 Artikel umfassende Constitución von Cádiz aus, die sie am 19.März 1812 verkündeten.
Verfassung mit liberalem Geist
Die Verfassung von Cádiz, in Spanien liebevoll "La Pepa" genannt, trat am 19.März 1812, am Tag des Heiligen Josefs, in Kraft. Sie war geprägt von den Idealen der Französischen Revolution und sah für Spanien eine konstitutionelle Monarchie mit Gewaltenteilung vor. Erstaunlich modern und liberal klingt das Statut, proklamiert die Verfassung von 1812 doch die Menschenrechte, die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, das Recht auf Bildung, Freiheit und Eigentum sowie das Recht auf Pressefreiheit einfordert. Außerdem beschränkte sie die Macht des Klerus und schaffte die Inquisition ab.
Ferdinand VII. annuliert die Verfassung von 1812
Die von den Cortes ausgearbeitete Verfassung war von kurzer Dauer und ihre Anwedung war vornehmlich auf Cádiz begrenzt. König Ferdinand VII. annulierte 1814, als er aus der französischen Verbannung zurückkehrte, im Manisfest von Valencia die Verfassung und setzte sich an die Spitze der absolutistischen Bewegung, die die liberalen Prinzipien der Verfassung von Cádiz strikt ablehnte.
Cádiz, die Stadt die lächelt
So lautet der Slogan, mit dem die Stadt wirbt. Und in diesem Jahr 2012 hat sie allen Grund zu lächeln. Ein Ereignis folgt auf das andere Cádiz feiert in diesem Jahr nicht nur das Jubiläum der Constitución, sondern sie wurde auch zur Ibero-Amerikanischen Kulturhauptstadt ernannt. Das ganze Jahr über gibt es ein reges kulturelles Programm mit Künstlern aus ganz Lateinamerika. Außerdem findet der Gipfel der lateinamerikanischen Staats-und Regierungschefs statt. Die Intention dieses Gipfels ist es, ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu sichern und die Zusammenarbeit, Kommunikation und Weiterentwicklung auf politischer, wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Ebene zu fördern.
Auftakt der Veranstaltungsreihe ist der Flamencoabend "La Pepa" am 19. März 2012 mit Sara Baras. Die großartige Tänzerin und Choreografin hat das Geschehen um die Entstehung der Constitución in die Sprache des Flamencos übersetzt. Ein weiterer Höhepunkt ist das Konzert des Pianisten Manolo Carrasco, der ebenfalls die Entstehungsgeschichte der Verfassung musikalisch nachzeichnet.
