
- Der Schatten des Windes - Ruiz Zafón, Carlos - http://bilder.buecher.de/produkte/25/25138/2513809
Mit seinem Roman entführt Carlos Ruiz Zafón den Leser in das düstere Barcelona der Nachkriegszeit. Der 10-jährige Daniel Sempere gerät in den Bann eines rätselhaften Buches. Fasziniert von der Geschichte macht er sich auf die Suche nach dem Geheimnis des Buches, welches sein Schicksal viele Jahre begleiten soll. Der spanische Bestseller-Autor hat mit "Der Schatten des Windes" ein Meisterwerk geschaffen. Der Roman ist Abenteuerlektüre, Liebesaffäre und Thriller - vereint in einer faszinierend verwobenen Erzählung, wie sie sonst nur selten zu finden ist.
Der Friedhof der vergessenen Bücher
Die Geschichte beginnt für Daniel (und für den Leser) auf dem Friedhof der vergessenen Bücher. Daniels Vater hatte ihn erstmals dort hingeführt, im Glauben es sei nun der richtige Zeitpunkt gekommen. Die Beschreibung der Bibliothek als ein Labyrinth aus Gängen und Regalen gelingt Zafón so bildhaft, dass der Leser meint, selbst durch die Tunnel, Treppen und über die Brücken des alten Palastes voller Bücher zu irren. Daniels Vater, selbst ein Buchhändler, weiht seinen Sohn ein in die Geschichte der Bücher, "die sich in der Zeit verloren haben", an die sich niemand mehr erinnert. Und er erzählt Daniel von dem Brauch, nach dem jemand der die vergessene Bibliothek zum ersten Mal betritt, sich ein Buch aussuchen muss, und er es bewahren muss, damit es nicht wieder verschwindet. "Jedes einzelne Buch hat eine Seele. Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seelen derer, die es gelesen und erlebt und von ihm geträumt haben." Daniel wählt "Der Schatten des Windes" und liest es in der gleichen Nacht. Und damit beginnt die Suche nach einem verschwundenen Autor.
Ein Roman voller Magie
Auf den Spuren des mysteriösen Autors "seines" Buches erlebt der junge Daniel Sempere so manch magischen Moment und fast scheint es so, als dass sein Buch und sein eigenes Leben auf seltsame Weise miteinander verbunden sind. Daniel lernt die Frauen kennen und verliebt sich, aber auch düstere Ecken Barcelonas und Verstörendes vermag er zu entdecken. Zafón bedient sich dabei einer ganz besonderen Erzählweise, teils fast ein wenig altmodisch anmutend und dann wieder mit Wortspielen und versteckten Andeutungen ausgestattet. Es ist eine Sprache voll atmosphärischer Dichte, gespickt mit Aphorismen und Zafón gelingt damit, was jeder Leser am meisten hofft und ersehnt: Tief einzutauchen in den Kosmos dieser schönen, manchmal traurigen und immer spannenden Lektüre.
Ein Schmöker - nicht nur für Romantiker - unbedingt empfehlenswert
Zugegeben, der nicht spanische Muttersprachler oder spanisch versierte Dolmetscher könnte beim Lesen der vielen spanischen Namen oder Orte ein wenig verwirrt werden, das gibt sich aber recht bald wieder, denn die meisten Namen tauchen immer wieder auf. Die anfangs weit voneinander stehenden Erzählstränge verdichten sich im Laufe der Geschichte zu einem zunächst nicht vorstellbaren Geflecht aus Magie, Tragik und Romantik. "Einen wunderbaren Schmöker" nennt Elke Heidenreich das Buch, "eine großartige Lektüre für von ganzem Herzen Romantiker" sagt Stephen King. Recht haben sie beide.
Carlos Ruiz Zafón: "Der Schatten des Windes", Insel Verlag, gebundene Ausgabe: 526 Seiten, 25 Euro.
