
- Cover "Caravaggios Geheimnis" - Pendo Verlag
Wie schon in seinem Buch über seinen Namensvetter Tilman Riemenschneider erzählt Röhrig das Leben des großen Malers vor allem im Kontext seiner Zeit, ihren Zwängen und Gepflogenheiten, denen sich ein Maler zu unterwerfen hatte, wollte er erfolgreich sein.
Röhrig beschreibt Caravaggios Kindheit und Jugend, die durch Krankheit und Tod des Vaters verursachte Armut und seine Lehrjahre bei einem guten aber charakterlosen Maler unter der Knute des Gesellen, der auf der einen Seite seine künstlerische Entfaltung zu behindern sucht und ihn andererseits sexuell missbraucht. Sein Drang, sich als Maler zu verwirklichen, sein Talent und die Liebe von Paola der Jugendfreundin, lassen ihn diese schwere Zeit überstehen und den Versuch wagen, sich in Rom als Künstler zu beweisen.
Caravaggio - Genialer Maler und entwurzelter Mensch
Immer wieder stehen Caravaggio sein unbezähmbares Temperament und sein übersteigertes Ehrgefühl auf der einen und seine Rauf- und Sauflust auf der anderen Seite im Wege. Er schafft es nicht, sich in der Künstlerwelt Roms mit ihrem Intrigenspiel zu etablieren. Trotzdem gelingt es ihm einige kunstsinnige Gönner mit seinem modernen und frechen Malstil für sich zu gewinnen. Die Lichtgestaltung und die Komposition seiner Bilder bringt eine völlig neue Sichtweise in die Kunstwelt des 17. Jahrhunderts, die, wie alles Neue, das Publikum in Bewunderer und unerbittliche Gegner spaltet.
Caravaggios Gegner unter den römischen Malern lassen ihn bespitzeln und zetteln eine Intrige gegen ihn an, der er mit der ihm eigenen Sturheit und Gewalttätigkeit entgegentritt. Als er den Spitzel der Gegenpartei tötet, muss er aus Rom fliehen. Er versucht beim Malteserorden Unterschlupf zu finden, gerät aber auch dort in eine Intrige, die ihn erneut zur Flucht zwingt. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Sizilien findet er in Neapel noch einmal Ruhe, um zu Malen. Aber auch dort wird er von den Schergen des Malteserordens aufgestöbert und fast getötet. Nachdem ihn Paola gesund gepflegt hat, hofft Caravaggio auf Begnadigung durch den Papst und reist Richtung Rom. In Porto Ercole wird er Opfer eines Betruges und stirbt, wahrscheinlich an einem erneuten Anfall von Malaria, die ihn auch in Rom schon einmal in Todesgefahr gebracht hatte.
Mitleidlos beschreibt Röhrig Caravaggios cholerische Persönlichkeit
Caravaggios Unfähigkeit, sich auf die Gesetzmäßigkeiten des römischen Kunstmarktes einzulassen, seine Weigerung sich helfen zu lassen, sein cholerisches Temperament verhindern letztlich, dass der Nachwelt mehr Bilder dieses genialischen Gestalters von Licht und Dunkel erhalten geblieben sind.
In einer Rahmenhandlung beschreibt Röhrig auch noch den Raub eines Gemäldes von Caravaggio aus einer sizilianischen Kirche in der Gegenwart. Das Gemälde gilt bis heute als verschollen. Außer dem räumlichen Zusammenhang mit Caravaggios Sizilienaufenthalt wird keine Verbindung zwischen Rahmenhandlung und Romanhandlung hergestellt. Vielleicht soll das ignorante Verhalten der Kunstdiebe mit Caravaggios eigener Ignoranz im Hinblick auf gesellschaftliche Gepflogenheiten korrespondieren, aber ein wirklicher Sinn und Zweck der Rahmenhandlung erschließt sich nicht.
Obwohl so auch am Ende des Buches eine ganze Reihe von Fragen offen bleiben, ist Tilman Röhrig mit „Caravaggios Geheimnis“ eine mitreißende Romanbiografie des revolutionären Malers gelungen.
Tilman Röhrig: Caravaggios Geheimnis. Pendo Verlag, 2009. gebunden, 496 Seiten, Euro 19,95
