Cannae - eine der berühmtesten Schlachten in der Geschichte

Bild zur Schlacht bei Cannae - jaci XIII
Bild zur Schlacht bei Cannae - jaci XIII
Am 2. August 216 v. Chr. fand in Cannae an der adrianischen Küste zwischen Rom und Hannibal eine der denkwürdigsten Schlachten aller Zeiten statt.

Der 2. August 216 v. Chr. ging als der Tag in die Militärgeschichte der Menschheit ein, an dem nie zuvor und auch vielleicht nie wieder danach so zahlreich getötet und gestorben wurde wie an diesem Tag. Nicht einmal bei den größten Schlachten wie Verdun oder Stalingrad starben an einem einzigen Tag so viele Soldaten. Für Rom sollte es die schlimmste und traumatischste Niederlage in seiner Geschichte werden.

Die Vorgeschichte: Hannibals Zug im zweiten punischen Krieg

Es war 25 Jahre her gewesen, seitdem die Seehandelsmacht Karthago, der größte Rivale der jungen römischen Republik, vor Rom im ersten punischen Krieg kapituliert hatte. Für die Punier (wie die Karthager auch als Hinweis ihrer Nachkommenschaft von den Phöniziern genannt werden) war diese Niederlage schmachvoll. Sie mussten ganz Sizilien abtreten und 80 Tonnen Silber an Reparationen zahlen.

Hannibal Barkas, Sohn des karthagischen Heerführers Hamilkar, war zu diesem Zeitpunkt gerade 6 Jahre alt und nahm nur wenige Jahre später bereits an den Feldzügen seines ergrimmten Vaters in Iberien teil. 221 v. Chr. ist Hannibals Stunde gekommen. Er wird von seinem Soldaten zu ihrem Anführer auserkoren. Im Jahr 218 v. Chr. zieht er, provoziert durch die Besitzansprüche römischer Gesandter auf Iberien, gegen die Stadt am Tiber. Der zweite punische Krieg beginnt.

Hannibals Feldzug in den nächsten zwei Jahren ist ein Präventivschlag: Er plant, Rom anzugreifen und zu verwüsten, noch bevor die Römer ihre Truppen nach Iberien und Karthago senden können. Mit 90.000 Fußsoldaten, 12.000 Reitern und 37 Kriegselefanten überquert Hannibal die Alpen. Vorwiegend sind es Söldner aus Numidien, Iberien und Gallien. Auf seinem Marsch durch Italien besiegt er mehrere römische Heere und zieht in den Südosten, wo das Land fruchtbar ist. Er hofft dort, Rom zu einer Kapitulation zu zwingen. Doch die Senatoren in Rom wollen nicht aufgeben, Hannibal jedoch auch nicht unterschätzen. Sie stellen das größte römische Heer bis dahin zusammen, 70.000 Mann stark. Vor Cannae prallen die Heere aufeinander. Hier soll die Entscheidung fallen.

Die Aufstellung

Am Morgen des 2. August befindet stellt sich Hannibals Heer im Südwesten auf. 40.000 Mann Infanterie und 10.000 Reiter sind ihm geblieben. Auf der anderen Seite, im Nordosten, das römische Heer. Die Römer sind mit 70.000 Fußsoldaten und 6.000 Reitern deutlich in der Überzahl. Die römischen Legionäre sind bestens ausgerüstet mit Panzern, Schilden, Kurzschwertern und Wurfspeeren. Auf der anderen Seiten kämpfen manche von Hannibals Söldnern nur mit nacktem Oberkörper.

Die Fronten beider Heere sind etwa gleichlang, 1 Kilometer. Die Römer stehen tiefer gestaffelt. Das dieses größerer Heer die Front nicht verbreitert, wird sich als tödlicher Fehler erweisen. Die kommandierenden Konsuln Pallus und Varro haben auch Probleme, das Riesenheer zu kontrollieren. Kommandos können nicht schnell überall hin übertragen werden. Die Kavallerie beider Armeen steht auf beiden Seiten der Heere.

Der Halbmond

Nach den ersten Scharmützeln zwischen den Leichtbewaffneten beider Heere prallt die Masse der römischen Infanterie auf die Mitte der Söldner Hannibals. Es gelingt ihnen, die Söldner im Zentrum zurückzudrängen. Folglich massieren sich immer mehr Legionen in der Mitte der Schlacht, um die feindliche Linie hier endgültig zu zerbrechen. Die Linie der karthagischen Söldner wird zu einer Mondsichel. Doch sie hält.

Zu spät merken die Römer, dass sie auf einmal von drei Seiten angegriffen werden, da die rechte und die linke Seite der karthagischen Linie - bestehend aus loyalen libyschen Elitekriegern - nun die römische Infanterie überflügeln und einkesseln. Die Legionäre können nun keine großartigen Manöver mehr ausführen, zumal der Boden durch Blut, Eingeweide und Leichen schlüpfig geworden ist. Die Römer müssen knietief darin kämpfen, nahezu bewegungsunfähig.

Die Kavallerie

Noch merkt niemand im Zentrum, was sich an den Flanken abspielt. Auf der linken (von Süden aus gesehen) Flanke wird die römische Kavallerie von den Iberern und Kelten überrascht, indem diese einfach von ihren Pferden absitzen. Auf dem eng begrenzten Schlachtfeld haben die römischen Reiter einen wesentlich unsichereren Sitz (Anmerkung: In der antiken Reiterei gab es noch keine Steigbügel!) als die Männer Hannibals nun auf ihren eigenen Beinen einen guten Stand haben. Die Lanzen spießen die Römer im Galopp auf und fegen sie von ihren Rössern. Was Konsul Paullus hier passiert ist, kann nicht geklärt werden: Bis auf den allerletzen Mann wird Paullus' Reiterei niedergemetzelt.

Anschließend sitzen die Söldner wieder auf und gallopieren quer über das ganze Schlachtfeld zur rechten Flanke, um dort den Numidern zu helfen, die Reiter von Varro zu besiegen. Kurz darauf ist die römische Kavallerie geschlagen. Bemerkenswert ist, dass ein Großteil der iberischen keltischen Söldner noch nicht einmal die Verfolgung der Römer aufnehmen, sondern sofort ins Zentrum drängen.

Die Numider wollen ebenfalls nicht allzu viel Zeit mit der Verfolgung von Varros Reitern verschwenden und begnügen sich damit, ihren Pferden im vollen Galopp die hinteren Fuß- und Beinsehen durchzuschneiden. Sie werden später wenden und den hilflos im Staub umherkriechenden Legionären den Gnadenstoß versetzten. Konsul Varro gelingt allerdings die Flucht mit nicht mehr als 300 anderen Reitern.

Das Massaker

Die römische Infanterie sieht sich nun von allen Seiten attackiert, als auch noch die Kavallerie Hannibals von hinten angreift. Die zahlenmäßige Überlegenheit ist nutzlos, da die Legionäre auf engem Raum verkeilt stehen, während die Iberer, Kelten, Lybier und Numider alle Bewegungsfreiheit haben. Dies bewirkt, dass die Römer am Rande des römischen Heeres sich nicht bei Erschöpfung zurückziehen können, während die Legionäre im Inneren der Masse zur Hilflosigkeit verdammt sind.

Bis zur Abenddämmerung dauert das Gemetzel. Die Schlacht von Cannae dauerte 9 Stunden. Die Römer verloren über 60.000 Soldaten, während die Verluste Hannibals noch nicht einmal 10.000 betrugen. Für Rom war es der höchste Blutzoll in seiner Geschichte, der ihnen auch noch nach dem Untergang Karthagos im dritten punischen Krieg im Gedächnis eingebrannt bleiben würde.

Quellen: