
- God hates us all - Heyne Verlag
Californication hat es nicht zuletzt mit David Duchovny in der Rolle des chaotischen Schriftstellers Hank Moody geschafft internationale Erfolge einzufahren. Vier Staffeln wurden bereits ausgestrahlt, die fünfte Staffel wird produziert. Showtime brachte mit Californication einen weiteren Hit, nachdem sich bereits Weeds schnell einer breiten Fan-Gemeinde erfreuen konnte.
Das Geheimnis des Erfolgs
Beobachtet man das Fernsehverhalten der US-amerikanischen Zuschauer, fällt einem schnell auf, dass neben bewährten Sitcoms, gerade Serien, die ihre Hauptfiguren ins kriminelle Milieu abtauchen lassen, ihnen seelische oder körperliche Krankheiten auferlegen, kurz, Serien, die keine reinen, edlen Helden heraufbeschwören, sich umso attraktiver vermarkten. Bei "Weeds" ist es die Gras verkaufende Mutter, bei "Die Sopranos" der zur Psychiaterin gehende Mafiaboss Tony Soprano, bei "Breakind Bad" der Chemilehrer Walter White, der nach dem Krebsbefund beschließt seiner Familie eine gehörige Stange Geld zu vererben und so zum gefürchtetsten Methamphetamin Hersteller New Mexicos wird.
In Californication ist Hank Moody mit den zweischneidigen Eigenschaften des trinkfesten Alkoholikers und hoffnungslosen Verführers ausgestattet. Ab und an raucht er einen Joint oder zieht schon mal ein paar Lines Koks. Hank Moody ist Hedonist mit Leib und Seele. Wäre da nicht die Mutter seiner Tochter (Karen) und seine Tochter (Becca) selbst, Moodys Party würde wohl bis zum Lebensende so weitergehen.
Ghost Writer Jonathan Grotenstein
Doch die Party seines Lebens endet immer wieder im Chaos. Selbstdisziplin gehört nicht gerade zum Repertoire des erfolgreichen Schriftstellers. Seine Affären und One Night Stands nehmen keinen Abbruch, man kann getrost davon ausgehen, dass Hank sexsüchtig ist, obwohl er nach eigener Aussage eher das weibliche Geschlecht nunmal so sehr liebt. Nicht selten verliert er die Kontrolle über sich und sein Leben, so wundert es auch nicht, dass sein Bestsellerroman „God hates us all“ in der romantischen Komödie „Eine verrückte Nebensache namens Liebe“ ausufert. Hank ist alles andere als amüsiert über diese Interpretation seines Werks. Und hätte die fiktive Figur des Hank Moody eine Meinung zum tatsächlich auf den Buchmarkt geworfenen Band „God hates us all“, sie würde vernichtend ausfallen. Als so genannter Ghostwriter wurde Jonathan Grotenstein anvertraut die Jugendsünden Hank Moodys zu verfassen. Als Ich Erzähler Hank berichtet Grotenstein also von den kleinen und großen Eskapaden eines heranwachsenden Jugendlichen, der in einigen Jahren Kalifornien unsicher machen soll. Zumindest auf den ersten Seiten kommt die Handlung dem so typischen Verhalten Hanks nahe. Sex in der Öffentlichkeit, die Braut einer im Prozedere begriffenen Hochzeit abgeschleppt, ganz viel Alkohol und ein verwüsteter Golfplatz. Doch damit hört das schockierende Potential abrupt auf. Grotenstein, der bisher als Co-Autor für Pokerratgeber arbeitete, erzählt die Geschichte eines Jugendlichen, dem das Glück entgegenkommt. Als Grasdealer in New York macht er seinen Job souverän, verdient sich noch etwas dazu. Später zieht er ins legendäre Chelsea Hotel, in dem bereits Sid Vicious und Nancy Spungen den Höhepunkt ihrer Heroinabhängigkeit durchliefen. Eine Welle von Klischees bricht über der Handlung ein. Exzentrische Musiker, ein ominöser Geldhai, ein zwielichtiger Hausmeister. Doch alle stehen für sich, sagen ihre zu erwartenden Sätze und verschwinden wieder von der Bildfläche.
Das soll Hank Moody sein?
Schnell kristallisiert sich heraus, dass Hank Moody aus Californication und der Ich Erzähler von „God hates us all“ zwei verschiedene Charaktere sind, die eher zufällig denselben Namen tragen. Der entwaffnende Charme, die flotten Sprüche, ebenso wie die tiefgründigen Liebesbekundungen der fiktiven Serienfigur bleiben im Buch außen vor. Selbst die absehbar ins Schlamassel führenden Gewaltausbrüche Hank Moodys, die das Zeug hätten die Story anzutreiben, tauchen nicht auf, schlimmer noch, Hank erweist sich als Streitschlichter, der dazwischen geht und für Ruhe sorgt. Was sich die Produktionsfirma Showtime bei diesem rhetorischen Kniff dachte, ist nicht auszumachen, Kult-Literatur bleibt „God hates us all“ nur in der Serie. Womöglich gab es aber eine Verwechslung in der Titelvergebung und das Buch hätte „Eine verrückte Nebensache namens Liebe“ lauten sollen.
Heyne Verlag, 256 Seiten
Quellen:
