Candomblé ist ein verbreiteter brasilianischer Religions-Kult in Bahia. Bei diesem ekstatischen Ritual verfallen Einzelne in Trance, haben Kontakt zu ihren Göttern und Geistern. Wer bei einer Reise nach Bahia das Glück hat, bei einem Candomblé teilzunehmen und eintaucht in die mysteriösen Riten derjenigen, die bei diesem Kult mitmachen, der bekommt bei diesem besonderen Erlebnis eine Ahnung von den Wurzeln der dort lebenden Menschen. Auf einmal meint man auch die Brasilianer im bunten und lebenslustigen Bahia viel besser zu verstehen - Nachkommen der ehemaligen Sklaven, die aus Afrika verschleppt und nach Brasilien verschifft wurden und 400 Jahre Unterdrückung überlebt haben. Candomblé ist ihre afro-brasilianische Religion, bei der verschiedene Götter oder Geister angebetet werden, die ursprünglich von afrikanischen Göttern hergeleitet sind: die sogenannten „Orixas“.

Brasilianische Candomblé-Tänzer in Bahia fallen plötzlich in Trance

Beim Condomblé, einer Art Gottesdienst mit vielen Voodoo-artigen afrikanischen, aber auch christlich-katholischen Elementen, kommen in einem großen Raum eines ganz normalen Wohnhauses etwa 15 bis 30 Personen zusammen, vor allem weiß gekleidete Frauen, die im Kreis tanzen und dabei singen. Eine ältere Frau ist die Priesterin und singt ein paar Takte vor, die anderen geben darauf eine Art Antwort im Chor. Im treibenden Rhythmus mehrerer Trommler, die in einer Ecke des Raumes ihre Congas bearbeiten, entsteht eine ganz besondere Gruppendynamik, die Spannung wächst, der sich die Anwesenden kaum entziehen können.

Im Zustand von Trance finden Candomblé-Tänzer Kontakt zu den Göttern

Die anhaltende Spannung gipfelt darin, dass ein einzelner der anwesenden Tänzer und Sänger in eine Art von Trance verfällt, plötzlich am ganzen Körper zittert und daraufhin von anderen Anwesenden umsorgt und aus dem Kreis der Tanzenden herausgeführt wird. Ein ekstatisches Ritual, das für europäische Anwesende fremdartig und exotisch wirkt. im Augenblick dieser Ekstase, so heißt es, stehe der Mensch im direkten Kontakt zu den Göttern. Nach einigen Minuten reiht sich der in Trance Gefallene wieder in den Kreis der Tanzenden ein. Dabei wird immer den sieben Orixas gehuldigt, die oft als Wandbemalungen die Räume der Candomblé-Tempel verzieren.

Viele geheime Candomblé-Kultstätten gibt es in Salvador de Bahia

Etwa 6000 solcher oft inoffiziellen Kultstätten soll es allein in Salvador da Bahia, der Hauptstadt des brasilianischen Staates Bahia geben - hier ist auch eine der Spielstätten der Fußball-WM 2014. Oft sind die Candomblé-Orte von außen nicht sichtbar und nur den Anhängern selbst bekannt. Beim Candomblé hat sich die traditionelle Religion der afrikanischen Schwarzen, die erst vor wenigen Generationen als Sklaven von Afrika nach Bahia gebracht wurden, wahrscheinlich durch den portugiesischen Einfluss mit dem Christentum vermischt. Gut zu sehen ist das an den beliebten, exotisch anmutenden Guckkästen aus Glas, die vollgestopft sind mit Glasperlen, Tierbildern, Federn, aber auch Heiligenbildchen christlicher Herkunft.

Afro-brasilianisches Candomblé für Besucher gibt es auch in Berlin

Manche Candomble-Rituale finden auch draußen unter freiem Himmel statt. Und es kann dabei auch etwas Blut fließen - so wird zum Beispiel auch schon einmal ein Huhn geschlachtet. Für Touristen ist es gewöhnlich nicht erlaubt, an diesen Ritualen teilzunehmen und es dürfen auch keine Fotos gemacht werden. Allerdings bieten einige Reiseveranstalter in Salvador de Bahia mittlerweile die Möglichkeit, an solchen Ritualen teilzunehmen - Achtung: oftmals für satte Preise.

Wem es nicht gelungen ist, eine der preiswerten Reisen nach Bahia zu bekommen oder die beste Reisezeit für Brasilien verpasst hat, der kann den afrobrasilianischen Kult trotzdem kennenlernen: Inzwischen gibt es auch schon einen Candomblé-Tempel in Berlin.