
- Kulisse der Sommerorpette - pixelio
Schleswig-Holstein hat eine überaus lebendige Theaterlandschaft. Zwar gibt es hier kein Staatstheater wie in anderen Bundesländern, aber die von der Landesregierung mit erheblichen Mitteln unterstützen Stadttheater in Lübeck und Kiel und das Schleswig-Holsteinische Landestheater mit Spielstätten in Flensburg, Rendsburg und Schleswig sind ein Fundament, das von zahlreichen „freien“ Bühnen ergänzt wird. Derer gibt es in Lübeck mindestens sechs, in Kiel zwei. Hinzu kommen die Niederdeutschen Bühnen in Flensburg, Kiel – die hat sogar ein eigenes Haus –, Lübeck und Neumünster. Nicht zu vergessen die zahlreichen Festspiele wie die Sommeroper in Eutin, die Sommer-Operette in Lübeck, die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg und die Figurentheater-Festivals in Husum, Kappeln und Preetz.
Rolf-Peter Carl ist ein kundiger Autor
Der frühere Leiter der Kulturabteilung im Schleswig-Holsteinischen Kultusministerium Dr. Rolf-Peter Carl (67) hat in seinen vielen Dienstjahren an dieser wichtigen Stelle einen vortrefflichen Überblick über die Theaterlandschaft Schleswig-Holsteins gewonnen. In seiner Monografie geht es ihm allerdings weniger um das Hier und Heute als um die bunte Geschichte des Theaters in unserem Lande.
Nicht nur, dass viele berühmt gewordene Schauspieler, Sänger und Dirigenten hier ihre Karriere begonnen haben. An der Entwicklung des deutschen Theaters hat das Land einen gewichtigen Anteil gehabt. Dafür waren die Höfe in Eutin und Schleswig ebenso wesentlich wie die Nähe zu Hamburg. Theatertruppen, die hier schon waren, zogen auch noch weiter nach Norden. In der reichen Hansestadt Lübeck und in Kiel zumindest zur Zeit des „Umschlag“ ließ sich immer Geld verdienen.
Selbst die Neuberin war hier
Und so finden wir denn die Truppe Neuberin hier ebenso wie alle ihre Nachfahren. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert hat das Land die ganze Entwicklung des deutschen Theaterwesens gesehen. Und in Flensburg, Kiel, Lübeck und Rendsburg entstanden schon früh feste Häuser – wobei es wohl deutschlandweit einmalig ist, dass an der Trave seit 260 Jahren Theater nur in der Beckergrube gespielt worden ist.
Allerdings hatten es auch in den größeren Städten die Theater bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg schwer. Solange wurden sie von Pächtern betrieben, die eine ungeheure Zahl von Stücken in jeder Spielzeit auf die Bühnen ihrer Häuser brachten – nur kurz geprobt und schnell wieder abgesetzt. Noch in der Zwischenkriegszeit konnte selbst das Kieler Theater vom heimischen Publikum nicht leben und gastierte unter anderem in Eutin und Plön. Die Bühnen in Flensburg, Rendsburg und Schleswig betrieben – und betreiben bis heute- ihr Gewerbe immer im Umherziehen. Wenn das Theater auch in Schleswig-Holstein immer wieder in Krisen geraten ist: Es waren eigentlich immer solche des Geldes …
Rolf-Peter Carl: Vorhang auf! Theater in Schleswig-Holstein. Boyens Buchverlag 2008. Gebunden, 128 Seiten. Euro 12,90.
